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Flüchtlings-Chaos am Hauptbahnhof - OB Reiter: „Solche Bilder will ich nicht noch mal sehen“

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Von: Phillip Plesch

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Flüchtlinge schlafen am Boden des Münchner Hauptbahnhofs.
Flüchtlinge schlafen am Boden des Münchner Hauptbahnhofs. © Privat

Schlimme Szenen am Hauptbahnhof: Ankommende übernachten am Boden. Der Oberbürgermeister macht sich selbst ein Bild und verspricht Besserung.

Sie lassen ihren Besitz zurück, verlassen die Ukraine, ihre Heimat, um vor dem Krieg zu fliehen, kommen nach mehreren Tagen Flucht völlig fertig am Münchner Hauptbahnhof an - und müssen dann auf dem Boden übernachten. Diese Bilder haben für großes Entsetzen gesorgt, die Situation am Hauptbahnhof drohte zu eskalieren. Nun ist aber Besserung in Sicht.

„Solche Bilder will ich nicht noch mal sehen“, sagt OB Dieter Reiter. „Noch dazu, wenn ich weiß, dass es Hotels in der Nähe gibt, die aufnahmefähig gewesen wären…“ Der Oberbürgermeister kam am Mittwochvormittag selbst zum Hauptbahnhof, um sich einen Überblick zu verschaffen - und um zu vermitteln.

Freiwillige Helfer stoßen an ihre Grenzen

Als die Stimmung kippte, schritt OB Dieter Reiter ein.
Als die Stimmung kippte, schritt OB Dieter Reiter ein. © Plesch

Denn die Stimmung bei den freiwilligen Helfern war am Kippen. Teilweise sind sie seit einer Woche im Einsatz, beinahe rund um die Uhr, schlafen wenig und versorgen die Ankommenden oft mit Geld aus der eigenen Tasche. „Wir stoßen an unsere Grenzen“, sagt Susanne Grill. Sie ist Managerin des Hotels Cocoon und hilft seit mehreren Tagen am Bahnhof mit.

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Susanne Grill, Hotelmanagerin, setzt sich am Hauptbahnhof für die Ankommenden ein.
Susanne Grill, Hotelmanagerin, setzt sich am Hauptbahnhof für die Ankommenden ein. © Plesch

Seit Sonntag schon warnte sie die Stadt und die Landesregierung vor der schlechten Situation um die Flüchtlinge. Als Dienstagnacht dann alle Notfallunterkünfte voll waren und Familien in der Bahnhofshalle strandeten, reichte es ihr. Politiker der Freien Wähler hörten ihr als Erste zu - sie waren am Mittwoch in der Früh zum Bahnhof gekommen. „Es fehlt faktisch an allem: Vom Strom über Toiletten bis zur Schlafgelegenheit“, sagt Fabian Mehring, Parlamentarischer Geschäftsführer der Freien Wähler im Landtag.

Grüne wollen Katastrophenfall ausrufen lassen

Die Situation soll sich jetzt bessern - zum Beispiel mit 1400 Masken, die gestern auf die Schnelle organisiert wurden. Vor allem aber ist nun auch die Erstversorgung mit Essen und Getränken am Bahnhof gesichert. Die Beschilderung zum provisorischen Ankunftscenter soll ebenfalls verbessert werden. Probleme gab es aber noch mit dem Strom. „Wir müssen mit der Deutschen Bahn reden, da wir vieles nicht durften, was wir wollten“, sagt Reiter. Zum Beispiel seien Brandschutz und Fluchtwege zu berücksichtigen.

Mit ukrainischen Flaggen kennzeichnen sich die freiwilligen Helfer.
Mit ukrainischen Flaggen kennzeichnen sich die freiwilligen Helfer. © Plesch

Ab sofort sollen am Infopoint der Caritas auch immer städtische Beschäftigte vor Ort sein, um Probleme gegebenenfalls schnell weiterzugeben und zu lösen. Allerdings soll das Ankunftscenter am Hauptbahnhof zukünftig nur noch fürs erste Willkommen da sein. „Wir wollen hier maximal noch ein, zwei Tage bleiben, dann soll es ein komplettes Ankunftscenter in einem Münchner Hotel geben - gleich am Bahnhof“, erklärt der Oberbürgermeister. Schlafplätze soll es in anderen Hotels geben, die dafür auch bezahlt werden. Es habe bereits über eine Million Euro Spenden gegeben, zudem schlägt Reiter dem Stadtrat vor, mindestens eine Million obendrauf zu legen. „Am Geld soll es nicht scheitern.“

Reiter rechnet für München insgesamt mit einer fünfstelligen Zahl an Ankommenden (bisher etwa 2000). Um den Kommunen bei der Unterbringung zu helfen, fordern die Grünen im Landtag die Ausrufung des Katastrophenfalls in Bayern.

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