Verwaiste Fahrräder werden entfernt

33 Fälle in einer Stunde: Radl-Sheriffs misten aus

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Das Urteil der Expertin: Dieses Radl wurde verlassen.

München - Die Stadt München lässt im Zentrum alle verwaisten Fahrräder entfernen. Den Job übernehmen die Radl-Sherriffs. Die tz hat sie begleitet. Pro Stunde kommen sie auf 33 Fälle.

Radl-Sheriff Monika Baur ist mit Tacker, Banderolen und Kamera bewaffnet. Ihr Jagdrevier: Marienhof, Neues Rathaus, Tal, Rindermarkt. Hier spürt die 46-Jährige mit ihrem Kollegen Tino Rompel (51) verlassene Radl auf, markiert und fotografiert sie.

Seit 15 Jahren ist die städtische Angestellte Expertin für Schrottradl. Das sind Radl, die offensichtlich nicht mehr fahrtauglich sind und die immer im Herbst entfernt werden. 3000 waren es im vergangenen Jahr. Doch lange bevor ein Drahtesel zum Schrottradl wird, beginnt ein Prozess, den so mancher auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause über Jahre beobachten kann:

Indizien: Radl mit kaputten Teilen wie Kette, Sattel oder Pedale

Ein Radl wird abgestellt, weil der Reifen platt oder die Kette gerissen ist. Es wird nie wieder abgeholt. Nun macht ein platter Reifen oder eine gerissene Kette noch lange kein Schrottradl. Einen Stellplatz blockiert es aber trotzdem.

Markieren und fotografieren...

In einem Pilotprojekt will die Stadt jetzt solche entfernen. Verlassene Radl, die mit ein wenig Arbeit wieder fahrtüchtig wären. Bisher wurde das in den städtischen Park & Ride-Anlagen ausprobiert. Seit Dienstag werden verlassene Radl auch rund um den Marienplatz entfernt. Vorab wurden an den Stellplätzen Schilder angebracht, die über die Aktion informieren. Die Radl-Sheriffs gehen die Reihen ab. Verdächtig sind Radl mit kaputten Teilen wie Kette, Sattel oder Pedale. „Wenn der Müll sich im Radlkorb stapelt oder der Sitz verstaubt ist, machen wir auch unsere Banderole dran“, sagt Monika Baur. Sie kennzeichnet ein Radl, das sich an ein anderes verlassenes Radl gekuschelt hat. Die Spinnweben am Sattel sind zusammengewachsen.

Etwa 20 Prozent der Radl werden markiert

Monika Baur und Tino Rompel misten die Radl in der Altstadt aus.

Beim nächsten Radl prüft Tino Rompel mit dem Fuß den Luftdruck. Keine Luft, Banderole drum. 33 Radl schaffen die beiden in einer Stunde. Sie prüfen, markieren, notieren und machen ein Foto. Etwa 20 Prozent der Radl werden markiert. In vier Wochen schauen sie, welche Radl noch da sind – etwa die Hälfte, das zeigt die Erfahrung. Die werden sechs Monate lang eingelagert. Falls sich doch ein Besitzer erinnert, dass er sein Radl irgendwann irgendwo abgestellt hat. Doch die wenigsten werden abgeholt.

Um die Radl haben sich gemeinnützige Organisationen beworben. Die Park &Ride-Radl sind von einer Stiftung als Spende nach Afrika verschifft worden. Derzeit wird geprüft, wer die Übrigbleibsel vom Marienplatz bekommt und ob das Projekt an weiteren Radlbrennpunkten fortgesetzt wird.

Nicht nur durch die Ausgemisteten gibt’s bald mehr Stellplätze in der Altstadt: In den Sommerferien will die Stadt drei überdachte Parkplätze hinter dem Rathaus an der Landschaftsstraße aufstellen. Dort können die Schrottradl dann kuscheln, bis die Radl-Sheriffs vorbeikommen und ihre Banderole tackern.

Jasmin Menrad

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