Dienst rund um die Feiertage

Einsatzkräfte, Corona-Tester: Diese Münchner sind an Weihnachten für uns im Einsatz

Léon Bogner arbeitet an der Covid-Teststation in Waldperlach – am Heiligen Abend testet er bis kurz vor der Bescherung
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Léon Bogner arbeitet an der Covid-Teststation in Waldperlach – am Heiligen Abend testet er bis kurz vor der Bescherung.

Während viele mit der Familie um den Christbaum sitzen, sind sie in München im Einsatz. Corona-Tester, ambulante Pflegekraft und Polizist erzählen über ihr Weihnachten 2020.

  • Die meisten Menschen haben während der Weihnachts-Feiertage frei, es gibt jedoch auch viele, die arbeiten.
  • Wir haben uns in München* bei Einsatzkräften und weiteren Personen umgehört, die im Dienst sind.
  • Corona macht das frohe Fest 2020 zu etwas besonderem. Wie gehen die Beteiligten mit der Pandemie um?

Corona-Tester: An Weihnachten arbeiten – das hat Léon Bogner schon öfter erlebt. Er ist Geschäftsführer der Firma B&K Emergency in Neubiberg, betreibt dort eigentlich eine Rettungsdienstschule – und er hatte als Notfallsanitäter auch früher schon Feiertagsdienst. Heuer aber ist alles anders. Seit September betreibt seine Firma ein Corona-Testzentrum in Waldperlach – und er testet auch am Heiligabend noch bis 18 Uhr abends die Menschen auf Covid-19. „Wir sind mit zwölf Mitarbeitern unterwegs. Ein Teil arbeitet in der Schnelltest-Station in Waldperlach, außerdem fahren vier Teams zu den Familien nach Hause in München und Umgebung.“ Die Menschen lassen sich dann direkt vor der Familienfeier testen, nach 15 bis 20 Minuten erfahren sie das Ergebnis per SMS.

Fällt Weihnachten für ihn dann flach? „Nein, am Abend nach der Testaktion fahre ich dann zu meiner Familie. Da ist es genauso: Wir testen uns alle, dann können wir gemeinsam feiern.“ Léon Bogner, seine Schwester Lissy und seine Eltern lassen sich dann wie jedes Jahr Rehrücken mit Spätzle schmecken. „Natürlich ist dieses Jahr alles anders“, sagt der 30-Jährige. „Aber ich glaube trotzdem, dass wir ein schönes Weihnachtsfest feiern können.“

Weihnachten in München: Krankenpfleger hetzen durch die Flure der Stationen

Die Krankenpfleger: Das Läuten der Kirchenglocken, dazu ein paar Plätzchen auf der Station. Mehr wird Kerstin Tietgen (26) und Marco Ziegler (28) nicht daran erinnern, dass gerade Heiligabend ist. Während ihre Familien am 24. Dezember neben dem Christbaum sitzen, werden die beiden Krankenpfleger durch die Klinikflure eilen, Patienten versorgen und Beatmungsgeräte überwachen. Weihnachts-Schicht!

Kerstin Tietgen arbeitet im Corona-Isolationsbereich der Notaufnahme der München Klinik Bogenhausen, Marco Ziegler auf der Intensivstation des Isar Klinikums. Viele ihrer Patienten sind schwer an Covid-19 erkrankt. Tietgen und Ziegler werden heuer gar kein Weihnachten feiern. Sie werden nur ihre Patienten sehen, die ebenfalls keine Angehörigen treffen werden. Denn in den Kliniken herrscht Besuchsverbot. „Das macht das Ganze nicht leichter. Die Patienten sind traurig“, sagt Kerstin Tietgen.

Normalerweise verbringe sie Weihnachten mit ihren Eltern und ihren Schwestern. Ihr Familienersatz sind nun ihre WG-Mitbewohner. Dazu gehört eben auch Marco. „Ich befinde mich aktuell in einer Art emotionalem Shutdown“, sagt Marco. „Es ist psychisch sehr belastend, jeden Tag so viele so schwer kranke Menschen zu sehen.“ Durch den Lockdown fehle zudem der private Ausgleich. „Dass man selbst durch die Arbeit einem Risiko ausgesetzt ist, habe ich schon ausgeblendet“, sagt der 28-Jährige. Die Feiertage, die Besinnlichkeit - das wird heuer an Kerstin und Marco einfach vorbeiziehen.

„Auf der Station können wir auch nicht wie sonst an Feiertagen gemeinsam essen, es dürfen maximal zwei Personen in den Pausenraum,“ Nachholen kann man Weihnachten nicht - da sind sich die Krankenpfleger einig. „Aber es ist okay, dass wir arbeiten. Wir sind jung und haben keine Kinder.“ Und in diesen schwierigen Zeiten an Weihnachten für die Kranken da zu sein, das gibt den beiden ein gutes Gefühl.

München an Weihnachten 2020: Altenpfleger werden „zuhören, Trost schenken und einfach da sein“

Altenpflegerin: Wenn Doris Steinel am 24. Dezember in ihren roten Flitzer steigt, dann ist es im Grunde ein Arbeitstag wie jeder andere. Außer, dass viele andere gemütlich zu Hause mit der Familie dem Heiligabend entgegenfiebern, während sie ihre Runde fährt. Seit 20 Jahren ist die 55-Jährige in der Ambulanten Krankenpflege Tutzing e.V. tätig. „Für mich ist es ganz normal, dass ich auch an Feiertagen arbeiten muss“, sagt die erfahrene Krankenschwester. „Die Leute müssen schließlich rund um die Uhr versorgt werden.“ Für Doris Steinel ist es etwas Besonderes, an diesen Tagen im Dienst zu sein. „In jedem Haus herrscht eine andere Stimmung“, sagt sie.

Altenpflegerin nimmt einen Abstrich für einen Schnelltest zur Erkennung des Coronavirus (Symboldbild).

Manche ihrer Patienten haben in diesem Jahr Angehörige verloren, derer sie gerade jetzt an Weihnachten besonders gedenken. „In solchen Fällen geht es nicht nur um die tägliche Pflege, sondern um zuhören, Trost schenken und einfach da sein.“ Denn oft sind die Besuche von Doris Steinel der einzige Kontakt für die älteren Herrschaften. Doris Steinel will vor allem eins: Freude schenken. Deswegen setzt sie sich für ihren Dienst am 24. Dezember eine rote Nikolausmütze auf. „Ich hoffe, dass die Leute lachen werden“, sagt Doris Steinel. „Und wenn es nur für einen Moment ist.“

München an Weihnachten 2020: Ein paar Polizisten müssen in den sauren Apfel beißen

Der Polizist: Das Verbrechen schläft nie – auch nicht an Weihnachten. Ein paar Polizei-Beamte müssen also jedes Jahr in den sauren Apfel beißen und an den Feiertagen arbeiten. Dabei wechseln sich die Beamten ab. Polizeirat Mithun Küffner ist am ersten Weihnachtsfeiertag dran. In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember ist der 40-Jährige mit einem Kollegen auf Streife unterwegs*. „Klar würde ich an den Feiertagen auch gerne zu Hause bei meiner Familie entspannen, aber die Notwendigkeit zu arbeiten besteht nun einmal“, sagt Küffner.

Als Familienvater freut er sich, immerhin den 24. Dezember mit seiner Frau und den Kindern verbringen zu können. Die Zeit im Dienst wird er sich so besinnlich wie möglich gestalten. „Wir essen Plätzchen und hören Weihnachtslieder im Radio“, sagt Küffner. Natürlich gilt das nur, solange gerade nichts zu tun ist. „Das ist gar nicht abschätzbar: Ich habe schon turbulente Weihnachten erlebt und ganz ruhige“, so der Polizeirat. „Mit den Corona-Regeln wird es heuer eh anders. Da können wir kein Auge zudrücken, aber wir gehen natürlich nicht ohne Anlass in Wohnungen.“ *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Umfrage: Wie erleben Sie die Corona-Pandemie?

Wie verändern sich Ihr Wohlbefinden, Ihre sozialen Kontakte, Ihre Arbeitssituation? In einer groß angelegten Studie will das gemeinnützige Forschungsinstitut ISDC herausfinden, was die Pandemie sozial, psychologisch und ökonomisch für uns bedeutet. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können bei dieser Befragung mitmachen – und dabei gewinnen: Unter allen Teilnehmenden im Dezember verlost das ISDC zehn Einkaufsgutscheine im Wert von je 50 Euro. Die Umfrage dauert circa 15 Minuten. Alle Daten werden streng vertraulich behandelt. Nach Abschluss der Studie werden wir über die Ergebnisse aus den unterschiedlichen Stadtvierteln und Landkreisen berichten.
Die Teilnahme ist nur online möglich unter dem Link: www.lifewithcorona.org/mm-tz
Das International Security and Devolopment Center (ISDC) in Berlin befasst sich seit Jahren mit den Auswirkungen von Krisen in unterschiedlichen Staaten und Regionen auf die Bevölkerung. So forscht das Institut in Entwicklungsländern, aber auch die Folgen des Terrors vom 11. September wurden so untersucht. Jetzt interessiert die Wissenschaftler insbesondere, welche Auswirkungen unterschiedliche Lebenssituationen, etwa in der Großstadt oder auf dem Land, auf den Umgang der Menschen mit der Pandemie haben. Helfen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser, mehr darüber herauszufinden!

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