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Von Falschen Polizisten abgezockt: Münchner Senior (87) sollte 28000 Euro hergeben - dieser Taxler rettete ihn

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Von: Andreas Thieme

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Alles richtig gemacht: Rochus Mayr (59) fuhr den Senior zur Polizei - und nicht zur Bank
Alles richtig gemacht: Rochus Mayr (59) fuhr den Senior zur Polizei - und nicht zur Bank © SIGI JANTZ

Sein Taxi wurde beinahe zum Tatort: Hautnah bekam Rochus Mayr (59) mit, wie ein Münchner Senior (87) beinahe von einer Betrüger-Bande abgezockt wurde. Doch er schritt beherzt ein und konnte ein Verbrechen verhindern - dafür wird der Taxler jetzt sogar von der Münchner Polizei geehrt.

München - „Es war an einem Freitagvormittag, eine meiner letzten Fahrten“, sagt Mayr. Mit seinem Taxi stand er am Moosacher Bahnhof, als ihn ein Anruf erreichte. „Das war direkt seltsam, weil ein junger Mann fragte, wie lange ich denn zur Netzerstraße bräuchte. Tatsächlich sind das ja nur rund 500 Meter.“

Mayr fuhr los. Der Anrufer hatte ihm noch gesagt, dass ein älterer Herr einsteigen würde. Die Fahrt sollte zu einer Bankfiliale gehen. „Der Fahrgast wirkte unsicher und nervös“, erinnert sich Mayr. „Er war ja schon sehr alt und fragte, ob ich auch Bescheid wüsste.“ Bei ihm in der Nähe sei eingebrochen worden, die Polizei wolle nun sein Geld sichern, erzählte der Senior. Bei seiner Bank in Moosach wolle er nun 28 000 Euro abheben, um es den Beamten zu bringen - angeblich zur Sicherheit.

„Da schrillten bei mir die Alarmglocken“, sagt Mayr. Denn er hatte von der Masche der falschen Polizisten bereits gehört - sie läuft immer genau so ab: Rentner erhalten einen Anruf von einem vermeintlichen Kommissar, ihnen wird eine konkrete Gefahrensituation vorgelogen - um dann Geld fordern zu können, das die Senioren in einer Tasche vor die Tür stellen oder wie der 87-Jährige von der Bank holen sollen.

München: Taxler bekam mit, wie Senior abgezockt werden sollte - und schritt beherzt ein

„Ich wusste, da stimmt etwas nicht“, sagt Mayr. Er fragte den Fahrgast, ob er mit seiner Familie gesprochen habe. „Doch er sagte, er habe kaum Kontakte.“ Tatsächlich sind es oft alleinstehende Menschen, die Opfer der Betrügerbanden werden - sie werden am Telefon enorm unter Druck gesetzt, teils über Stunden hinweg. So auch bei dem 87-Jährigen. „Er sagte, er sei im ständigen Austausch mit der Polizei und zeigte mir sogar sein Handy.“

Was viele Senioren nicht wissen: Teilweise steht bei den betrügerischen Anrufen die Nummer 110 oder 112 im Display - aber das sind Fangschaltungen der Betrüger, die in der Türkei sitzen. Von dort beauftragen sie junge Abholer, um das Geld der Senioren mitzunehmen.

Betrug in München: Polizei bedankt sich bei mutigem Taxler - „Vorbildlich“

„Ich habe den Senior als stark gestresst wahrgenommen“, sagt Mayr. „Er bat mich, ihn zur Bank zu fahren. Aber in dem Zustand war das keine gute Idee. Ich entschied, dass wir sofort zur nächsten Polizeidienststelle fahren.“ So verhinderte der Taxler nicht nur ein Verbrechen. Sondern auch, dass der 87-Jährige große Teile seines Vermögens verliert. „Vorbildlich!“, lobt Hans-Peter Chloupek, Leiter der AG Phänomene bei der Polizei München. „Wir bedanken uns und bitten auch alle anderen Taxifahrer, sofort die Polizei zu benachrichtigen, wenn sie das Gefühl haben, dass ein älterer Fahrgast in die Fänge der Callcenter-Mafia geraten ist.“

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