240 Meter hohe Rotoren im Wald

Riesen-Projekt im Münchner Süden steht im Raum: Kosten in Millionenhöhe?

Blick von München Richtung Alpen über Forstenrieder Park
+
Entlang der A95 könnten im Forstenrieder Park die Windräder stehen.

Im Münchner Südwesten könnte es bald rundgehen - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Entlang der A95 sind mehrere Windräder denkbar.

München - Es könnte eine Art Spalier aus Windrädern werden: fünf große Rotoren entlang der Autobahn A95 im Forstenrieder Park, jeweils rund 240 Meter hoch. Diesen Plan, der am Ende für mehr sauberen Strom sorgen soll, hat jetzt ein Experte im örtlichen Bezirksausschuss im Münchner Süden vorgestellt. Geht’s bald rund im Forstenrieder Park?

Peter Beermann, Energieberater und Geschäftsführer der Energiesysteme GmbH in Solln*, berät bereits die beiden Gemeinden -Pullach und Neuried, die von dem Projekt ebenfalls betroffen sind. Sie hatten die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Windenergie Forstenrieder Park beantragt. Beermann also stellte den Stand der Dinge nun dem Bezirksausschuss 19 (Thalkirchen - Obersendling - Forstenried - Fürstenried - Solln vor).

Mehrere Windräder? Im Forstenrieder Park gibt´s genug Platz für die 10-H-Regel

Der Experte erklärt: „Im Forstenrieder Park gibt es entlang der Autobahn eine Fläche, innerhalb der die bayerische 10-H-Regelung eingehalten wird.“ Auf eben jene Fläche werde sich die ARGE konzentrieren.

Die 10-H-Regel bedeutet, dass der Abstand zwischen einem Windrad und der nächsten Wohnsiedlung mehr als das Zehnfache der Höhe der Anlage betragen muss. Für den Bannwald im Süden Münchens sind momentan fünf Windräder angedacht - sie sollen rund 240 Meter hoch sein. Der Abstand müsste also 2,4 Kilometer betragen. Im Forstenrieder Park geht das. Immerhin hat er insgesamt eine Fläche von 37,08 Quadratkilometern.

Der Nordteil am Ludwig-Geräumt soll wegen der Hochspannungsleitungen frei bleiben.

Eher kritisch und als Notnagel sieht der Bund Naturschutz Windräder im Wald. „Wir sind daher für die Abschaffung der 10-H-Regel“, sagt Annemarie Räder, die oberbayerische Regionalreferentin. Bei Windrädern in einem Bannwald gehe es immer um eine Einzelfallentscheidung.

München: Kosten für Mega-Vorhaben bisher nur Spekulation

Doch für die Naturschützer gibt’s gute Nachrichten. „Die artenschutzrechtlichen Belange werden über Gutachten intensiv untersucht“, sagte Beermann. Das ist aufwändig und wird wohl mindestens das ganze kommende Jahr dauern. Der Wald, der kaputt oder verloren geht, muss wieder aufgeforstet und am Waldrand ergänzt werden. „Klimaschutz ist Artenschutz.“

Der Nutzen? „Grob gesagt kann eine moderne binnenlandoptimierte Windenergieanlage circa 3000 bis 3500 Haushalte mit Strom versorgen“, sagt Beermann. Über die Kosten will der Experte nicht spekulieren. Ähnliche Projekte (siehe unten) zeigen aber, dass wohl mehrere Millionen Euro fällig werden. Spätestens nach zwölf Jahren sollen die Kosten aber ausgeglichen sein.

Diese Projekte sind um München noch geplant

„Wir wollen die Energiewende schaffen“, sagt Annemarie Räder vom Bundnaturschutz. Eine Mammutaufgabe, die in der Landschaft Spuren hinterlässt. Zum Beispiel, wenn Windräder schon aus der Ferne zu sehen sind. Pläne dafür gibt’s im Münchner Umland nicht nur im Forstenrieder Park: Im Frühjahr war ein Ingenieurbüro beauftragt worden, das Gebiet westlich von Krailling nach möglichen Standorten zu untersuchen. Dem Windkraftprojekt im Ebersberger Forst stimmte die Bevölkerung im Mai per Bürgerentscheid zu und auch in Hofoldinger Forst und Höhenkirchner Forst ist Windenergie schon lange ein Thema. Für letzteren ergab ein Gutachten Kosten von etwa 20 Millionen Euro für drei Rotoren. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare