„Sicher schon 500 gerettet“

Sie kommt den Welpen-Dealern auf die Schliche: Melanie führte Polizei erneut auf Spur von Hundes-Babys

Melanie Schmidt hält drei Hundewelpen in der Hand und schaut in die Kamera
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Gruppenbild mit Dame: Tierschützerin Melanie Schmidt zeigt die drei geretteten Hunde-Welpen stolz in die Kamera.

Besonders in der Corona-Krise blüht der Hunde-Handel. Melanie Schmidt hat es sich zur Aufgabe gemacht, schwarze Schafe unter den Verkäufern aufzudecken. Und das gelang ihr nun wieder.

München - Mitgenommen schauen die drei süßen Fellknäuel auf Melanie Schmidts (27) Arm drein. Kein Wunder: Waren die Hundebabys kurz zuvor doch noch Ware eines skrupellosen Händlers. Aber dann kam Melanie! Die Retterin dürfte tz-Lesern bekannt sein: Erst im Februar hat die Polizei* mit ihrer Hilfe illegale Hunde-Händler hochgenommen. Und auch wieder am Montagabend, den 29. März 2021. Die Erfolgsquote der Münchnerin ist tierisch gut: In sechs Jahren konnte sie 500 Welpen retten!

Auch diesmal wieder entdeckte sie auf der Anzeigen-Seite Quoka ein verdächtiges Inserat: drei Labrador-Welpen, je 1400 Euro. Melanie gibt sich interessiert, verabredet sich mit den Händlern am Einkaufszentrum in Neuperlach. Die drei neun Wochen jungen Hunde liegen ungesichert auf dem Rücksitz, keine Tollwut-Impfung, kein Chip. Dann schnappt die Falle zu: Die Polizei nimmt die Händler mit aufs Revier. Sie müssen zahlen, circa 600 Euro kostet sie die Ordnungswidrigkeit. Die Welpen müssen in Quarantäne, werden geimpft und kommen ins Tierheim.

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Schlag wegen Welpen-Dealer: „Habe sicher schon 500 gerettet“

Schon seit 2015 legt Schmidt Welpen-Ganoven das Handwerk - mit 100-prozentiger Erfolgsquote. Für sie eine Lebensaufgabe. „Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Welpen ich gerettet habe. Aber sicher 500.“ Bedeutet bei durchschnittlich rund 1000 Euro pro Hund: Schon mehr als eine halbe Millionen Euro hat die Retterin den Welpen-Dealern gekostet.

Seit Corona kommt die Tierschützerin mit ihrer Detektivarbeit gar nicht mehr hinterher. „So viele Leute kaufen Welpen, dass die Inserate oft nur kurz online sind.“ Mindestens zwei Stunden pro Tag durchforstet sie Portale nach unseriösen Angeboten. Und das neben einer 40-Stunden-Arbeitswoche. Verdächtige Annoncen erkennt sie an ihrer Kürze: Weder Fotos oder Angaben zur Hundemutter noch Telefonnummer oder Adresse sind zu finden. Und: Seriöse Züchter inserieren auf eigenen Webseiten.

Auf frischer Tat ertappt: Die Polizei folgt Melanie Schmidt nach deren Tipp zum Ort der Welpen-Übergabe.

Schmidt schätzt, dass zwei Drittel aller Welpen-Inserate auf Quoka & Co. unseriös sind. Für sie also eine Sisyphos-Arbeit. Aber: Sie will weitermachen. Ihr Ziel? „Illegaler Welpenhandel muss ein Straftatbestand werden. Aktuell ist es nur eine Ordnungswidrigkeit. Und die Händler kriegen die Hunde am Ende oft zurück. (Leoni Billina) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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