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Regional und saisonal: Warum die Münchner ihre Standl lieben – wo ist der nächste in Ihrer Nähe?

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Von: Matthias Bieber

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Franz Nestler und Katrin Schweiger verkaufen ihre Ware am Wochenmarkt am Josephsplatz.
Franz Nestler und Katrin Schweiger verkaufen ihre Ware am Wochenmarkt am Josephsplatz. © Sigi Jantz

Regionale Frische in und um München ist Trumpf. Wir haben einige Märkte besucht, mit Verkäufern gesprochen und zeigen ihnen: Wo ist der nächste Markt in Ihrer Nähe?

München – Hätten Sie’s gedacht? In München gibt es sage und schreibe 34 Wochenmarkt-Stand­orte, ein 35. soll noch im Sommer in Obergiesing (Ella-Lingens-Platz) dazukommen. Der Unterschied zu Bauernmärkten? Diese bieten ohne Umwege über Zwischenhändler direkt ihre Waren an – auf elf Plätzen in der Stadt. So oder so: Regionale Frische in und um München ist Trumpf. Wir haben einige Märkte besucht und mit Verkäufern gesprochen und liefern frei Haus eine Liste: Wo ist der nächste Markt in Ihrer Nähe? Lassen Sie es sich schmecken!

Wochenmärkte in München: Maxvorstadt

Am Josephsplatz herrscht immer dienstags emsiges Bauernmarkttreiben. Franz Nestler (44, Foto oben) und seine Verkäuferin Katrin Schweiger (39) freuen sich immer auf die Landeshauptstadt München. Der Chef sagt: „Man wird sehr freundlich empfangen. Bei uns auf dem Dorf ist der Spargel ein Alltagsprodukt, doch hier ist man glücklich über Direktware vom Betrieb.“ Sein Spargelhof Nestler in Hohenried (Schrobenhausen) hat zwölf Hektar in Ernte, ein Hektar liefert zwischen acht und zwölf Tonnen. „Aber 30 Prozent müssen Sie wegrechnen nach dem Auslesen.“

▶ Josephsplatz, Dienstag bis 18 Uhr, U2 Josephsplatz.

Ein paar Schritte weiter lockt der nächste Bauernmarkt – am Ferdinand-Miller-Platz. Landwirt Ludwig Mayerhofer (63) aus Wallersdorf in Niederbayern (Lkr. Dingolfing-Landau) bietet unter anderem Erdbeeren an, die er von einem Kollegen aus Landau zehn Kilometer weiter bezieht. „Durch die Pandemie ist das Geschäft ein bisserl abgeflaut, aber jetzt geht es wieder aufwärts. Ich bin zufrieden. Die Münchner respektieren die heimische Produktion“, weiß er. Seit 1989, dem ersten Bauernmarkt in Schwabing, ist er mit dabei.

Ebenfalls auf dem Ferdinand-Miller-Platz bietet Hedi Grün Tee an – „als Einzige“, lacht sie. Doch nicht nur das: Neben Honig, Kaffee und verschiedenen Gewürzen lockt auch ein ganz besonderer Kakao, Goufrais aus dem Schwarzwald, den die Kunden lieben. Hedi kann auf eine treue Stammkundschaft zählen, die einen feinen Gaumen haben.

▶ Ferdinand-Miller-Platz, Dienstag, 10 bis 18 Uhr, Tram 20/21, Station Hochschule (Lothstraße)

Wochenmärkte in München: Haidhausen

Klein und fein kommt dieser Wochenmarkt daher mit einer Handvoll Standln am herrlichen Brunnen, der um diese Jahreszeit besonders schön von Blumenbeeten umgeben ist. Beim Käsestand arbeitet Stefan Kelnhofer für Michael Mosers Südkäse in Miesbach. Der 34-Jährige mag die Location. „Die Kundschaft ist freundlich, die Atmosphäre ist fast schon familiär“, sagt er. Die Produkte bezieht die Firma Südkäse „hauptsächlich aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und Deutschland“.

▶ Weißenburger Platz, Dienstag 8 bis 12 Uhr, ein paar Meter vom Rosenheimer Platz (S-Bahn) entfernt.

Wochenmärkte in München: Au

Der Mariahilfplatz hat seine Tücken, weiß Gärtnermeister Helmut Reschenhofer (56), Leiter des Gemüsebaus der Gärtnerei Hollern. „Im Sommer ist es hier super, im Winter nicht.“ Denn die Kirche spendet Schatten, und der permanente Wind tut gut. Im Winter zieht’s halt leider auch. Apropos ziehen: Am Mittwochmittag zieht der ganze Markt für den Rest des Tages zum Mangfallplatz.

Die Gärtnerei Hollern gehört zum Augustinum und ist eine Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung. Davon sind im Bereich Gemüse 20 beschäftigt, dazu vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Anbau und Verkauf sowie drei Azubis. Reschenhofer ist „seit schlappen 35 Jahren“ mit von der Partie. „Es ist ein großer Markt mit riesiger Bandbreite – und sehr etabliert.“

▶ Mariahilfplatz, Mittwoch 7 bis 13 Uhr (danach Mangfallplatz, direkt an der U 1), Tram 18 bzw. Buslinie 52/62, Mariahilfplatz oder Schweigerstraße

Wochenmärkte in München: Fürstenried West

Seit zwölf Jahren hat -Ronald Raitzsch (44) seinen Fischstand, aber das Verkaufen liegt ihm im Blut – „schon meine Eltern waren Händler“, sagt er uns. In Fürstenried West hat er rund 60 Prozent Stammkundschaft. „Durch Corona ist der Umsatz eher gestiegen“, sagt er, „das war gut für uns Marktleute. Überhaupt gibt es mehr Menschen als früher, die Wert auf Qualität bei Lebensmitteln legen.“ Seine Ware bezieht er von verschiedenen Anbietern, etwa Großmarkthallen. Da muss er früh aufstehen – der Wecker klingelt um 5 Uhr.

▶ Schweizer Platz, Mittwoch 13 bis 18 Uhr und Samstag 7 bis 13 Uhr, U-Bahnstation Fürstenried West (U3)

Wochenmärkte in München: Großhadern

Die Liebe der Deutschen zu italienischen Delikatessen ist ungebrochen, sagt Antonio Catapano, der seine Kundschaft als ausgesprochen freundlich lobt. Doch der Händler spürt, dass hier im Viertel der Gürtel enger geschnallt wird. „Das liegt an den Preissteigerungen und am Krieg“, glaubt der 67-Jährige. Dennoch: „Wir sind da, Sommer wie Winter, bei Schnee, Sturm und Sonnenschein.“ Seine Ware bezieht Antonio hauptsächlich aus Südtirol.

▶ Heiglhofstraße 1-11, Mittwoch 13 bis 18 Uhr, U-Bahnstation Großhadern (U6)

Wochenmärkte in München: Harlaching

Ein Original, die Therese Zollner aus der Hallertau! Ihr Lächeln ist entwaffnend, und ihre Kuchen sind ein einziger Traum! „Am liebsten mögen die Kunden den mit Sauerrahm und Mandarinen-Schmand“, erzählt sie. Ein Tag wird gebacken, ein Tag wird verkauft. Starttermin: 18. März 1989, wie auf einem der Fotos an der Rückwand des Standls zu sehen ist. „Die Kundschaft wartet immer schon auf uns. Mich macht das glücklich.“ Zollner zieht mit ihrem Back-Glück durchs Oberland, wenn sie nicht grad in München am Mangfallplatz, am Mariahilfplatz oder am Fritz-Hommel-Weg ist.

▶ Mangfallplatz, Mittwoch 14 bis 18 Uhr, U-Bahnstation Mangfallplatz (U1)

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Bauernmärkte: So schaut’s in der Region rund um München aus

▶ Aschheim: Marktplatz, Mittwoch von 14 bis 18 Uhr.

▶ Baierbrunn: Ortsmitte/Rathaus, Mittwoch von 14 bis 18 Uhr.

▶ Garching: Maibaumplatz, Mittwoch von 13.30 bis 18 Uhr.

▶ Grünwald: Tremmelallee, Samstag von 9 bis 12 Uhr.

▶ Haar: St.-Konrad-Straße, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.

▶ Kirchheim b. München: Pfarrer-Caspar-Mayr-Platz, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.

▶ Neubiberg: Unterbiberg, Samstag von 8 bis 13 Uhr.

▶ Neuried: Am Marktplatz, Mittwoch von 12 bis 18.30 Uhr.

▶ Oberhaching: Kirchplatz, Freitag von 14 bis 18 Uhr.

▶ Oberschleißheim: Am Bürgerplatz, Freitag von 14 bis 18 Uhr.

▶ Ottobrunn: Ortsmitte, Samstag von 7 bis 13 Uhr.

▶ Planegg: Am Marktplatz, Freitag von 8 bis 13 Uhr.

▶ Pullach im Isartal: Am Kirchplatz, Donnerstag von 8 bis 13 Uhr.

▶ Sauerlach: Am Bahnhofsplatz, Donnerstag von 8 bis 13 Uhr.

▶ Schäftlarn: Am Bahnhofsplatz, Donnerstag von 14 bis 18 Uhr.

▶ Taufkirchen: Marktplatz beim Rathaus ,Dienstag von 13 bis 18 Uhr.

▶ Unterföhring: Marktplatz vor dem Bürgerhaus, Samstag von 8 bis 13 Uhr.

▶ Unterhaching: Am Rathausplatz, Donnerstag von 12 bis 18.30 Uhr und Bussardstraße, Freitag von 8 bis 12 Uhr.

▶ Unterschleißheim: Am Rathausplatz, Mittwoch von 12 bis 19 Uhr und Samstag von 8 bis 13 Uhr.

Alle Bauernmärkte in Stadt & Landkreis München

Dienstag: Josephplatz (11 bis 18 Uhr), St.-Benno-Kirche (10 bis 18 Uhr), Mittwoch: Mariahilfplatz (7 bis 13 Uhr), Ottobrunn (10 bis 18 Uhr), Mangfallplatz (14 bis 18 Uhr), Donnerstag: St.-Anna-Platz (10 bis 18.30 Uhr), Georg-Freundorfer-Platz (10 bis 18 Uhr), Freitag: Rüttenauer Platz (7.30 bis 13 Uhr), Agnes-Bernauer-Straße (7.30 bis 13 Uhr), Samstag: Fritz-Hommel-Weg (7 bis 13 Uhr), Pinakothek der Moderne (7 bis 13 Uhr)

Bauernmärkte in Augsburg, Ingolstadt & Co.

Dies ist nur eine kleine Auswahl, jede Stadt bietet oft gleich mehrere Märkte.

▶ Augsburg: Zwölf-Apostel-Platz 2, Mi von 8 bis 12 Uhr, 13 bis 18 Uhr, Fuggerstraße (Bauernmarkt) von Mo bis Sa 7 bis 13 Uhr.

▶ Ingolstadt: Pius-Markt, Liebigstraße, Fr von 8 bis 12 Uhr.

▶ Regensburg: Alter Kornmarkt, Sa 5 bis 13 Uhr, Stadtamhof, Mi 8 bis 13 Uhr.

▶ Bad Tölz: Jungmayrplatz, Wochenmarkt am Mi, Bauernmarkt am Fr, 8 bis 12 Uhr.

▶ Ebersberg: Marienplatz, Mi, 9 bis 18 Uhr.

▶ Freising: Innenstadt, Mi & Sa, 7 bis 13 Uhr.

▶ Garmisch: Fußgängerzone, Freitagvormittag.

▶ Partenkirchen: Ludwigstraße, jeden Donnerstagvormittag.

▶ Herrsching: Parkplatz am Bahnhofsplatz, Sa von 8 bis 13.30 Uhr.

Kommunalreferentin Kristina Frank erklärt die Faszination der Märkte für die Münchner

Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU, 41) ist Chefin der Markthallen München. Sie erklärt die Faszination der Märkte für die Münchner.

Kristina Frank eröffnet den Brotmarkt am Viktualienmarkt
Kristina Frank eröffnet den Brotmarkt am Viktualienmarkt. © Marcus Schlaf

Frau Frank, warum lieben die Münchner ihre Wochenmärkte?

Kristina Frank: Weil sie eine Identifikation mit dem Viertel und der Händlerschaft schaffen. Sie erleben einen regelrechten Boom. Liebe geht hier im wahrsten Sinne des Wortes durch den Magen. In den vergangenen Jahren haben regionale Waren und Bio-Qualität immer mehr Zuspruch erhalten. Gutes Obst und Gemüse, Brot, Fleisch oder Käse an der frischen Luft einkaufen – das ist sehr attraktiv. Die Leute schätzen neben den Lebensmitteln die persönliche Atmosphäre und den Ratsch am Markt, die Beratung durch die Händlerschaft und das gute Gefühl, genau zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen..

Haben Sie einen Lieblings-Markt?

Frank: Jeder hat seinen ganz besonderen Charme. Ich bin oft am Wochenmarkt am Rotkreuzplatz – weil ich dort lange gewohnt habe und die Wege kurz sind. Das Sortiment ist breit gefächert, das Ambiente sehr besonders. Und ein wunderbares Eis danach ist auch immer drin.

Gibt es genug Märkte, oder ist noch Luft nach oben?

Frank: Jährlich kommen neue dazu, das ist mir in einer wachsenden Stadt sehr wichtig. Deswegen braucht es über die gesamte Stadt ein gutes Marktnetz.

Besteht die Gefahr, dass die Leute „Wochenmarkt“ mit „Biomarkt“ gleichsetzen?

Frank: Es wird immer mehr Wert auf Bio auf den Märkten gelegt. Auch wichtig ist die Regionalität, die kurzen Wege der Lebensmittel. Das ist den Kunden und Kundinnen definitiv ein Anliegen.

Wie schaut es mit den Standlmieten aus?

Frank: Die sind sehr moderat. Bei einem durchschnittlichen Verkaufsstand mit sechs Frontmetern liegt die Gebühr bei rund 130 Euro pro Monat.

Sind Sie zufrieden mit dem Produktangebot?

Frank: Wie sagt man so schön auf Münchnerisch: Das passt schon. Aber wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wären es vielleicht mehr neue Angebote, wie beispielsweise Kombucha. Aber selten funktionieren Nachfrage und Angebot so gut wie hier. Wenn die Kundschaft vor Ort etwas anfragt, stellen sich unsere Händler und Händlerinnen meist schnell darauf ein.

Wie läuft das Prozedere ab, wenn man sich für einen Stand bewerben will?

Frank: Wir schauen, dass das Sortiment bestmöglich ergänzt wird und nicht in Konkurrenz zueinander steht. Dazu wird zum Beispiel ein nachgewiesener Beitrag zu Ökologie, Umweltschutz und regionaler Herkunft positiv bewertet. Ganz genau steht alles unter stadt.muenchen.de/infos/vermietung-markt-staende.html

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