München: Wassertest treibt Nebenkosten hoch

München - Still und heimlich trat am 1. November eine neue Verordnung in Kraft, die die Nebenkosten für Wohnungen weiter in die Höhe treibt: Dabei geht es um die Qualität des Wassers.

 Künftig müssen in allen vermieteten Häusern einmal im Jahr die Wasserleitungen auf gefährliche Legionellen untersucht werden. Diese sind im Grundwasser vorhanden und können sich in Warmwasserbereitungsanlagen vermehren. Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Münchner Haus- und Grundbesitzer-Vereins spricht allerdings von einem „bürokratischen Irrsinn“.

Rechtsanwalt Stürzer: „Wir hatten bei jährlich 40 000 Rechtsberatungen noch nie einen Fall, wo es um Legionellen ging. Von der Untersuchung sind alleine in München mindestens 100 000 Gebäude betroffen.“ Die Fragen und Antworten dazu:

Wer ist betroffen? Jedes Haus, in dem Wohnungen vermietet werden und eine Warmwasser-Anlage mit mehr als 400 Liter Fassungsvermögen installiert ist. Stürzer: „Das kann schon Zwei-Familienhäuser treffen“. Und: Wenn in einer Anlage auch nur eine Wohnung vermietet ist, muss die neue Vorschrift angewendet werden.

Wasserqualität an deutschen Badestränden

Wasserqualität an deutschen Badestränden

Was besagt die Verordnung? Die Besitzer der Häuser müssen beim Gesundheitsamt eine Bestandsanzeige über die vorhandenen Warmwasseranlagen machen. Einmal im Jahr sind sie verpflichtet, an mehreren repräsentativen Stellen der Wasserleitung Proben zu entnehmen und auf Legionellen untersuchen zu lassen. Die Ergebnisse sind zehn Jahre aufzubewahren.

Wie wird das abgewickelt? Stürzer: „An verschiedenen Stellen werden vom Installateur Entnahmestellen, also Wasserhähne, eingebaut.“

Was kostet das und wer bezahlt? Der Experte: „Jedes Haus braucht mindestens zwei Entnahmestellen. Bei größeren Gebäuden können es wesentlich mehr sein. Der Einbau durch einen Fachmann kostet 80 bis 150 Euro pro Stelle. Die Proben müssen durch zertifiziertes Personal und Fachlabore erfolgen. Bei einem Haus mit acht Wohnungen betragen die jährlichen Untersuchungskosten etwa 200 Euro. Sie können voll auf die Mieter umgelegt werden.“

Gibt es Strafen? Bis zu 25 000 Euro, wenn die Prüfungen unterlassen werden.

Gäbe es einfachere Lösungen? Stürzer: Ja. Man hätte stattdessen nur eine Mindesttemperatur von 60 Grad für Warmwasseranlagen vorschreiben müssen. Viele Hausverwaltungen haben die Anlagetemperatur in den vergangenen Jahren auf 50 Grad abgesenkt. Legionellen vermehren sich aber unterhalb von 60 Grad.“

K.H. Dix

Rubriklistenbild: © dpa

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