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Studie der Stadt München: Wohnen, Verkehr & Co. – Was sich die Bürger wünschen

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Von: Marius Epp, Sascha Karowski

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Die Stadt hat 2021 eine Bürgerbefragung durchgeführt.
Die Stadt hat 2021 eine Bürgerbefragung durchgeführt. © Jens Hartmann fuer tz

Viele Münchner wünschen sich mehr Investitionen in Sachen günstiger Wohnraum und Kinderbetreuung. In einem anderen Bereich würden sie zurückstecken.

München - Wie sehen Münchner* ihre Stadt, was läuft gut, woran hakt es noch? Die Verwaltung gibt in regelmäßigen Abständen eine Studie in Auftrag, die eben auch diese Fragen klären soll. Zuletzt war 2016 eine solche Bevölkerungsbefragung durchgeführt worden. Für die neue Studie verschickte die Verwaltung zwischen Januar und Februar Fragebögen an 22.000 zufällig ausgewählte Münchner über 18 Jahre. 7073 der Adressierten haben teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen wir hier.

Starke Identifikation: Die Befragten fühlen sich insgesamt stark mit München* (88 Prozent „sehr stark“ oder „eher stark“) und ihrem Stadtviertel (74 Prozent) verbunden. Sehr viel oder viel Vertrauen in den Stadtrat haben 54 Prozent, in die Verwaltung 53 Prozent. Noch etwas mehr Vertrauen wird dem Gesundheitswesen (69 Prozent), der Polizei* (66 Prozent) und dem Rechtssystem (61 Prozent) entgegengebracht.

Umfrage unter Münchnern: 86 Prozent mit Kulturangebot zufrieden

Lebensbedingungen: Die höchste Zufriedenheit kann das Kulturangebot verbuchen: 86 Prozent der Teilnehmer sind sehr zufrieden oder zufrieden. Ähnlich ist das Bild beim Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel* (79 Prozent), der medizinischen Versorgung (80 Prozent) und der Attraktivität von Grünflächen, Parks und Plätzen (77 Prozent).

Als weniger gut empfinden die Münchner die Barrierefreiheit, das Radfahren* (Radwegenetz, Park- und Abstellmöglichkeiten, Verkehrssicherheit), die Parkplatzsituation für Autos und insbesondere die Versorgung mit Wohnungen. 40 Prozent der Teilnehmer äußern sich zudem unzufrieden mit der Versorgung mit Kinderbetreuungseinrichtungen. 41 Prozent bewerten das Angebot als gut.

Fünf Probleme: Die Befragten wurden gebeten, die fünf größten Probleme in München aufzulisten. Am häufigsten bemängelt wurden dabei die hohen Mieten und Kaufpreise (49 Prozent). 34 Prozent der Teilnehmer kritisierten außerdem, dass es zu wenig Wohnraum* gibt. Auch der Verkehr allgemein, der überlastete ÖPNV* und der Radverkehr werden als große Probleme benannt.

Münchner wünschen sich mehr Geld für günstigen Wohnungsbau

Mehr Investitionen: Befragt nach den Investitionen der Stadt, sagten 77 Prozent, dass München mehr Geld für günstige Wohnungen ausgeben sollte. Dabei stimmten 60 Prozent der Aussage „In meinem Viertel sollten überhaupt keine neuen Wohnungen durch Nachverdichtung geschaffen werden“ „eher nicht“ oder „gar nicht“ zu. 32 Prozent sehen im Bereich Bildung und Kinderbetreuung finanziellen Nachholbedarf. Für Umwelt- und Klimaschutz stimmten 29 Prozent der Teilnehmer. Mehr Geld für den ÖPNV wünschen sich 23 Prozent.

Häufig genannt werden zudem die Bereiche „Digitale Stadt“, „Fuß- und Radverkehr“ und „Integration, Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit“. Allerdings sagen für diese Bereiche auch viele der Befragten, dass die Stadt hier weniger Geld ausgeben sollte.

Weniger Investitionen: Größer ist die Differenz zwischen mehr und weniger Investitionen beispielsweise beim Punkt Sicherheit. 18 Prozent der Befragten gaben an, dass die Stadt dort weniger Geld ausgeben sollte. Mehr Investitionen wünschten sich zehn Prozent. Gleichzeitig gaben aber 52 Prozent an, sich abends oder nachts in Grünanlagen oder Parks (sehr) unsicher zu fühlen.

Dass München für die „Förderung von Wirtschaft und Beschäftigung“ weniger Geld ausgeben soll, sagen 29 Prozent der Teilnehmer. Weniger Investitionen in Parks, Plätze und Grünflächen wünschen sich 15 Prozent, bei Kultur, Sport und Freizeit sind es 19 Prozent. Bemerkenswert ist die Frage nach Investitionen in den Autoverkehr. Lediglich sieben Prozent der Teilnehmer wünschen sich mehr Geld, 61 Prozent von ihnen weniger Investitionen.

Umfrage unserer Zeitung: Das wünschen sich die Münchner

Heide Waldmann (70), Rentnerin aus Schwabing
Heide Waldmann (70), Rentnerin aus Schwabing © Markus Götzfried

„Ich wohne seit 50 Jahren hier. Mittlerweile sind einfach zu viele Menschen in der Stadt. Sie ist am Explodieren. Die Innenstadt muss deshalb noch verkehrsberuhigter werden. Die Stadt sollte sich zudem für spannendere Architektur einsetzen.“ Heide Waldmann (70), Rentnerin aus Schwabing

Walter Baumann (77), Rentner aus Bogenhausen
Walter Baumann (77), Rentner aus Bogenhausen © Markus Götzfried

„Für die Kultur wird viel investiert, das finde ich richtig. Mein Vorschlag: Autofreie Zone innerhalb des Mittleren Rings. Die Digitalisierung ist auch ein großes Problem. Solange die Gesundheitsämter mit Fax arbeiten, gibt es genug zu tun.“ Walter Baumann (77), Rentner aus Bogenhausen

Reinhold Vogel (67), Rentner aus Neuperlach
Reinhold Vogel (67), Rentner aus Neuperlach © Markus Götzfried

„Mit dem ÖPNV bin ich sehr zufrieden. Ich finde aber, man sollte nicht alles autofrei machen. Ich wünsche mir, dass die Stadt mehr bezahlbaren Wohnraum schafft. Mein Sohn musste München fürs Umland verlassen, weil er mit seiner Familie keine Wohnung gefunden hat.“ Reinhold Vogel (67), Rentner aus Neuperlach

Julia Lichtblau (44),  Hausverwalterin aus Untergiesing
Julia Lichtblau (44), Hausverwalterin aus Untergiesing © Markus Götzfried

„Ich wünsche mir weniger Autos in der Stadt. Wir müssen an die Zukunft denken. Zudem sollte die Stadt die „kleinen“ Vermieter nicht so stark mit der Erbschaftssteuer belasten. Zusätzlich sollten große Unternehmen wie Google in die Pflicht genommen werden, damit sie Wohnraum für ihre Mitarbeiter schaffen.“ Julia Lichtblau (44), Hausverwalterin aus Untergiesing

Damaris Gräupner (29), Flugbegleiterin aus München
Damaris Gräupner (29), Flugbegleiterin aus München © Markus Götzfried

„Da ich mich nicht auf den ÖPNV verlassen kann, fahre ich fast immer mit dem Auto. Zudem sind die Preise utopisch. Ich finde gut, dass die Stadt viel für die Kultur tut. Mehr Geld muss in die Digitalisierung und den Wohnungsbau fließen.“ Damaris Gräupner (29), Flugbegleiterin aus München

Oliver Batinic (33), Logistiker aus Sendling
Oliver Batinic (33), Logistiker aus Sendling © Markus Götzfried

„Ich wünsche mir, dass die Stadt in den Bereichen Klimaschutz und Digitalisierung mehr investiert. Zum Beispiel das KVR könnte viel mehr Dinge online regeln, damit man nicht immer vorbeikommen muss. Zudem ist der Immobilienmarkt eine Katastrophe. Es reicht aber nicht, einfach nur mehr Wohnungen zu bauen.“ Oliver Batinic (33), Logistiker aus Sendling (ska/epp) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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