Erstochen: Bub (8) findet sterbende Mutter

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Auf seiner Flucht warf Hakim F. das Messer an der Busstation Heimeranplatz weg.

München - Schreie reißen das Kind aus dem Schlaf – als der Bub ins Wohnzimmer läuft, findet er seine sterbende Mutter. Mehrfach hatte der Ehemann der 28-Jährigen ihr ein Messer in den Körper gestoßen. Das alles am 8. Geburtstag des Sohnes.

Es ist kurz nach 23 Uhr am Montagabend, als der Bub den Polizei-Notruf wählt. „Mama blutet“, sagt er – und seine Adresse. Wenig später öffnet das Kind den Einsatzkräften die Wohnungstür an der Gollierstraße (Westend). Die 28-Jährige liegt bewusstlos und blutüberströmt im Wohnzimmer. Unter Reanimationsversuchen wird die Frau in eine Klinik gebracht. Doch es gibt keine Hilfe. Sie stirbt an den Stichen, die der getrennt lebende Ehemann ihr an Hals, Brust und Bauch zugefügt hat.

Hakim F. ist zu diesem Zeitpunkt noch auf der Flucht. Nach bisherigen Ermittlungen hatte sich die Tat folgendermaßen abgespielt: Der 28-jährige burundische Staatsbürger kommt offenbar am frühen Montagabend in die Wohnung, um den gemeinsamen Sohn zu besuchen. Der Grundschüler wird an dem Tag acht Jahre alt. Später, als das Kind schon im Bett ist, geraten Hakim F. und seine Ehefrau in Streit. Wieder einmal. Doch dieses Mal eskaliert die Situation. Hakim F. nimmt ein 30 Zentimeter langes Küchenmesser und sticht damit auf seine Frau ein. Die 28-Jährige bricht zusammen, der Mann verlässt die Wohnung, noch bevor sein Sohn in das Wohnzimmer kommt.

Das Messer wirft Hakim F. wenig später an einem Bushäuschen am Heimeranplatz ins Gestrüpp. Anschließend läuft er vom Westend zu Fuß nach Untersendling. Dort entdeckt eine Streife den Flüchtigen bei einer Tankstelle an der Garmischer Straße, von wo aus er gerade selbst bei der Polizei anruft, um sich zu stellen. Hakim F. hat ebenfalls Verletzungen. Nach seinen Angaben hat er sich diese selbst beigebracht. Er kommt in ein Krankenhaus, kann aber später der Haftanstalt überstellt werden.

Das Gefängnis ist für den 28-Jährigen keine neue Erfahrung. Laut Staatsanwaltschaft hat der Mann bereits mehrere schwerwiegende Straftaten begangen. Wegen einer Vergewaltigung 2004 saß er bis 2007 im Gefängnis. Während dieser Zeit heiratete das Paar, das sich schon seit Jugendzeiten kannte. Doch nach der Freilassung folgten mehrere Gewaltdelikte. Auch die Ehefrau hatte zuletzt im Februar Anzeige wegen häuslicher Gewalt erstattet, die dann aber im Sand verlief, weil die 28-Jährige später von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht gebraucht machte. Wohl, weil Hakim F. eine laufende Bewährungsstrafe offen hatte und der Vorfall ihn wieder hinter Gitter gebracht hätte. Dort wird er nun erst recht viele Jahre verbringen. In seiner ersten Vernehmung räumte er die Tat im Wesentlichen ein. Zum Grund des Streites äußerte er sich laut Polizei nicht, redete aber teilweise wirr. Die Vernehmung wurde abgebrochen, ein Gutachter soll nun klären, ob Hakim F. unter einer Psychose leidet. Der Sohn kam in die Obhut der Eltern der Getöteten und wird von Psychologen betreut.

Sven Rieber

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