Chaos im Untergrund

Wegen U3-Baustelle am Bonner Platz: U-Bahn kurz vorm Kollaps

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Probleme gibt es aktuell auf der Strecke vom Hauptbahnhof über das Sendlinger Tor, die Fraunhoferstraße bis hin zum Kolumbusplatz.

München - Die Nerv-Baustelle am Bonner Platz – zunehmend sorgt sie auch für Ärger auf den anderen Linien. Seit Tagen verzögern sich beispielsweise Abfahrten der U1, die U2 verspätet sich, auch bei der U7 oder U8 hakt es.

„Wir sind in dem Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Kolumbusplatz an der Grenze des Machbaren“, sagt der Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Matthias Korte. Mehr Züge, mehr Fahrgäste gehen nicht – die MVG hat täglich 30.000 Pendler zusätzlich in den Zügen der Linien U1, U2, U7 und U8 gezählt. In der Stunde fahren jetzt 30 statt 24 Züge. Die U-Bahn ist kurz vorm Kollaps!

Grund ist laut Korte tatsächlich die Baustelle am Bonner Platz. Bekanntlich werden seit 31. Oktober auf dem zwei Kilometer langen Abschnitt zwischen Münchner Freiheit und Scheidplatz die Gleise erneuert. Das ist aufwendig, denn die alten Anlagen müssen samt Schotter raus, dann erst kommen die neuen rein. Das Ganze passiert durch einen Luftschacht. Die Arbeiten sollen am 31. März beendet sein.

Weil die U3 wegen der Baustelle unterbrochen ist, hat die MVG Alternativen geschaffen. So fährt die U8 im Berufsverkehr von Moosach aus via Scheidplatz über die U2 bis zum Kolumbusplatz. An letztgenannter Station müssen die Züge zudem wenden. Außerdem pendelt die U7 seit 31. Oktober bis Olympia-Einkaufszentrum, nicht mehr nur bis zum Westfriedhof. So weit, so gut.

Da aber die U7 und die U8 sich mit der U1 und U2 zwischen Hauptbahnhof und Kolumbusplatz die Gleise teilen müssen, kommt es auf diesem Abschnitt jetzt vermehrt zu Störungen. „Wir sind da jetzt so eng getaktet, dass schon die kleinste Störung ausreicht, damit es dann zu Verspätungen kommt“, sagt der MVG-Sprecher. Und nach der Hauptverkehrszeit müssen diese Verspätungen wieder egalisiert werden. Das hat Folgen.

Beispiel U1: Am Mittwoch fuhr die U-Bahn vom Mangfallplatz bis zum Kolumbusplatz. Dort hielt der Zug fünf Minuten, zwischenzeitlich brausten aber zwei Züge der U2 durch. „Das waren Züge, die schon Verspätungen hatten. Wir müssen den Wurm wieder rauskriegen und dann entscheiden, ob wir die Warteschlange abarbeiten oder die U1 weiterfahren lassen.“ Am Donnerstag waren es acht Minuten Aufenthalt, am Freitag dauerte die Fahrt zwischen Wettersteinplatz und Hauptbahnhof sogar 20 Minuten, weil ein Zug zudem defekt war. Viele Pendler in der U1 sind genervt, verstehen nicht, warum die U2 Vorrang hat. Die MVG überlegt nun, ob in Durchsagen darauf hingewiesen werden kann, dass Pendler zum Hauptbahnhof am Kolumbusplatz etwa in die U2 umsteigen sollen. Dann wären sie rascher in der Innenstadt. Korte: „Das prüfen wir als Service für unsere Fahrgäste.“ 

Neue Probleme für Pendler

Das nächste Ärgernis droht ab Montag. Wegen Erneuerung der Weichen kann die U8 von Moosach nicht wie gewohnt auf Gleis 1 fahren und weicht daher auf Gleis 2 aus. Das hat Folgen für die Fahrgäste am Scheidplatz. Damit Umsteiger, die in die U2 stadteinwärts müssen, den Zug erreichen, verlegt die MVG die Abfahrtszeiten der U8 in beide Richtungen vor. Pendler in den Hauptverkehrszeiten sollen davon jedoch nicht betroffen sein. Am Samstag, 4. März, fällt die U8 wegen Gleiserneuerungen zwischen Petuelring und Scheidplatz gleich ganz aus. Die entfallenen Züge verstärken die Linie U2 zwischen Sendlinger Tor und Milbertshofen.

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