Ex-Stoiber-Mitarbeiter vor Gericht

Sie prellte ihren Märchenprinzen

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Vor Gericht sprach der gewandte Ziehvater Clemens L., seine Tochter schwieg

München - Die Geschichte von drei verworrenen Existenzen beschäftigt derzeit das Gericht: Es geht um eine Anklage gegen einen ehemaligen Mitarbeiter von Ex-Ministerpräsident Stoiber.

Vor einigen Jahren lief seine Karriere noch glänzend: Clemens L. (56) arbeitete als Jurist in der Staatskanzlei, war Ministerialrat unter Edmund Stoiber und schrieb für ihn die Reden. Das private Glück im Leben des beredten Mannes blieb aber aus: Erst stirbt seine Verlobte durch einen Unfall. Ein Jahr später lernt er Christina S. (34) kennen, die er später als Ziehvater adoptiert und sogar einen Ehemann für sie findet: den Münchner Anwalt Oliver S. – hier beginnt die Geschichte von drei verworrenen Existenzen. Sie endet mit der Anklage wegen Betrugs gegen den Ex-Mitarbeiter Stoibers und seine Adoptivtochter (Az: 2 KLs 267 Js 236260/10). Ein Fall, der Oliver S. um mehr als drei Millionen Euro brachte und ihm beinahe die Existenz raubte.

Vor Gericht legt Clemens L. eine Art Lebensbeichte ab und erzählt die Geschichte von ihm und Christina S. – einer armen jungen Frau, die Adelsmärchen liebt und von einem Leben als Prinzessin träumt. L. ermöglicht es ihr, zusammen kaufen sie Antiquitäten und stellen die gemeinsame Wohnung damit randvoll. „Wir lebten wie im Schloss“, erzählt L.

Es fehlte noch der Prinz, und so arrangierte der Ziehvater via Internet Treffen mit Männern – Oliver S. biss an und heiratete die junge Frau schwerverliebt im Sommer 2008 in Las Vegas. Später kauft er für 2,18 Millionen Euro eine Münchner Wohnung, die er Christina komplett überschreibt, und übergibt ihr nahezu 50 Mal Bargeld in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.

Doch die Beziehung bröckelt. Angeblich erfindet Christina einen adligen Großonkel, der ihr droht und Geld sehen will – Geld, das S. bezahlt. Eine andere Version lautet: Christina war streitsüchtig, und S. erkaufte sich ihre Liebe mit Geldgeschenken zurück. Über die Wahrheit in diesem Märchen-Prozess befinden die nächsten fünf Verhandlungstage.

thi

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