Neuer Zamperl-Rekord

München hat so viele Hunde wie noch nie

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Robert Herr (43), Flugkapitän aus München mit seinem Akita Ken sagt: "Mit dem Englischen Garten haben wir viel Glück. Es ist wichtig, dass die Hunde hier frei laufen können. In der Altstadt mit hoher Verkehrsdichte ist die Leinenpflicht sinnvoll. Sonst sollten zuverlässige Hunde ohne Leine laufen dürfen."

München - Wuff, wau und grrrr: Die Münchner werden immer hundefreundlicher. Jetzt gibt’s sogar einen neuen Rekord: Im vergangenen Jahr waren 32 640 Vierbeiner bei der Stadt gemeldet.

Das sind fast 1000 mehr als im Vorjahr und über 3000 mehr als vor fünf Jahren. Schärfere Kontrollen hin, neue Leinenpflicht her: Zumindest die Herrchen müssen der Meinung sein, dass ihre Hunde in der Stadt glücklich werden. Das bestätigen sie auch in der tz-Umfrage – von wegen Hundeleben!

Die häufigsten Hunderassen in München (VERGRÖßERN).

Tatsächlich liegt der Zamperl-Trend nicht am Zuzug von Haltern in die Stadt, sondern an der Hundeliebe. Noch vor fünf Jahren kamen – rein rechnerisch – 47 Einwohner auf ein Tier, heute ist mindestens einer von 44 Münchner auf den Hund gekommen. Kein Wunder, dass mittlerweile sogar Hundestadtführer erscheinen (siehe unten)! Auch Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD) freut’s: Schließlich werden jetzt zum 15. Januar wieder die 100 Euro Hundesteuer pro Jahr und Tier fällig. Dann bekommen die Herrchen eine Steuermarke fürs Halsband, die den Hund als ehrlichen Steuerzahler ausweist. Nicht ohne Grund: Neuerdings spazieren die 20 Vollstreckungsbeamten des Kämmerers nämlich immer mal wieder an beliebten Hundespielwiesen vorbei – Steuer-Kontrolle! „Das hat sich an den Grünanlagen schon herumgesprochen“, sagt Wolowicz. Doch der Stadtkämmerer lobt die Herrchen: „Die Ehrlichkeit ist groß.“ Die Steuersünder lägen stets im einstelligen Prozentbereich. Rund 2,8 Millionen Euro spült die Abgabe pro Jahr in die Stadtkasse. Übrigens: Arme Münchner – zum Beispiel bedürftige Mutterl mit winziger Rente – können ihren Waldi beim Amt von der Steuer befreien lassen.

Da sind wir schon bei den Schattenseiten: Für Kampfhunde wird normalerweise der erhöhte Satz von 800 Euro fällig – normalerweise. Tatsächlich zahlt fast kein Herrchen den Betrag. „Es gibt Tierärzte, die Atteste ausstellen, dass ein Kampfhund in Wahrheit ein lieber Kampfhund ist“, spottet der Kämmerer. „Dann sind uns die Hände gebunden.“ Die Stadt dürfe dann nur den einfachen Satz verlangen – das liege an bundesweiten Regelungen.

Aber auch nicht alle normalen Hunde sind harmlos – von den mehreren Tonnen Hundekot pro Tag einmal abgesehen: 371 Angriffe verzeichnete das KVR 2012 bis hin zur Beißattacke auf ein zweijähriges Mädchen in Harlaching.

Der Hunde-Stadtführer

Da ist jemand mal wirklich auf den Hund gekommen: Autorin Almut Otto hat einen München-Stadtführer speziell für Zamperl geschrieben. Enthalten sind vor allem jede Menge praktische Tipps. Es geht schon mit der Frage los: Woher bekomme ich einen gesunden und freundlichen Hund? Züchter oder Tierheim: An wen wende ich mich? Dann, wenn der Vierbeiner mal im Haus ist, geht’s weiter mit der Frage nach dem richtigen Futter. Ottos Stadtführer nennt da Adressen für echte Leckereien, praktisch Sterneküche für Hunde...

Außerdem gibt’s Ratschläge für die besten Auslaufgebiete, Ausflugsziele, sowie hundefreundliche Biergärten und Restaurants. Wenn’s was Ausgefallenes für den Vierbeiner sein darf (vielleicht ein Regenumhang oder eine Edel-Leine), dann finden Sie natürlich die Adressen der richtigen Geschäfte im Buch. Dazu noch alles über die Rechtslage inklusive Leinenzwang, Infos über Tierärzte, Hunde-Pensionen und Haustier-Messen: Fertig ist das Vierbeiner-Werk! Übrigens: Beigelegt ist ein Stadtplan mit allen wichtigen Adressen auf einen Blick.

David Costanzo

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