In 150 Fällen

Mann gesteht Missbrauch an den eigenen Töchtern

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Joseph S. wird ins Gericht geführt.

München - 115 Mal verging sich Joseph S. (57) zwischen 2000 und 2007 an seiner älteren Tochter, danach missbrauchte er bis 2007 auch die jüngere über 40 Mal. Vor dem Landgericht gab er diese unfassbaren Taten am Montag zu.

Mit eisigem Blick schauen die zwei jungen Frauen ihren Vater an. Schulter an Schulter sitzen Antonia (24) und Lisa (21, Namen geändert) im Gerichtssaal – und fixieren mit starren Augen jenen Mann, der ihnen jahrelang unendliches Leid zugefügt hat. 115 Mal verging sich Joseph S. (57) zwischen 2000 und 2007 an seiner älteren Tochter, danach missbrauchte er bis 2007 auch die jüngere über 40 Mal. Vor dem Landgericht gab er diese unfassbaren Taten am Montag zu.

Tiefe Furchen zeichnen das Gesicht des Kinderschänders. Er selbst bringt nicht die Courage auf, seinen Töchtern in die Augen zu schauen. Stattdessen verliest sein Verteidiger Thomas Novak eine Erklärung: „Die Vorwürfe entsprechen der Wahrheit. Die Begehung der Taten tun meinem Mandanten leid.“ So einfach klingt die Schuld von Joseph S. Und so brutal ist ihre Realität!

Immer wieder nahm der frühere Berufskraftfahrer die kleine Antonia mit, wenn er in seinem Lkw auf Tour war. In Fahrpausen, wo er eigentlich schlafen sollte, verging er sich an seiner damals gerade 13-jährigen Tochter. Beim Sex mit ihrem Vater hatte sie laut Anklage heftige Schmerzen und weinte – trotzdem ließ Joseph S. nicht von ihr ab. Acht Jahre lang muss Antonia den Missbrauch erdulden: auch daheim, im Westbad, im Auto und im Zelt. 2007 lässt er von ihr ab und vergeht sich an Lisa – drei Jahre lang. Erst danach offenbaren sich die Mädchen per SMS ihrer Mutter, die sich nach 21 Ehe-Jahren sofort scheiden lässt. „Ich war am Boden zerstört. Ich hatte nie etwas mitbekommen“, sagt sie unter Tränen aus.

Antonia und Lisa haben heute eigene Familien und selbst Kinder. Das Geständnis ihres Vaters erspart ihnen die Aussage. Im Gegenzug dafür hatte ihm die Richterin eine maximal neun Jahre Haft zugesichert. Der Prozess dauert an.

Andreas Thieme

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