Bombenalarm am Gymnasium Tutzing - Polizei durchsucht Gebäude

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing - Polizei durchsucht Gebäude

Sozialreferentin legt Fakten auf den Tisch

Die Wahrheit über die Zuwanderer in der Stadt

+
15 Camps wie dieses in Perlach wurden der Stadt gemeldet.

München - Armutszuwanderer? Oder eher Arbeitszuwanderer? Deutschland diskutiert über Rumänen und Bulgaren, Flüchtlinge und Zuwanderer. Jetzt legt Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) Fakten und Zahlen über die Zuwanderer auf den Tisch.

Armutszuwanderer? Oder eher Arbeitszuwanderer? Deutschland diskutiert über Rumänen und Bulgaren, Flüchtlinge und Zuwanderer, Betrüger und Flieger. Jetzt legt Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) Fakten und Zahlen über die Zuwanderer auf den Tisch.

 Was zahlt die Stadt? Was nicht? Wo leistet sie nur Nothilfe? Sozialreferentin Meier ist überzeugt: „Die Sozialleistungen sind nicht die Motivation, hierher zu kommen.“ Zwei Gruppen müsse man unterscheiden – einerseits so genannte Armutszuwanderer aus Europa und andererseits Flüchtlinge und Wohnungslose, deren Lage sich dramatisch verschärft.

Sozialreferentin Brigitte Meier schlägt Alarm.

Die Sozialreferentin schlägt Alarm: Allein in diesem Jahr müsse die Stadt im Auftrag der Regierung von Oberbayern rund 2500 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf verschaffen – dazu kommen noch rund 500 akut Wohnungslose! Und das bei dem aktuellen Wohnwahnsinn. Weil beide Gruppen einen Anspruch auf Unterbringung haben, ackert ein Krisenstab alle freie Immobilien und Grundstücke durch. Alte Schulen, Leerstandshäuser, Flächen für eine Art Containerdörfer. „Alle Stadtviertel werden betroffen sein“, sagt Wohnungsamtsleiter Rudolf Stummvoll – auch wenn es vor Ort immer Proteste gebe. Die Regierung von Oberbayern hat schon gedroht, Stummvoll die nächsten Asylbewerber vors Wohnungsamt zu schicken …

Die Wohnungslosen wiederum dürfen nicht gerade erst zugewandert sein, sondern müssen bereits in der Stadt gewohnt haben. Rund 3600 leben derzeit vor allem in Notquartieren und Herbergen. Die Stadt zahlt bis zu 25 Euro pro Bett und Nacht, also rund 1500 Euro für ein Zweibettzimmer pro Monat! Manch ein Betreiber verdiene sich eine goldene Nase. Laut Sozialreferentin wäre es bei der Stadt aber noch teurer. Dazu kommen rund 700 Obdachlose und anerkannte Flüchtlinge. Insgesamt erwartet die Stadt, dass sie bis 2016 weitere 2500 Wohnungslose in Häusern unterbringen muss, die anschließend Azubis oder Erzieherinnen offen stehen sollen.

Ganz anders stellt sich die Lage bei den so genannten Armutszuwanderern dar: Von den rund 13 000 Rumänen und 9000 Bulgaren in München beziehen zusammen rund 1400 Hartz IV, keine 300 Arbeitslosengeld und nur 130 Sozialhilfe. Die Stütze bekommen sie nur, weil sie zuvor in Lohn und Brot standen. Alle Fälle werdengenau geprüft. Bettelarme Zuwanderer haben dagegen keinen Anspruch auf eine Unterkunft. „Wir gehen davon, dass sie zu Hause gemeldet sind“, sagt Sozialreferentin Meier. Rund 15 wilde Zeltlager und Camps haben sich gebildet. Da­rum hat die Stadt Notunterkünfte eingerichtet, die erst bei Minusgraden öffnen. Von den 1800 Nutzern des letzten Winters waren rund 800 Bulgaren und Rumänen. Wegen Sozialbetrugs hat die Stadt im vergangenen Jahr bereits 25 Bürger aus der ganzen EU ausgewiesen. Wer betrügt, der fliegt längst.

David Costanzo

„Wir leben und wir arbeiten hier“

Pfleger Alin Sabau und seine Frau Mioara arbeiten im Seniorenheim.

„Wir sind hier, weil wir ein besseres Leben wollen, und wir wollen dafür arbeiten.“ Krankenpfleger Alin Sabau (36) ist einer der 9786 Rumänen und Bulgaren, die laut ­Arbeitsagentur in Stadt und Landkreis München einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Mit seiner Frau Mioara (49) kam Sabau im Februar 2013 nach München, um im Seniorenheim der städtischen Münchenstift in der Manzostraße pflegebedürftige Rentner zu versorgen.

Sabau stammt aus Schässburg (Sighisoara) in Siebenbürgen (Rumänien), wo er in einer Reha- und Palliativklinik eine ausgebildet wurde. Ein Repräsentant der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit warb ihn dort für München an, wo Seniorenheime und Krankenhäuser händeringend nach Pflegepersonal suchen.

Seine Ehefrau Mioara ist Schneiderin und kam gleich mit nach München. Sie absolviert bei der Münchenstift gerade ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst. Derzeit schneidert sie Gardinen oder dekoriert Tische. Sie würde gerne eine Fortbildung machen, um einen richtigen Job zu bekommen. Die Sabaus wohnen auf 38 Quadratmetern in einem Personalapart­ment der Münchenstift. Alin Sabau spricht sehr gut Deutsch, er hat es von seiner siebenbürger-sächsischen Großmutter gelernt und in der Schule weiter verbessert.

Die Diskussion um die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien infolge der neuen EU-Freizügigkeit verfolgt er genau: „Wir sind jetzt alle EU-Bürger. Die meisten, die aus Rumänien oder Bulgarien nach Deutschland kommen, haben eine Ausbildung. Sie arbeiten hier, zahlen Steuern und Beiträge in die Arbeitslosen-, Renten- Pflege - und Krankenversicherung.“

Sabau weiß auch von bitterer Armut in seiner Heimat: „Es gibt Menschen ohne Ausbildung oder welche, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Solche Menschen gibt es in jeder Gesellschaft. Und einige nutzen die neue Freizügigkeit, weil sie glauben, sich in Deutschland besser durchschlagen zu können als daheim.“

Johannes Welte

Auch interessant

Meistgelesen

Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen

Kommentare