München verschärft die Öko-Offensive

+
Das Wasserkraftwerk Isar 1

München - Die Stadtwerke München (SWM) werden von der aktuellen Anti-Atomkraft-Bewegung nicht kalt erwischt: Schon seit Jahren nimmt der kommunale Stromversorger Kurs auf erneuerbare Energien.

 Die jetzt absehbare Wende in der großen Politik hin zu regenerativen Energiequellen ist quasi Wasser auf die Mühlen von SWM-Chef Kurt Mühlhäuser. Das Ziel, rein rechnerisch alle Privathaushalte der Stadt und eine sechsstellige Kundenzahl außerhalb mit umweltfreundlich erzeugtem Strom zu versorgen, könnte mit Glück und Rückenwind schon 2013 oder 2014 erreicht sein. Das Öko-Engagement der SWM spiegelt sich im Ergebnis einer neuen bundesweiten Studie wider – nirgendwo gibt es ein Unternehmen mit einem besseren Öko-Image. Mühlhäuser: „Die Leute nehmen wahr, dass wir konsequent auf erneuerbare Energien setzen.“

Der Solarpark Andalos 3 in Andalusien geht heuerans Netz.

Zwar haben an der Erhebung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft nur 26 kommunale sowie drei regionale Stromversorger teilgenommen und keine Mega-Konzerne. SWM-Chef Kurt Mühlhäuser glaubt aber, dass es bei Vattenfall & Co. um die Kundenzufriedenheit auf diesem Sektor nicht besonders gut bestellt wäre – und sie deshalb lieber nicht teilgenommen haben. Die vier großen Stromkonzerne waren es ja, die den sogenannten Atomkompromiss 2010 erzwungen haben. Auch die Stadtwerke beziehen Strom aus einem Kernkraftwerk – Isar II in Ohu bei Landshut. Sie haben sich aber durch den Beschluss der Laufzeitverlängerung nicht beirren lassen. „In drei Jahren hat sich der Anteil an regenerativen Energien versiebenfacht.“

SWM setzen auf Geothermie

Schon jetzt können insgesamt 280 000 Haushalte (von insgesamt 850 000 inklusive Kleingewerbe) umweltfreundlich versorgt werden, 140 000 allein mit Wasserkraft. Die Wasserkraftwerke liegen an der Isar, an der Mangfall, Leitzach und Schlierach. Bis 2025 rechnen die Stadtwerke mit einem Investitionsvolumen von satten neun Milliarden Euro. Die SWM suchen in ganz Europa nach alternativen Energiequellen. Fündig wurden sie zum Beispiel in Südspanien: 33 000 Haushalte können mit dem SWM-Stromanteil aus dem Parabolrinnen-Kraftwerk Andasol 3 in Andalusien versorgt werden, das heuer in Betrieb geht. Die SMW sind auch an deutschen Solarkraftwerken engagiert.

Woher kommen die Namen der Münchner Stadtteile?

Münchner Vororte und Stadtteile: Das bedeuten ihre Namen

Wie vor kurzem berichtet, setzen die SWM auch auf Geothermie in München und Umland und Windkraft (z.B. in der Nordsee). In Bayern könnte zehn Prozent des Bedarfs von Windrädern gedeckt werden, mahnt Mühlhäuser an, bisher ist es nur ein Prozent. Der SWM-Boss fordert nun auch mehr Akzeptanz für Windparks, für den Netzausbau, sprich Hochspannungsleitungen, mehr Engagement in der Kraft-Wärme-Kopplung wie sie in München durch Fernwärme praktiziert wird – und verstärkte Anstrengungen bei Speichertechnologien.

BW

 

Der Atom-Makel des Öko-Riesens

Seit der Errichtung des Kernkraftwerks Isar II in Ohu bei Landshut in den 1970er-Jahren gehören den Stadtwerken 25 Prozent des Meilers. Passt Atomstrom zum Image eines umweltfreundlichen Energieversorgers?, fragen kritische Stimmen seit Jahren.

Den SWM wird vorgeworfen, sie hätten nie ernsthaft versucht, die Anteile zu verkaufen – weil sie nicht auf die Gewinne nicht verzichten wollten. SWM-Chef Kurt Mühlhäuser betont, man habe angesichts der wechselhaften Diskussionen über Laufzeiten in den vergangenen Jahren keine zahlungswilligen Interessenten gefunden. „Verschenken dürften wir unseren Anteil nicht.“

Außerdem: „Es spielt keine Rolle, wer an den AKW beteiligt ist.“ Wichtig sei, dass es beim Ausstieg im Jahr 2020 bleibt. Isar II könnte nach derzeit noch geltendem Recht bis 2034 laufen. Es sei unmöglich, gleichzeitig alle AKW vom Netz zu nehmen, so Mühlhäuser, aber es müsse der Druck da sein, alternative Energien und Technologien für Transport und Speicherung zu erschließen.

“Ob das ein Gott gemacht hat?” Die besten Sprüche über München

"Ob das ein Gott gemacht hat?" Die besten Sprüche über München

 

Die Preise bleiben günstig

SWM-Chef Kurt Mühlhäuser ist ein Streber. Er will, dass München die erste Millionenstadt weltweit ist, die den gesamten Strombedarf – der 850 000 Privathaushalte und der Wirtschaftsunternehmen (7,5 Milliarden Kilowattstunden) – 2025 ganz aus regenerativen Energiequellen decken kann. Er verlegt ein leistungsfähiges Glasfasernetz, fährt seit Jahren die Ausbauoffensive Fernwärme, plant jetzt ein Öko-Angebot auch für Gaskunden.

Für diese und weitere Anstrengungen erwartet er bei Kundenbefragungen gute bis sehr gute Noten und bekommt sie meist auch. Das klappt allerdings nur, weil Mühlhäuser auch darauf achtet, dass die SWM auch bei den Preisen für Strom, Gas und Trinkwasser im Städtevergleich immer auf dem ersten oder zweiten Platz landet. Das gelingt auch nach der für 1. April angekündigten Preiserhöhung für Strom.

 

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare