Versuchter Mord

Prozess: Messer-Angriff an der Wohnungstür

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Polizisten führen Rainer W. (53, li.) und Wilhelm R. (54) ins Gericht

München - Wegen einer Beschwerde über nächtlichen Lärm sollen zwei Männer einem Nachbarn morgens aufgelauert und ihn mit Fäusten und einem Messer attackiert haben. Jetzt stehen die Männer vor dem Münchner Landgericht.

Mit einer sechs Zentimeter tiefen Stichwunde liegt Schichtarbeiter Ali Y. (47) im Krankenbett. Sein Rücken: Durchstochen von einem scharfen Messer. Die Verletzung: So schwer, dass Ärzte seine Lunge operieren müssen. Es ist das Ende eines blutigen Nachbarschaftsstreits, der am 8. Oktober 2012 in Obergiesing eskaliert. Weil Ali Y. sich gegen 3.20 Uhr bei seinen Nachbarn über zu viel Lärm beschwerte, sollen die arbeitslosen Rainer W. (53) und Wilhelm R. (54) ihm an der Haustür aufgelauert und ihn brutal niedergestochen haben. Wegen versuchten Mordes müssen sie sich seit gestern vor dem Landgericht München I verantworten.

Auf der Anklagebank sitzen zwei kaputte Typen. Rauchige Stimmen, marode Körper. Ihr Leben haben sie nie in den Griff gekriegt – aber im Prozess wollen sie davon erzählen. Rainer W. (53) hat keinen Kontakt mehr zur Familie, „ich war ein uneheliches Kind, immer ungewollt“, sagt er. Eine Beziehung hatte er nie, seit Jahren ist er arbeitslos, der Alkohol hat seine Leber zerfressen. Wilhelm R. (54) ist bleich im Gesicht, die Wangen sind aufgedunsen. Drahtige graue Locken hängen ihm ins Genick, sein Blick ist leer. Der frühere Gerüstbauer hat 13 Geschwister, seit 1998 sitzt er im Knast oder lebt vom Amt. 20 halbe Bier? Kein Problem für ihn. „Aber ich habe nie einen Streit angefangen“, sagt er vor Gericht.

Auch in der Tatnacht nicht, beteuert er. Tatsache ist: Schon seit Jahren treffen sich die Saufkumpels bei einem Spezl in der Fischbachauer Straße und zechen die Nächte durch – direkt über der Wohnung von Ali Y., der frühmorgens in der Paulaner-Brauerei Gabelstapler fährt. „Der wohnt seit 12 Jahren hier und lässt sich nichts sagen.“ Ali Y. hatte schon öfter Ärger mit dem Nachbar, zum Schutz nimmt er eine hohle Metallstange mit, als er ihn nachts zur Rede stellt. „Der wollte auf uns losgehen“, sagt Wilhelm R., „ich habe nur daneben gestanden.“ Laut Anklage war es Rainer W., der wuchtig zugestochen hat. Der sagt nichts zum Vorfall, gibt aber zu: Am Abend habe er 15 Halbe getrunken. Genau erinnere er sich nicht.

thi

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