Große Pläne für die Zeit nach der Pandemie

Bavaria seit 40 Jahren: Münchens dienstältester Wirt kam dank eines Nachtlokals auf den Geschmack

Branko Mazalica breitet die Arme aus und lächelt in die Kamera
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Willkommen in seinem Reich: Seit vier Jahrzehnten führt Branko Mazalica die Bavaria in der Bayerstraße.

Branko Mazalica begeht in diesem Jahr ein Jubiläum. Münchens dienstältester Wirt leitet sei 40 Jahren die Bavaria. Und er schmiedet schon Pläne für die kommenden Jahre.

München - Wenn Branko Mazalica von seinem Leben erzählt, werden zwei Dinge schnell klar: Der 81-Jährige hat das Herz am rechten Fleck - und irgendwie auch den Schalk im Nacken. Seine Augen leuchten, wenn er über die Bavaria spricht. Jene urig-bayerische Wirtschaft an der Bayerstraße, die auf eine lange Geschichte zurückblickt. Auch in Mazalicas Leben. Schon seit 50 Jahren wohnt er über der Gastwirtschaft. „Erst war ich nur Gast. Aber auch schon jeden Tag hier.“ Als der Pächter, ein Jugoslawe, geht, ist Branko Mazalicas Moment gekommen…

Münchens dienstältester Wirt übernimmt 1981 die Gaststätte, führt sie 40 Jahre mit ganz viel Herzblut und steht immer noch jeden Tag hinterm Tresen. „Auch wenn wir jetzt grad leider nur Lieferdienst machen. Was soll ich denn die ganze Zeit oben in der Wohnung?“, fragt sich der gebürtige Zagreber. Aufhören? In Rente gehen? Zurück nach Kroatien*? „Nein“, sagt er, lacht und die Augen blitzen. „Ich bleib da. So lange mich der Herrgott lässt.“

Münchens dienstältester Wirt: Jubiläumsfest soll nachgeholt werden

Dass ein Wirt so lange eine Gaststätte führt - das freut auch die Augustiner-Brauerei. „Das kommt ganz selten vor“, erklärt Vorstand Martin Leibhard. Er hat kürzlich mit einer kleinen Brauerei-Delegation in der Bavaria vorbeigeschaut - mit einer schicken Urkunde und einem Präsentkorb im Gepäck. „Schade, dass wir nicht groß feiern können“, meint Leibhard und spricht seinem Wirt ganz aus dem Herzen. Beim 30er-Jubiläum habe man es krachen lassen, erinnert sich der Gastronom voller Wehmut. „Beim 35er auch.“

Das jetzt ausgefallene Fest soll auf jeden Fall nachgeholt werden. Das ist auch für Leibhard klar. Und: Bis die 50 Jahre voll sind, will keiner warten. Auch Mazalicas Frau Durda nicht, die immer an seiner Seite ist. Heuer sind die beiden seit 59 Jahren verheiratet. Ohne sie, da ist er sich sicher, wäre er heute nicht das, was er ist. Von einem Leben mit ihr und als Gastwirt hat der Kroate schon immer geträumt.

Als er 1961 von Zagreb nach Deutschland* gekommen ist, ging es für ihn aber erst einmal nach Dortmund. „Ich habe als Maschinenbauschlosser gearbeitet.“ Und fügt mit eben diesem Blitzen in den Augen an: „Ich war aber auch schon immer ein Mann, der Geld machen wollte.“

Münchens dienstältester Wirt: Erster Kontakt mit der Gastronomie war ein Nachtlokal

Deswegen gab es während seiner Zeit in Karlsruhe auch ersten Kontakt mit der Gastronomie. Besser gesagt, mit einem Nachtlokal. Das habe aber ein Freund für ihn geführt. „Ich war ja verheiratet und hatte eine Tochter. Das war eher schwierig“, hält er sich bei diese Episode ein bisschen bedeckt.

Im Jahre 1971, als die Familie nach München* kam, habe wegen der anstehenden Olympischen Spiele das Geld praktisch auf der Straße gelegen. Es gab viel Arbeit und viele Aufträge. Mazalicas gute Kontakte in die Baubranche kommen ihm auch zugute, als er seinen Lebenstraum wahr macht und die Bavaria übernimmt. Damals habe er die alte Einrichtung rausgerissen und neu gestaltet.

Auch für die Zeit nach der Pandemie* hat er große Pläne. „Alles soll nobler werden“, sagt er. Die Bavaria sei aber nicht besonders groß. „Reich werden kannst du hier nicht. Aber ein wunderschönes Leben führen“, sagt er wieder mit einem Lächeln. „Und das reicht mir.“ (Nadja Hoffmann) *tz.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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