Parklizenz, Umweltzone, Radlwege: Autofahrer verlieren den Überblick

München wird zum Schilderwald

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München verkommt zum Schilderwald.

München - Verkehrsexperten und Stadtästheten schlagen Alarm: München verkommt zum Schilderwald! Während man andernorts den Blech-Dschungel lichtet, fügt man in München ständig neue Verkehrszeichen hinzu.

ADAC und CSU-Stadtrat Richard Quaas fordern: Ein Schilder-Koordinator muss her.

Vergangenen Mai freute sich Bürgermeister Sepp Monatzeder, dass die Stadt entlang dreier Radlrouten 700 neue großflächige Hinweisschilder aufstellte. Den Pedalrittern soll nicht mehr vorenthalten werden, dass es auch einen Mittleren Ring für Radler gibt. Die bevorzugen allerdings eher den direkten Weg, um die Muskeln zu schonen. 70 000 Euro kostete die Blech-Aufforstungsmaßnahme. Es gibt noch 12 Routen, die auch neu beschildert werden sollen…

Die nächste Schilder-Staffel stellte Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle vergangenen Oktober vor: Das Lkw-Fahrverbot innerhalb des Mittleren Rings als Anti-Feinstaubmaßnahme. 300 Schilder wurden aufgestellt, um den Brummifahrern den Weg aus der Stadt zu weisen. Das Fahrverbot ist kaum kontrollierbar und macht die Luft selbst nach KVR-Ansicht nicht viel sauberer. Aber die Stadt muss beweisen, dass sie etwas gegen den Feinstaub tut, sonst bekommt sie von der EU eins auf den Deckel. Ähnliches gilt für die Umweltzone, die gestern im Stadtrat auf den Weg gebracht wurde. Ab 1. Oktober dürfen alte Stinker nicht mehr in die Stadt Hier muss die Stadt jetzt exakt 337 Schilder aufstellen, um Fahrer von Altautos auszusperren.

Am dichtesten wuchert der Münchner Schilderwald allerdings in den Parklizenzzonen. Hier kann man etwa in der Müllerstraße in Zehn-Meter-Abständen ein Verkehrszeichen nach dem anderen bewundern: Parkbereiche für Anwohner, Besucher, Hotelanfahrtszonen, absolute, temporäre oder eingeschränkte Halteverbote müssen erklärt werden. Und selbst am Anfang der kleinsten Seitengassen stehen riesigen Doppelpfosten-Schilder, die den Beginn einer Lizenzzone verkünden, gleich in zweifacher Ausführung! „Vielleicht gab es da Rabatt“, spottet man schon im Viertel. Wenigstens die Radler freuen sich über neue Möglichkeiten, ihr Gefährt anzuketten.

Stadtrat Richard Quaas sitzt in der Stadtgestaltungskommission und schimpft: „Ästethisch ist die explosionsartige Schilder-Mehrung eine Katastrophe.“ Für touristische Hinweise gäbe es hingegen keinen Platz. Man solle die Aufstellung der Schilder besser koordinieren. Ins gleiche Horn bläst ADAC-Verkehrsexperte Axel Arnold: „Autofahrer laufen sonst Gefahr, wichtige Verkehrsschilder zu übersehen.“

Quelle: tz

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