München unterirdisch

Welcher Tunnel kommt als nächstes?

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München - München wird unterirdisch. Zumindest der Verkehr soll es werden. Nach dem der Luise-Kiesselbach-Tunnel fertig ist, gibt es weitere Pläne für andere viel befahrene Straßen. Wer ist als nächstes dran?

Nach dem Tunnel ist vor dem Tunnel. Am Luise-Kiesselbach-Platz verläuft der Mittlere Ring seit rund acht Wochen unterirdisch. Und längst machen sich Politik, Stadtverwaltung und Bürger Gedanken darüber, welche weiteren Tunnelprojekte der Stadt gut tun würden. Wie es aussieht, hat die Landshuter Allee die besten Karten, danach folgt die Tegernseer Landstraße. Als eine Art Sonderprojekt läuft parallel der Englische Garten. Die Bezirksausschüsse befassen sich schon mit der Sache – und in den kommenden Wochen wird der Stadtrat entscheiden, welcher Tunnel wie wichtig ist. Die tz hat schon mal bei Anwohnern nachgefragt: 

Tegernseer Landstraße

Die Lage: Klar für die Anwohner ist: Der Verkehr auf der Tegern­seer Landstraße soll weniger werden. Bis zu 130 000 Autos täglich sind derzeit auf der Straße unterwegs. Und: In zehn Jahren wird die Zahl wohl auf bis zu 148 500 Autos pro Tag steigen. Gleichzeitig gibt’s hier pro Kilometer Strecke rund 4300 Anwohner.

Es wird noch länger dauern bis der Plan für den Tunnel an der Tegernseer Landstraße ausgereift sein wird.

Die Pläne: Bei einer Machbarkeitsstudie hat eine Gutachtergemeinschaft zusammen mit dem TÜV Süd mehrere Varianten unter die Lupe genommen – kurz, lang, oben offen, oben zu: alles dabei. Welcher Vorschlag der beste ist, darüber sind sich die Anwohner nicht einig. Die Gutachter hatten eine Verlängerung des Candid-Tunnels um 880 Meter bis zum McGraw-Graben vorgeschlagen, aber es wird wohl noch genauere Untersuchungen brauchen.

Marius Steinberger zeigt: Hier muss ein Tunnel her.

Der Anwohner: Auf die Frage „Brauchen Sie einen Tunnel?“ muss Marius Steinberger (30) grinsen. „Kommen Sie mal auf den Balkon!“ Seit vier Jahren wohnt er hier an der Tegernseer Landstraße. Sagen wir’s so: verkehrsgünstig gelegen... „In der Nähe sind zwei U-Bahn-Haltestellen. Und einkaufen kann man hier auch super“, sagt er. Alles gut – wenn da nicht die Tegernseer Landstraße wäre! „Ich kann wegen des Staubs und wegen der Abgase nicht mal Wäsche auf dem Balkon aufhängen“, klagt er. Mit Freunden draußen sitzen? Keine Chance! „Dann müsste man sich anschreien – das ist mir zu anstrengend“, sagt er lachend. Ab drei Uhr in der Früh geht der Verkehr los. Ende ist erst gegen Mitternacht. Die Lösung, auch für Steinberger: Ein Tunnel muss her! „Es dürfte halt nicht so lange ­dauern wie beim Kiesselbach-Tunnel..."

Englischer Garten

Die Lage: Endlich wieder vereint! Das ist das Ziel vieler Freunde des Englischen Gartens – und es ist das Ziel des Architekten-Paars Hermann Grub und Petra Lejeune. Wieder vereint – weil der Ring im Moment den Englischen Garten durchschneidet. Wer aus dem Norden zum Kleinhesseloher See will (oder andersrum, muss über eine Brücke.

So soll der Tunnel den Englischen Garten unterlaufen.

Die Pläne: Grub und Lejeune würden die rund 1000 Meter lange Strecke zwischen Iffland- und Dietlindenstraße sechspurig ausbauen – und zwar unterirdisch. Die Sache hat viele Unterstützer, reizvoll ist sie natürlich vor allem, weil sie die Stadt nochmal grüner machen würde. Das Baureferat geht davon aus, dass der Bau rund vier Jahre dauern würde, die Kosten lägen wohl bei 120 bis 150 Millionen Euro.

Für die Radfahrer wäre das eine große Erleichterung.

Die Passanten: Wir treffen viele Radlfahrer hier – zum Beispiel Gerda Meier und Magrit Kramer (71). Letztere sagt: „Natürlich muss der Englische Garten untertunnelt werden!“ Die Pensionärin kommt aus Freimann und radelt fast täglich über die Fußgängerbrücke Richtung stadteinwärts. Ob zum Einkaufen, zum Friseur oder zum Arzt – es gibt immer was zu erledigen. „Man sieht doch, was die Renaturierung der Isar gebracht hat: absolute Lebensqualität. Warum nicht auch im Englischen Garten?“

Landshuter Allee

Die Lage: Einer der Knotenpunkte der Stadt! In 24 Stunden rauschen hier bis zu 150 000 Autos vorbei. Klar, dass Lärm- und Schadstoffgrenzwerte überschritten werden. Zur Luftreinhaltung hat die Stadt hier das Tempo auf dem Ring auf 50 herabgesetzt.

Ein immenses Unternehmen: Der Tunnel an der Landshuter Allee.

Die Pläne: Ein 1450 Meter langer Tunnel vom Ende der Donnersbergerbrücke bis zur Brücke über die Dachauer Straße. Kosten soll der Tunnel etwa 537 Millionen Euro, die alte 350 Meter lange Röhre wird abgebrochen. Baubeginn wohl nicht vor 2023. Die Idee des Projektentwicklers Rolf Rossius, auf dem Tunnel Wohnungen zu bauen (tz berichtete), lässt sich offenbar nicht verwirklichen.

Mohamed Khalid-Ibrahim wünscht sich ­einen Tunnel.

Der Anwohner: Für Mohamed Khalid-Ibrahim (20) ist die Landshuter Allee mit ihren Abgasen schuld daran, dass seine Familie krank geworden ist. „Meine Schwester, meine Mutter und ich haben Asthma bekommen“, klagt er. Mohamed ist klar für einen Tunnel. Zehn Jahre lang wohnte er mit seiner Familie direkt an der Landshuter Allee, vor drei Monaten zog die Familie 200 Meter weiter. In der Ruffinistraße haben sie jetzt den Laden Marias Feinkost aufgemacht.

F. Fussek, L. Brettmeister

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