„Schon jetzt ein Überschuss“

Wetter-Extreme in München: Experten verraten, warum kein Ende in Sicht ist - deftiger Ausblick

Viel Hitze und viel Wasser am Stachus: Ein passendes Symbolbild für den Münchner Sommer 2021.
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Viel Hitze und viel Wasser am Stachus: Ein passendes Symbolbild für den Münchner Sommer 2021.

Brütende Hitze und sintflutartige Regenfälle - in München in diesem Sommer nichts Ungewöhnliches. Und das Ende des Tropen-Sommers ist noch nicht in Sicht.

München - Man verlässt das Haus bei Sonnenschein – und kommt abends patschnass nach Hause. Nicht wenige Münchner dürften in den letzten Wochen in einen Wolkenbruch geraten sein. Starkregen und Unwetter ziehen in diesem Sommer sehr plötzlich auf – und lassen Sonnenhungrige genervt in den Himmel blicken – mit der Frage: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Die schlechte Nachricht: In den nächsten Tagen jedenfalls nicht. Die Temperaturen sollen sogar noch weiter fallen.

Doch so schlecht wie man meinen könnte, ist der Sommer dieses Jahr gar nicht. Vor allem der Juni hat sich von seiner besten Seite gezeigt – und den Sommer, der meteorologisch am 1. Juni beginnt und am 31. August endet, gewaltig nach vorne katapultiert. „Der Juni war in München* mit durchschnittlich 19,7 Grad Celsius deutlich zu warm“, sagt Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst in München. Verglichen mit der Referenzperiode aus den Jahren 1961 bis 1990 lag die durchschnittliche Juni-Temperatur in diesem Jahr um 3,2 Grad höher als im langjährigen Vergleichszeitraum (16,5 Grad Celsius). Die Sonne schien im Juni in Bayern gut 275 Stunden, in München gab es laut Lothar Bock vom Deutschen Wetterdienst sogar fast 318 Stunden Sonne! Normal sind ungefähr 200 Stunden.

Tropischer Sommer in München: „Schon jetzt Niederschlags-Überschuss von 30 Prozent“

Doch die vielen Regenschauer trübten die Aussicht: Von 1. Juni bis 25. Juli fielen in der Landeshauptstadt 326,4 Liter Regen pro Quadratmeter, hat Diplom-Meteorologe Dominik Jung errechnet. „Das sind schon 87,6 Prozent von dem, was normalerweise im gesamten Sommer bis Ende August runterkommt“, sagt Jung. Der Sommer sei bislang richtig tropisch: „zu warm, zu sonnig, zu nass.“ Grund: warm-feuchte Luftmassen von Osteuropa kommend treffen auf sehr kühle Luftmassen vom Atlantik her. „Beide Luftmassen haben sich sehr oft über Deutschland getroffen. Das hat zu vielen Niederschlägen geführt“, erklärt Jung. Die teils heftigen und lang anhaltenden Regenfälle hatten schwere Überschwemmungen vor allem im Westen des Landes zur Folge.

In München prasselten laut Lothar Bock im Juni 230 Liter auf den Quadratmeter nieder, im Juni 2020 waren es 207 Liter. Am 4. Juni 2021 schüttete es beispielsweise 40 Liter pro Quadratmeter, Ende Juni waren es an fünf Tagen jeweils mehr als 30 Liter. Auch der Juli ist bislang zu nass. „Beim Niederschlag haben wir schon jetzt einen Überschuss von 30 Prozent“, sagt Wolz. Zwischen 1. und 18. Juli fielen 88 Prozent der üblichen Niederschläge.

München: Ende der „Regenzeit“ nicht in Sicht

Beim Bayerischen Bauernverband freut man sich einerseits über den Regen. „Wir sind froh, dass wir wieder genug Wasser haben nach den Dürresommern der letzten Jahre“, sagt Anton Huber, Referent für Getreide und Ölsaaten. Teilweise habe es aber viel zu stark und zu heftig geregnet. „Das Erntefenster ist sehr eng. Wir brauchen unbedingt noch ein paar trockene Tage.“

Doch ein Ende der „Regenzeit“ ist vorerst nicht in Sicht: „Es geht so weiter wie gehabt. Wir schwanken zwischen 20 und 25 Grad und es wird immer wieder Regen geben“, sagt Jung. In der ersten Augustwoche soll es sogar noch kühler werden: nur noch zwischen 18 und 22 Grad sind angesagt. Daniela Pohl - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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