Tierschützer schlagen Alarm

Grausames Geschäft: München kämpft gegen die Welpen-Mafia - So viele Fälle wie nie

Die Münchnerin Melanie Schmidt hält gerettete Hundewelpen im Arm. Foto Sigi Jantz
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Die Münchnerin Melanie Schmidt rettet gemeinsam mit der Polizei immer wieder Welpen aus den Händen skrupelloser Händler. Foto Sigi Jantz

Der illegale Handel mit Hundewelpen boomt. Bayerische Tierheime haben im ersten Halbjahr 2021 bereits mehr Welpen aus illegalen Transporten aufgenommen, als im gesamten Jahr 2020. Tierschützer schlagen Alarm.

Freitagnacht. Ilona Wojahns Notfallhandy klingelt. Die Bundespolizei ist dran –bei einer Grenzkontrolle wurden zehn Katzen und zwei Hunde in einem Transporter entdeckt. Die Tierschützer sollen kommen und die Tiere abholen. Ein Zufallsfund, wie so oft. Das wahre Ausmaß des illegalen Welpenhandels kann die Präsidentin des Landestierschutzverbandes Bayern aber nur erahnen. „Es ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer ist riesig. Während der Pandemie hat die ohnehin große Nachfrage nach Welpen nie da gewesene Ausmaße angenommen.“ Die Tierheime seien im Lockdown „leer gefegt“ gewesen, seröse Züchter hätten die hohe Nachfrage nach Hundewelpen nicht mehr bedienen können. „Das war ein gefundenes Fressen für die Produktionsstätten im Ausland, wo die Tiere unter furchtbaren Bedingungen vermehrt werden“, sagt Wojahn.

Von Januar bis Mai wurden 364 beschlagnahmte Hunde in bayerischen Tierheimen aufgenommen. Im gesamten Vorjahr waren es 331 Hunde. Bundesweit kämpfen die Vereine und Landesverbände des Deutschen Tierschutzbunds gegen den grausamen Welpenhandel. Heute findet um 12 Uhr eine Mahnwache auf dem Rindermarkt statt, um so viele Menschen wie möglich für das qualvolle Leid der Elterntiere und ihrer Welpen zu sensibilisieren.

Auch der Tierschutzverein München ist mit dabei. Die Quarantänestation des Tierheims ist voll ausgelastet. „Wir haben im Moment 20 Hunde in Tollwut-Quarantäne“, sagt Sprecherin Kristina Berchtold. „Es kommen fast wöchentlich beschlagnahmte Tiere.“ Der Online-Handel floriere. Meistens seien die Welpen ungeimpft, krank und geschwächt. Nach den Qualen müssen die Hundebabys dann oft monatelang in Tollwut-Quarantäne. Das sei der Fall, wenn die Tiere aus nicht gelisteten Drittländern (zum Beispiel Moldawien, Ukraine, Serbien) kommen, wo es noch Tollwut gibt. „Wir hatten Hunde da, die kamen mit sechs Wochen und waren bis zum siebten Lebensmonat allein in Quarantäne“, sagt Berchtold. Ein schrecklicher Leidensweg, der nicht enden will: Denn nach monatelanger, aufopferungsvoller Pflege der Tiere durch Tierpfleger und -ärzte, dürfen die Händler oder Transporteure die Tiere zurückfordern, wenn sie die Auslöse und das Bußgeld bezahlen. „Das ist ganz, ganz schlimm für uns“, sagt Wojahn. Die Politik müsse endlich handeln: „Gesetze müssen geändert, Strafen verschärft werden!“

Der illegale Handel mit Welpen ist nur eine Ordnungswidrigkeit. „Die kriminellen Händler müssen leider nur ein Bußgeld zahlen“, sagt Melanie Schmidt. Die 28-Jährige kämpft seit Jahren gegen die Welpenmafia. Sie rettet im Schnitt rund 100 Hunde im Jahr, indem sie fingierte Treffen mit Händlern arrangiert. Geht der Verkäufer darauf ein, wartet die Polizei bereits auf ihn. Sogar vor Gericht hat Schmidt solche gewissenlosen Händler schon gebracht. Und doch scheint es ein Kampf gegen Windmühlen. Auf jede fingierte Suchanzeige, in der sie sich als Käuferin ausgebe, meldeten sich 20 bis 30 Händler aus ganz Europa.

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