Großer tz-Bevölkerungsreport

München: Eine Stadt wächst über sich hinaus

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Die Millionendorf-Metropole München begrüßt die 1.500.000. Einwohnerin

München - Am Mittwoch begrüßte OB Reiter Baby Amelia - Münchens 1,5-millionste Einwohnerin. Die Landeshauptstadt wächst und wächst - der große Bevölkerungsreport der tz:

Für die einen ist es nach wie vor ein verschlafenes Millionendorf, für die anderen eine Metropole von Weltrang. Und für die meisten Münchner einfach die schönste Stadt der Welt. Seit Mittwoch hat die 857 Jahre alte Siedlung an der Isar eine neue Rekordmarke gesetzt: OB Dieter Reiter (57, SPD) begrüßte mit Amelia Meyer, geboren am 8. Mai, den 1.500 000. Einwohner. Im großen Bevölkerungs-Report zeichnet die tz die demografische Entwicklung Münchens auf diesen Sonderseiten nach und zeigt in einem Zeitstrahl die Meilensteine in der Entwicklung – abseits des „ewigen“ Oktoberfests. Wir haben zudem mit Amelias „Vorgänger“ Thomas Seehaus (57) gesprochen – Münchens Millionstel. Und wir blicken voraus bis ins Jahr 2030.

Eine Stadt wächst über sich hinaus

1900: Einwohner: 499.932

Der Stern des Südens: Am 27. Februar wird der FC Bayern gegründet – 40 Jahre nach dem Lokalrivalen TSV München von 1860.

1945: Einwohner: 830.937

Die Stunde 0: Rama dama: München liegt nach dem Krieg in Trümmern. OB Thomas Wimmer ruft zum legendären „Rama dama“.

1957: Einwohner: 1.000.000

Der Damerl tauft Thomas: OB Thomas Damerl Wimmer begrüßt das einmillionste Münchner Kindl, Thomas Seehaus, und wird Taufpate (s. unten).

1965: Einwohner: 1.214.603

Unterirdische Stadtpläne: Die Stadt wächst und erstickt im Verkehr. OB Hans-Jochen Vogel treibt die U-Bahnpläne voran. Am 1.2. beginnt der Bau.

1972: Einwohner: 1.338.924

Millionendorf wird Metropole: Mit den Olympischen Sommerspielen erlangt München weltweite Bedeutung. Die legendäre Zeltdach-Konstruktion ist bis heute ein Wahrzeichen der Stadt.

1989: Einwohner: 1.268.336

Wir sind ein Volk: Als die Mauer fällt, strömen viele DDR-Bürger in den Westen und kommen auch nach München. Die Theresienwiese wird zum Trabi-Parkplatz.

2000: Einwohner: 1.247.934

Auf ins neue Jahrtausend: Weil nicht mehr die Volkszählung, sondern das Einwohnermelderegister als statistische Grundlage dient, muss die Bevölkerungszahl nach unten korrigiert werden.

2015: Einwohner: 1.500.000

Rekordbaby Amelia kam am 8. Mai zur Welt und hatte gestern großen Termin im Rathaus.

Amelia ist ein Volltreffer: Sehen Sie rechts das kleine, süße Mädchen im Arm von OB Dieter Reiter? Ja, das ist sie! Amelia heißt sie und die Kleine ist Münchens 1,5-millionenste Einwohnerin (siehe auch Video unten). Mittwoch wurde das Madl im Rathaus der Presse vorgestellt – mit Mama Nina und Papa Patrick. Und Amelia passt zum Zahlen-Jubiläum wie die Brezn zur Wiesn. Heißt sie doch mit Nachnamen auch noch Meyer. Perfekt! Die Ur-Münchnerin erblickte übrigens am 8. Mai im Klinikum rechts der Isar das Licht der Welt. „Ich freue mich, dass es ein Mädchen geworden ist“, sagte OB Reiter gestern. Freudestrahlend blickte ihn Amelia bei diesen Worten an, keinen Mucks gab die Bogenhausenerin während des Pressetermins von sich. „Auch das ist typisch münchnerisch“, fügte da Reiter an. „Immer freundlich und ruhig.“

Ein Glückskind ist Amelia allemal: Bei der Wahl zum 1,5-millionensten Bürger fiel nämlich die Geburt von zehn Kindern so eng zusammen, dass das Los entscheiden musste, wer den Titel tragen darf. Amelia gewann. „Darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut und sehen das als Volltreffer an“, sagt Mama Nina Meyer lachend. Von der Stadt gab es als Geschenk 1500 Euro fürs Sparbuch und ein Wimmelbuch. Aber OB Reiter versprach auch noch: „Natürlich werden wir immer ein Auge auf Amelia haben. Sie ist was ganz Besonderes.“ Die tz meint: Amelia wäre doch mal das perfekte Münchner Kindl für die Wiesn!

Thomas (57) ist der Millionen-Mann

Es ist der 15. Dezember 1957. Ja, an diesem Tag geht es darum, wer der 1 000 000. Münchner wird. Fast 60 Jahre ist das nun schon her.

OB Thomas Wimmer war ein bisserl nervös. Denn (politisch inkorrekt) bangt er: „Hoffentlich wird’s koa Zoagroasta.“ Nein, wird es nicht. Bürger Nummer 1 Millionen wird Thomas Seehaus – Sohn eines Pasinger Kaminkehrers.

Thomas Seehaus zeigt den Zeitungsausschnitt von seiner „Jubiläums-Feier“ mit OB Wimmer.

Heute ist der Millionen-Mann 57 Jahre alt und wohnt in Olching. Konkurrenz sieht der freundliche Telekom-Techniker in dem neuen Jubläums-Baby Amelia nicht. „Natürlich nicht. Ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr alleine bin“, sagt er lachend gegenüber der tz. An Thomas Wimmer denkt er noch heute gerne zurück – immerhin war der beliebte Oberbürgermeister sein Patenonkel. Und das nicht aus Werbegründen. Daher bekam er auch den gleichen Vornamen. „Er hat uns oft in Pasing besucht, auch bei Geburtstagen war ich als kleiner Bub eingeladen. Er war wie ein Opa für mich.“ Leider dürfen die zwei nur einen kurzen Lebensabschnitt miteinander verbringen – denn Damerl Wimmer stirbt 1964. Da war der kleine Thomas erst sechs Jahre alt.

Kurios: Fast hätte die Familie Seehaus wieder das Jubiläums-Kind gestellt. Denn Thomas durfte sich im Februar über eine Enkeltochter freuen. Wäre die Kleine drei Monate später auf die Welt gekommen, wäre sie im Rennen um den 1,5 millionsten Münchner gewesen.

Und 2030 sind wir über 1,7 Millionen

Passend zum Geburten-Jubiläum hat Stadtbaurätin Elisabeth Merk den Demografiebericht mit den Bevölkerungsprognosen für alle 25 Stadtbezirke präsentiert. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Unsere Stadt wächst weiter ungebremst und wird im Jahr 2030 rund 1,72 Millionen Einwohner haben – 15,4 Prozent mehr als heute.

Boom-Bezirk ist Aubing-Lochhausen-Langwied: Dort wächst die Bevölkerung um 58,1 Prozent auf über 67 000 Einwohner. Kein Wunder, entsteht doch dort in Freiham ein komplett neues Stadtviertel.

Auch sonst liegt das Wachstum an den Stadträndern: Ramersdorf-Perlach (+ 18,6%) ist schon jetzt der Bezirk mit den meisten Einwohnern. In 15 Jahren werden dort 130.000 Menschen leben. Das allein entspricht der Größe von Städten wie Regensburg oder Ingolstadt. Vor allem junge Familien ziehen hier hin.

Die Altersstruktur bleibt in Zukunft beinahe unverändert. München bleibt vor allem dank der Zuzüge von Arbeitskräften im Alter von 25 bis 40, die hier Familien gründen, verhältnismäßig jung. Der Durchschnitts-Münchner ist 2030 demnach 41,8 Jahre alt. Die Geburtenrekorde gleichen hier die statistisch weiter steigende Lebenserwartung aus. Der zuwanderungsbedinge Ausländeranteil steigt bis 2030 von jetzt 25,1 auf 28,3 Prozent.

So wächst die Bevölkerung in den 25 Stadtbezirken (Zum Vergrößern der Grafik links klicken).

Stefan Dorner, Armin Geier

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