Sozialreferat legt neue Studie vor

Die Wahrheit über unsere Pflege

München - Jedes Jahr im September ist es soweit: Dann stellt das Sozialreferat der Stadt München seinen „Marktbericht Pflege“ vor. Die tz analysiert die wichtigsten Fakten aus dem neuen Pflegebericht:

Jedes Jahr im September ist es soweit: Dann stellt das Sozialreferat der Stadt München seinen „Marktbericht Pflege“ vor. Das heißt: Es wird genau aufgedröselt, wie viel Pflegebedürftige es in unserer Stadt gibt, wo sie leben – und für welche Senioren mehr getan werden muss. Genau 6960 Pflegebedürftige werden derzeit in vollstationären Einrichtungen in München versorgt – und ihr Zahl steigt rasant an. Die tz analysiert die wichtigsten Fakten aus dem neuen Pflegebericht:

Sozialreferentin Brigitte Meier.

Wird es bald mehr Pflegebedürftige als Versorgungsplätze in unserer Stadt geben? Nein! Zwar steigt wegen der Altersentwicklung die Zahl der Pflegebedürftigen in Bayern (derzeit sind es knapp 350 000 – in fünf Jahren sollen es schon 420 000 sein). Die Zahl der Pflegeheime aber reicht bisher problemlos aus, auch bei uns in der Stadt: Hier gibt es derzeit 7591 vollstationäre Pflegeplätze – wie erwähnt sind davon „nur“ 6960 belegt. Übrigens: Nur rund 26 Prozent der Pflegebedürftigen (genau 1813 Personen) sind Männer – der Rest Frauen. Auch die Zahl der Plätze im „Betreuten Wohnen“ sind in München stark gestiegen: Gab es im Jahre 2010 nur 800 Plätze, sind es im Jahr 2014 schon 2010 gewesen. Zudem sollen in der Stadt bald 13 neue Tagespflegeeinrichtungen eingerichtet werden.

Ingeborg Staudenmeyer kritisiert die Zahl der Hospiz-Plätze.

Wird endlich auch mehr für die Demenzkranken getan? Ja. Die Heimträger haben auf die Zunahme von Patienten mit der neuen Volkskrankheit reagiert. Das zeigt ein Vergleich deutlich: Im Jahr 2004 gab es nur 394 spezielle Pflegeplätze für Demenzkranke in München, zehn Jahre später sind es schon 1231 (siehe Grafik links unten). „Die Einrichtungen reagieren hier, das ist sehr lobenswert“, erklärt Alters-Expertein Birgit Greger vom Sozialreferat gegenüber der tz. Heißt: Es gibt immer mehr spezielle Wohngruppen für Demenzkranke. Dort werden diese nicht nur versorgt, sondern es wird mit ihnen auch gekocht, gebastelt oder gespielt wird.

Wie wird mit dem Thema Palliativ-Medizin umgegangen? Hier gibt es Verbesserungsbedarf. Ein Blick in den Bericht zeigt nämlich, dass es in München nur 28 (!) Plätze in vollstationären Hozpizen für sterbende und schwerkranke Menschen gibt. Dazu kommen noch 71 Betten im Palliativbereichen. Heißt: Insgesamt 99 Plätze für eine Großstadt mit gut 1,5 Millionen Einwohnern. „Das ist viel zu wenig“, kritisiert daher Ingeborg Staudenmeyer, Chefin des Seniorenbeirats. Hier müsse mehr getan werden, um Schwerstkranken ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. „Und das so bald wie möglich.“

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