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Seltener Vogel erneut in München gesichtet: Zwei Dinge sollten Sie nicht tun, wenn er Ihnen begegnet

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Von: Phillip Plesch

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Einsamer Waldrapp auf der Theresienwiese
Allein auf weiter Flur: Einsam ist der Waldrapp auf der Theresienwiese auf der Suche nach Nahrung. Seine Artgenossen in freier Wildbahn sind viele hundert Kilometer entfernt. © Emmanuelle Roser

Ein alltäglicher Anblick ist das nicht: Ein seltsamer Vogel stakst über die Theresienwiese. Nun wurde sogar ein zweites Tier gesichtet.

Update vom 15. Dezember: Gute Nachricht! Der Waldrapp von der Wiesn ist nicht allein. Wie gestern berichtet, war in den vergangenen Tagen ein ungewöhnlicher Vogel auf der Theresienwiese gesichtet worden. Es handelt sich um einen vom Aussterben bedrohten Waldrapp. Der Zugvogel sollte eigentlich Richtung Süden unterwegs sein, war von seinem Heimatort in Oberösterreich aber in die falsche Richtung gestartet.

Dann die Info: Es wurde ein zweiter Waldrapp gesichtet. Die Meldung kam aus der Nähe von Freimann. Dass es sich nicht um denselben Vogel handelt, lässt sich an den Ringen erkennen, die die Waldrappe an den Beinen tragen. Deshalb ist auch klar, woher sie kommen. Und zwar vom Konrad-Lorenz-Institut in Grünau. „Es könnte natürlich sein, dass die beiden zusammen hergeflogen sind“, sagt Lisa Reininger, Sprecherin des Tierparks Hellabrunn.

Was tun bei Waldrapp-Sichtung? Tierpark-Sprecherin gibt Tipps

Und was soll man machen, wenn man die Vögel sieht? „Nicht füttern und nicht fangen“, sagt Reininger. Am besten sei es, sich an das Waldrappteam zu wenden und die Beobachtung zu melden. „Durch regelmäßige Meldungen wissen die Experten dann, wo die Tiere sind.“ Telefonisch geht das unter +43 (0) 660 1427204 oder per Mail an info@waldrapp.eu.

Und wie geht’s mit den Ibis-Vögeln weiter? „Die bleiben erst mal hier“, sagt Reininger. Und dann könnte es auch sein, dass sie zusammen wieder heimfliegen.

Seltener Vogel auf der Theresienwiese gesichtet: Tierpark äußert sich - Experte wagt traurige Prognose

Erstmeldung, 14. Dezember: München - Er ist größer als eine Krähe, hat einen gebogenen Schnabel und lange, rote Beine. Am Wochenende stakste dieser auffällige Vogel über die Theresienwiese – und so mancher Passant stutzte. Was ist das für eine Art? Mittlerweile ist klar: Es handelt sich um einen Waldrapp – den gibt’s in München sonst nur im Tierpark.

Hat eines der Hellabrunner Tiere einen Ausflug unternommen? Wir fragen nach bei Tierpark-Sprecherin Lisa Reininger – aber die verneint. „Die Waldrappe sind in der Großvoliere, uns fehlt keiner…“ Woher kommt der Vogel also, der an beiden Beinen beringt ist? „Das müsste ein Jungtier aus der Forschungsstelle in Oberösterreich sein“, mutmaßt Johannes Fritz. Er leitet das EU-Projekt „Waldrappteam“, das die bedrohten Ibis-Vögel retten möchte.

Seltener Vogel in München gelandet: Waldrappe vom Aussterben bedroht

Um die Waldrappe ist es in freier Wildbahn nicht gut bestellt: Die Art zählt zu den am stärksten bedrohten. Ein ausgewachsener Waldrapp ist etwa so groß wie eine Gans. Nahrung sind vor allem Insekten, deren Larven und Regenwürmer, die mit dem Schnabel aus dem Boden „gestochert“ werden. Im 17. Jahrhundert war der Waldrapp in Europa vom Menschen beinahe ausgerottet worden, doch seit gut 15 Jahren läuft die erfolgreiche Wiederansiedlung. Mittlerweile ist die größte Gefahr gebannt, denn durch das Projekt gibt es in Bayern, Baden-Württemberg, Salzburg und Kärnten wieder 200 Vögel in freier Wildbahn.

Schlechter steht’s um den Wiesn-Waldrapp. Er ist ein Jungtier, erkennbar am Kopf. Der ist bei erwachsenen Tieren federfrei und rot, beim Münchner Exemplar aber schwarz-grau. Solange es keine geschlossene Schneedecke gibt, sollte der Waldrapp auf Wiesen, Sportplätzen und in Misthaufen zwar genug Nahrung finden, und auch die Temperaturen müsste er aushalten.

München: Bittere Prognose - Gesichteter Waldrapp hat keine guten Chancen, zu überleben

Aber: Wie lang das mit dem schnee- und frostfreien Boden gutgeht, ist fraglich. Zusätzlich sind Stromleitungen und Autos gefährlich. Fritz’ Prognose ist deshalb traurig: Er schätzt die Überlebenschancen des Vogels nicht allzu hoch ein. Und um ihn einzufangen, sei er wohl zu scheu.

Junger Waldrapp über der Stadt
Nicht über der Stadt, sondern Richtung Süden sollte der junge Vogel eigentlich fliegen. © Emmanuelle Roser

Bleibt noch die Frage, wie der Vogel nach München gekommen ist. Fritz erklärt: „Waldrappe haben eine grundsätzliche Zugmotivation. Sie wissen aber nicht, wo sie hin müssen, wenn sie es nicht von älteren Tieren gelernt haben.“ Den Vögeln des Projekts „Waldrappteam“ wurde zum Beispiel beigebracht, in der Toskana zu überwintern. Dafür wurden Vögel per Hand aufgezogen und auf ihre Erzieher geprägt. Denen folgten sie dann auch in einem Ultraleichtflugzeug und flogen ihm hinterher. So erlernten die neuen Populationen die Route, die mittlerweile an Jungtiere weitergegeben wird. Der Wiesn-Waldrapp aber ist falsch abgebogen.

Der Waldrapp ist nicht der erste einsame Vogel in der Stadt. 2018 hatte es sich ein Pelikan an der Isar gemütlich gemacht.

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