Klasse an der Kasse

Wetteinsatz eingelöst: Paul Breitner sitzt bei Rewe am Band

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Ja, was tipp ich denn jetzt beim Lauch ein? Paul Breitner sitzt hoch konzentriert beim Rewe in den Fünf Höfen an der Kasse – die Kunden freut’s. Auch Breitners Kollegen von der Münchner Tafel sind gekommen.

Paul Breitner, Weltmeister und Ex-FC-Bayern-Star, saß jetzt in München in einem Supermarkt als Kassierer am Band. Breitner löste damit eine Wette ein.

  • Paul Breitner, Weltmeister und Ex-FC-Bayern-Star, löst in München eine Wette ein
  • Breitner war in einem  Rewe-Supermarkt als Kassierer im Einsatz
  • Hintergrund ist Breitners Einsatz für die Münchner Tafel

Die Schlange wird immer länger. Die Kunden tuscheln, bevor sie ihre Einkäufe aufs Band legen. „Ist er’s jetzt oder nicht?“, fragen sie. Einige zücken ihr Handy für einen Schnappschuss. Die Kunden des Rewe-Markts in den Fünf Höfen (Innenstadt) waren am Samstagvormittag perplex: An der Kasse saß tatsächlich FC-Bayern-Legende Paul Breitner (68) – Klasse an der Kasse!

Breitner hatte mit dem  Rewe-Marktleiter gewettet

Es ist bekannt, dass der Weltmeister von 1974 nicht nur für das runde Leder glüht, seine zweite große Passion ist es, sozial Benachteiligten zu helfen. Und so kam er auch an die Supermarktkasse… Denn Breitner (68) hatte mit Rewe-Marktleiter Husein Dugonjic (37) gewettet, dass der es nicht schafft, innerhalb von 14 Tagen 3333 Spendentüten zu verkaufen. Breitner hat sich getäuscht: Die Kunden kauften 4457 der Tüten mit je sechs Lebensmitteln zugunsten der Münchner Tafel, die die Sackerl an Bedürftige verteilt. Breitner, der sich seit vielen Jahren für die Hilfsorganisation einsetzt, sagt: „Selbst wenn sie 300 Tüten verkauft hätten, wäre ich gekommen. Es ist wichtig, die Augen vor der eigenen Haustür aufzumachen. Jeder, der das tut, sieht, dass Armut in Deutschland seit zig Jahren ein Problem ist.“

Wettschulden sind Ehrenschulden. Deshalb bedient Breitner gut gelaunt einen Kunden nach dem anderen. „Ja, wie viele Nummern habt’s ihr denn noch?“, fragt er lachend, während er die Zahlenkombinationen für Tomaten, Sellerie und Bananen eintippt. Die Verzögerung stört keinen hier. Breitner zieht vorsichtig Nudel-Packungen, Joghurt-Gläser und Milchtüten über den Scanner. An seiner Seite ein routinierter Mitarbeiter. Sicher ist sicher.

„Ich hätte es selber nicht besser gemacht“, lobte ihn Mira Ehrenfeld (33, Kieferorthopädin), nachdem ihr Breitner den Kassenbon ausgehändigt hat. Kunde Werner Zeiler (57) schwärmt: „Ich war schon immer Bayern-Fan, bin sogar Mitglied. Ich war total verdutzt, als plötzlich der Paul Breitner an der Kasse saß.“

Auch Marktleiter Dugonjic ist zufrieden mit seiner neuen Kassenkraft. „Die Probezeit hat er bestanden“, scherzt er. „Es ist toll, dass Paul Breitner die Aktion unterstützt“, sagt der Marktleiter. Er selber weiß, wie es ist, kein Geld zu haben. „Ich bin 1992 aus Bosnien geflohen und hatte nichts. Ich wurde aber unterstützt und gefördert.“ Es sei ihm ein Bedürfnis, etwas zurückzugeben. Am Ende macht Breitner freiwillig Überstunden und würde „für einen guten Zweck jederzeit wieder kassieren“.

Felicitas Bogner

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und: Helfen ist unser täglich Brot - 25 Jahre Münchner Tafel

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