1. tz
  2. München
  3. Stadt

Vorsicht vor diesen Fallen in München: Verbraucherzentrale stellt größte Aufreger des Jahres vor

Erstellt:

Von: Phillip Plesch

Kommentare

Ärger mit Postzustellungen gehörten auch im vergangenen Jahr zu den größten Aufregern für die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Ärger mit Postzustellungen gehörten auch im vergangenen Jahr zu den größten Aufregern für die Verbraucherinnen und Verbraucher. © Rolf Vennenbernd

Die Fallen werden auch in München immer größer: Ob bei der Post, in Fitnessstudios oder beim Online-Shopping – überall lauern Gefahren. Die Verbraucherzentrale hilft.

München - Der Teufel lauert immer dort, wo man ihn am wenigsten vermutet. Das zeigen die Erfahrungen der Verbraucherzentrale, die jetzt ihre größten Aufreger des vergangenen Jahres zusammenfasst – und daraus folgend auch die wichtigsten Tipps für uns alle. Von ungewolltem Ärger bis hin zu ganz bewusster Abzocke: Für uns Kunden gibt’s jede Menge Alltags-Fallen, in die wir tappen können. Zusammen mit Juristin Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern erklären wir, worauf man achten sollte.

Ärger mit der Post: Verzögerungen und Erkenntnisse über neue Masche

Klassiker unter den Aufregern sind die Post- und Paketzustellungen. „Hier nehmen die Beschwerden immer mehr zu“, sagt Tatjana Halm, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Zum Beispiel werden Pakete verspätet oder an falscher Stelle abgegeben.

Davon kann auch Lidia Ellmauer ein Klagelied singen. Die Münchnerin wollte ein Paket nach Polen verschicken und hatte es ordnungsgemäß frankiert beim Paketshop abgegeben. „Als ich zwei Tage später im Internet gesehen habe, dass mein Paket immer noch nicht unterwegs war, habe ich in dem Shop angerufen“, erzählt sie. Ihr wurde sowohl vom Paketshop als auch vom Paketdienst versichert, dass man sich darum kümmern werde. Nach einer Woche war das Paket aber immer noch nicht abgeholt. Nachforschungen ergaben: Es war schlicht auf dem falschen Stapel gelandet – und kam erst mit einiger Verspätung letztlich doch noch in Polen an.

Von Schwierigkeiten beim Paketversand kann auch Lidia Ellmauer ein Klagelied singen.
Von Schwierigkeiten beim Paketversand kann auch Lidia Ellmauer ein Klagelied singen. © Michael Westermann

Eine neue Masche ist laut Tatjana Halm, dass nun minderwertigere Waren in den Paketen sind. Die Schwierigkeit für Verbraucher: Nachweisen, dass etwas Falsches geliefert wurde. Belege aufheben und seine Sendungen zu verfolgen, hilft.

Energie-Pauschale im Fitnessstudio: Kunden sauer wegen Drehkreuz-Masche

Viele Beschwerden gab es bei der Verbraucherzentrale 2022 auch wieder zu Fitnessstudios. Das neueste Ärgernis: Die Studios verlangten zusätzliche „Sonderpauschalen“, um erhöhte Energiepreise abzudecken. Verbraucher hätten dem zugestimmt, indem sie beim nächsten Besuch durch das Drehkreuz gegangen waren.

„Diese Vorgehensweise halten wir für unzulässig“, sagt die Juristin. Sie rät: „Verbraucher sollten der Abbuchung des erhöhten Betrags auf jeden Fall ausdrücklich widersprechen. Wurde der Betrag im Lastschriftverfahren abgebucht, kann man ihn sich zurückholen.“ Allerdings sollte man dann nicht vergessen, den korrekten Beitrag auch wirklich ans Fitnessstudio zu zahlen.

Zu den häufigsten Beschwerden gehörten im vergangenen Jahr zudem Abzocken im Fitnessstudio.
Zu den häufigsten Beschwerden gehörten im vergangenen Jahr zudem Abzocken im Fitnessstudio. © Britta Pedersen

Fake-Shops im Internet: Achtung vor schwarzen Schafen beim Internetkauf

„Die Probleme mit den Fakeshops ebben nicht ab.“ Die angebotenen Waren wurden dabei der aktuellen Nachfrage angepasst. So fokussierten sich die Betrüger wegen der Energiekrise vor allem auf Brennmaterialien wie Holzpellets, Brennholz oder Gas.

Opfer eines Online-Betrugs war 2022 auch Denise S. aus Trudering. Sie wollte über Ebay-Kleinanzeigen ein Konzert-Ticket kaufen und war schließlich um 900 Euro ärmer. Beim Bezahlvorgang hatten sie die Betrüger auf eine Fake-Seite gelotst. Dabei dachte Denise S., sie wäre mit der Funktion „Sicher bezahlen“ vor Betrügereien geschützt. Sie gab ihre Kreditkartennummer an. Und bevor sie die Abzocke bemerkte, war das Geld auch schon futsch. Denn als sie ihre Mastercard sperren ließ, waren schon 900 Euro abgehoben worden.

„Leider muss man sagen, dass es meistens nicht mehr möglich sein wird, das Geld noch zurückzubekommen“, sagt Tatjana Halm. So ging es auch Denise S. Mehr als einen kleinen Teil von der Rechtsschutzversicherung gab es nicht. Die Funktion „Sicher bezahlen“ soll Käufer und Verkäufer schützen. Und das klappt auch – wenn man sich ganz genau an den Ablauf hält. Was nicht dazugehört, sind Links, über die bezahlt werden soll. Ein Austausch von Kontodaten oder Telefonnummern ist bei sicheren Zahlungen nicht nötig, sagt ein Ebay-Sprecher. „Da die Betrüger immer professionellere Seiten erstellen, raten wir zu besonderer Vorsicht“, betont Halm. Am besten sei es, nicht per Vorkasse, sondern nur auf Rechnung zu bezahlen. Verbraucher können Anbieter auch vorab auf dem Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale überprüfen.

Und wenn man doch mal hereingefallen ist? „Es ist wichtig, dass Verbraucher eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Nur dann besteht die Möglichkeit, dass gegen den Shop vorgegangen wird“, sagt die Juristin. Das gehe inzwischen auch regelmäßig online. Fake-Seiten gibt es auch auf Facebook: Zuletzt waren vor allem die Profile von Radiomoderatoren dafür missbraucht worden.

Die Microsoft-Masche: IT-Riese würde bei Problemen nicht persönlich anrufen

Bei der Microsoft-Masche werden Verbraucher von vermeintlichen Mitarbeitern angerufen. Auf dem PC sei ein Virus und es müsste Geld gezahlt werden, um das Problem zu beheben. Das ist dann natürlich weg – und mit Pech hat man danach tatsächlich einen Virus auf dem Computer. „Microsoft ruft bei Problemen niemals an“, betont Halm. „Wir raten Verbrauchern, einfach aufzulegen und keinerlei Zugangsdaten herauszugeben oder Zahlungsaufforderungen nachzukommen.“

Sie hilft den Verbrauchern: Juristin Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale.
Sie hilft den Verbrauchern: Juristin Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale. © Verbraucherzentrale

Besserer Verbraucherschutz im Jahr 2023: Leichtere Kündigung und mehr Nachhaltigkeit

Es gab aber auch Verbesserungen im vergangenen Jahr 2022. So können neu abgeschlossene Verträge etwa mit Fitnessstudios, bei Streamingdiensten oder Zeitschriftenabos jetzt nach der ersten Laufzeit monatlich gekündigt werden. „Verpasst man die Kündigungsfrist, ist man also nicht mehr für ein weiteres Jahr gebunden“, erklärt Halm. Zudem sollte der Kündigungsbutton vieles erleichtern. Online abgeschlossene Verträge können jetzt auch online gekündigt werden. Problem: Entweder fanden die Verbraucher diesen häufig nicht auf den jeweiligen Websites, oder er war tatsächlich nicht vorhanden.

Und was erwartet die Verbraucher dieses Jahr? „Das Jahr 2023 steht ganz im Sinne der Nachhaltigkeit“, verrät Halm. Unter dem Schlagwort „Recht auf Reparatur“ sollen gesetzliche Anreize gesetzt werden, Waren und Produkte besser reparieren lassen zu können. „Akkus oder Displays sollen etwa so verbaut werden, dass sie ausgetauscht werden können. Auch Ersatzteile sollen leichter und länger zugänglich sein und Gewährleistungsrechte werden eventuell verlängert“, erklärt Halm. Wie das genau aussehen soll, muss sich erst noch zeigen. Doch die Verbraucherzentrale erhofft sich einige Verbesserungen für die Verbraucher.

Auch interessant

Kommentare