Kein Witz: Geh-Konferenz kostet 728.000 Euro

München - Die Grünen wollen, dass München im Jahr 2013 die internationale Fußgänger-Konferenz "Walk 21" austrägt. Über den Sinn und vor allem die Kosten der Veranstaltung gibt es Diskussionen.

Wer hätte das gedacht: „Zu Fuß gehen verursacht keinen Lärm und keine Schadstoffe, verbraucht wenig Ressourcen und benötigt wenig Raum.“ Der Satz und noch andere dieser Art stehen tatsächlich in einem Schreiben der Stadt. Das Büro des 3. Bürgermeisters Hep Monatzeder hat die Vorlage auf Antrag seiner Grünen geschrieben, um 2013 die internationale Fußgänger-Konferenz „Walk 21“ nach München zu holen.

Und tatsächlich machte der Stadtrat mindestens 728 000 Euro locker – mit den Stimmen von Rot-Grün und ÖDP, gegen den Protest der Opposition! Der FDP-Fraktionschef Michael Mattar fühlte sich schon bei der Ausschusssitzung vergangene Woche an Loriot erinnert. Schließlich kann die Stadtverwaltung noch mit Erkenntnissen folgender Art aufwarten: „Das Zufußgehen belebt die Stadt und ist auf kurzen Strecken geeignet, überlastete öffentliche Verkehrsmittel zu entlasten.“ Oder: „Das Zufußgehen ist gesund.“ Oder: „Fußverkehr wirkt sich positiv auch auf Handel, Gastronomie und Tourismus aus.“

Über die Plattitüden ärgerte sich auch CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Doch weil eigentlich kein Geld für solche Kongresse da ist, nahm Rot-Grün das Geld aus der „Radverkehrspauschale“, aus der auch neue Radwege finanziert werden. Und weil Radeln nicht Laufen ist, etikettierte die Rathaus-Mehrheit die Kasse flugs in „Nahmobilitätspauschale“ um. So einfach geht’s.

Manch einem Sozi waren die Bauschmerzen beim grünen Lieblingsthema anzusehen. „Ich gebe ja zu: Restlos begeistert, war auch ich nicht von Anfang an“, sagte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Allerdings gebe es ernste Fußgänger-Themen in München – etwa die Konflikte mit den Radlern an der Residenz. Die Opposition entgegnete: Um die zu lösen, brauche es keinen teuren Kongress.

DAC

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