Einer klagt schon für sein Lokal

Freischankflächen minimiert: Münchner Wirte stocksauer

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Platzproblem: Die Füße von Wirt Richard Weiss sind bereits über der offiziellen Freischankfläche vor dem Café Jasmin an der Steinheilstraße in der Maxvorstadt. Er und Florian Heindl (l.) kämpfen gegen die neuen Regelungen der Stadt.

Es wird eng auf Münchens Freischankflächen. Grund ist eine neue Verordnung der Stadt, die den Fußgängern mehr Platz auf dem Gehsteig geben soll.

München - Es wird eng auf Münchens Freischankflächen. Grund ist eine neue Verordnung der Stadt, die den Fußgängern mehr Platz auf dem Gehsteig geben soll. Gleichzeitig kostet die Regelung, die nach einer Kulanzzeit von zwei Jahren, seit kurzem von der Stadt rigoros umgesetzt wird, Restaurants und Cafés viel Platz für Stühle und Tische vor den Lokalen!

Die Wirte sind sauer und gehen jetzt auf die Barrikaden! „Maße wie in der Massentierhaltung“, hätten die Freischankflächen jetzt, findet auch Wirt Richard Weiss. Er ist Mitglied des Bezirksausschusses Maxvorstadt und Betreiber des Café am Josephsplatz. Bei ihm wurde die Freischankfläche zwar noch nicht reduziert, sollte es aber doch soweit kommen, wäre das für den Gastronom ein herber Verlust. 30 Zentimeter würde er in der Tiefe seines Außenbereiches verlieren, rund 40 Zentimeter blieben ihm. „So könnte ich nur noch Einzelpersonen oder Paare an die Tische draußen setzen, keine Gruppen mehr“, sagt Weiss. Je nach Wetterlage und Fluktuation könnte die Umstellung den Gastronomen bis zu 4000 Euro im Monat kosten, schätzt er. „Ich begreife das als Angriff auf meine Existenz.“

Unterstützung finden die Gastronomen bei Florian Heindl. Der hat die Bürgerinitiative „Draußen in München“ mit ins Leben gerufen, die die Stadt zum Umdenken überreden will. Zahlreiche Gastronomen, die von der Regel bereits betroffen seien, hätten sich in den vergangenen Wochen an ihn gewandt, so Heindl. Ihm gehen es mit der Initiative auch um den Schutz der kleinen Betriebe und Vierteltreffpunkte. „An Orten wie der Leopoldstraße wird sicher niemand Probleme bekommen, dort sind die Straßen breit genug“, glaubt er. Mit Unterschriftenlisten, die in verschiedenen Lokalen ausliegen, will die Initiative ihrem Anliegen nun Nachdruck verleihen. „Der Widerstand wächst, alleine um den Josephsplatz haben wir innerhalb kürzester Zeit rund 1000 Unterschriften für unser Anliegen gesammelt“, so Heindl.

Hier geht es zur Online-Petition

Das Kreisverwaltungsreferat, das für die Verordnung zuständig ist, war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen. 

Stichwort Freischankfläche:

Eine Freischankfläche ist der Bereich vor dem Lokal, auf dem Wirte noch Stühle und Plätze für ihre Gäste bereithalten dürfen. Die „Neufassung der Richtlinien für Sondernutzung“ der Stadt München sieht auf den Gehsteigen „Mindestdurchgangsbreiten“ vor. Diese reduzieren auf schmalen Gehsteigen den Platz für Tische und Stühle. So muss offiziell seit Mai 2014 zwischen der Freischankflächen und dem Gehsteigrand mindestens 1,60 Meter Platz bleiben. Grenzt an den Gehsteig ein Radweg, müssen 1,90 Meter frei bleiben. Stellt der Wirt Stühle außerhalb der genehmigten Fläche auf, drohen Bußgelder.

Er klagt für sein Lokal

Von einem Meter auf knapp 60 Zentimeter soll Salvatore Musumeci (55) seine Freischankfläche nach dem Willen der Stadt reduzieren. „So verliere ich die Häfte meiner Plätze und kann keine Familien mehr an die Tische setzen“, so Musumeci, der die Anordnung bisher nicht umgesetzt hat. Stattdessen hat er sich einen Anwalt genommen und Klage gegen die Stadt eingereicht. „Die Plätze draußen helfen mir zu überleben, ohne sie kann ich passen.“

Annika Schall

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