Bau-Boom in der ganzen Stadt

Wohnungs-Not: München verpasst Zielzahl im letzten Jahr erneut - doch es gibt auch Hoffnung

Die Baugrube an der Wolfratshauser Straße. Im Hintergrund sieht man die ehemaligen Siemenswerke
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Die Baugrube an der Wolfratshauser Straße. Im Hintergrund sieht man die ehemaligen Siemenswerke.

Von Thalkirchen bis Solln ermöglicht die Stadt München etwa 3000 Wohnungen – vor allem auf vormaligen Industrie-Arealen. Wir stellen die Neubau-Projekte vor.

München - Es ist eine symbolträchtige Zahl: 100.000 Wohnungen hat die Stadt München* in den vergangenen zehn Jahren zum Bau genehmigt. Fertiggestellt wurden laut Planungsreferat seit Anfang 2011 etwa 75.000. Doch die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebremst. Auch weil die Zielzahl von 8500 neuen Wohnungen pro Jahr 2020 erneut verfehlt wurde. 8289 waren es, um genau zu sein. München wächst weiterhin an allen Ecken und Enden. Auch im Süden der Stadt.

Um die 3000 Wohnungen sollen allein im Stadtbezirk Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln in den kommenden Jahren entstehen. Ein markantes Projekt ist der Campus Süd auf dem ehemaligen Siemens-Gelände in Obersendling. 1370 neue Wohnungen sind auf dem Areal geplant. Das Siemens-Hochhaus wiederum – es steht seit rund 15 Jahren leer – soll weiterhin als Bürokomplex genutzt und um zwei kleinere Nebengebäude ergänzt werden. Mit der vom Investor vorgesehenen Neugestaltung der Fassade des 75 Meter hohen Turms befasst sich kommende Woche die Stadtgestaltungskommission.

München: Sensibles Bauvorhaben im Süden - Neues Einfallstor zur Stadt geplant

Die hatte sich im Dezember auch schon mit einem Bauvorhaben an der Wolfratshauser Straße auseinandergesetzt. Die Neugestaltung auf dem Areal des ehemaligen Autohauses Riedel entlang der Bundesstraße 11 tangiert nämlich eine sensible Stelle und bildet sozusagen das Einfallstor zur Stadt.

Der bisherige Entwurf sieht eine sechsgeschossige Anlage mit 80 Mietwohnungen sowie ein kleines Hochhaus (elf Geschosse) mit Büros und Einzelhandel vor. Dafür müsste die Stadt eine Befreiung von den Vorgaben des Bebauungsplans genehmigen. Aktuell stehen die Entscheidungsträger einem Vorhaben in dieser Größenordnung eher skeptisch gegenüber. Womöglich gibt es nun einen Architektur-Wettbewerb. Auch in unmittelbarer Umgebung an der Wolfratshauser Straße wird bereits kräftig gebaut.

Noch viel höher hinaus gehen soll es beim Großprojekt im Umgriff der Machtlfinger Straße. Dort sollen einmal drei 80 Meter hohe Turmbauten in den Himmel ragen. Etwa 220 Wohnungen und bis zu 3000 Arbeitsplätze sind geplant, hinzu kommen zwei Kindertagesstätten sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen.

In Fürstenried West (Appenzeller Straße) entstehen bei einem Projekt der Bayerischen Versorgungskammer weitere 660 Wohnungen. Neu gestaltet wird auch der Ratzingerplatz in Obersendling mit Schulen, Geschäften, Wohnungen, Büros sowie kulturellen, sozialen und Dienstleistungsangeboten. Bereits weitgehend fertiggestellt ist das Stadtquartier mit rund 1100 Wohnungen auf dem ehemaligen Eon-Gelände an der Ecke Boschetsrieder Straße und Drygalski-Allee.

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA), Ludwig Weidinger (CSU), sieht die rege Bautätigkeit in seinem Stadtviertel durchaus kritisch: „Die Folgen für die soziale und verkehrliche Infrastruktur werden nur bedingt bedacht“, moniert er. Und Höhenentwicklungen wie bei den geplanten 80-Meter-Türmen an der Machtlfinger Straße finde er nicht so wirklich toll. Weidinger berichtet, dass bei jeder BA-Sitzung durchschnittlich rund 15 neue Bauvorhaben im Bezirk behandelt würden. „Und das sind ja nur die, die aufgerufen werden. Bauanträge gibt es noch viel mehr.“

Bau-Boom in München: Vom Hochhaus bis zum grünen Riegel - wo die Stadt ranklotzt

Die Projekte im Süden stehen beispielhaft für eine Entwicklung, die in der ganzen Stadt. Auch im Rest der Stadt ist Wohnungsbau ein beherrschendes Thema. Wie beispielsweise im Kreativquartier, das auf der Fläche der ehemaligen Luitpoldkaserne entstehen wird. Auf dem Gelände zwischen Dachauer-, Loth-, Schwere-Reiter-, Heß- und Infanteriestraße soll auf rund 20 Hektar ein Stadtquartier mit 820 Wohnungen entstehen. Baubeginn: voraussichtlich im Herbst. Geehrt wird in dem Viertel auch eine weltweit bekannte Pop-Ikone.

Die Bauarbeiten für das Kreativquartier in München starten im Herbst 2021.

Auch dort, wo früher noch die Paulaner-Braukessel standen, werden neue Wohnungen gebaut – hier geht’s um rund 1500 Appartements, die meisten davon teuer. Allerdings: In der Regerstraße entstehen auch die von der Stadt vorgeschriebenen 30 Prozent geförderten Wohnungen.

In der Eggarten-Siedlung (Lerchenau) soll ein neues Quartier mit bis zu 2000 Wohnungen entstehen – so wurde es am Mittwoch im städtischen Planungsausschuss beschlossen. Ein guter Teil der Flächen soll dabei von Genossenschaften errichtet werden, die Hälfte ist als geförderter Wohnraum geplant. Auch in der Hirmerei, einem Projekt in Allach, geht’s um neue Wohnungen – in diesem grünen Komplex sind rund 230 Einheiten geplant. Der Planungsausschuss hat gerade einen Bebauungsplan in Auftrag gegeben.

Neubauprojekte in München: Fünf quadratische Höfe nahe dem Ostbahnhof

Andere Gegend, ähnliche Idee: Zwischen Ostbahnhof, Orleanstraße und Haidenauplatz soll das neue Wohn- und Geschäftsviertel „Orleanshöfe“ wachsen. Knapp vier Hektar ist das Gelände des früheren Güterbahnhofs groß. Geplant sind hier fünf quadratische Höfe nebeneinander, dazu ein 45 Meter hoher Hotel-Turm an der Ecke zum Haidenauplatz. Geplante Fertigstellung: im Jahr 2028.

Planungen laufen auch am Botanikum in Moosach: An der Feldmochinger Straße ist Platz für rund 550 Wohnungen, eine Grundschule sowie mehrere Betreuungseinrichtungen. Der Planungsausschuss entschied auch hier: Ein Bebauungsplan soll erstellt werden, ein Architektenwettbewerb soll erste Entwürfe liefern.

Ebenfalls in Moosach sind südlich des neuen Busbetriebshofs zirka 620 Wohnungen, zwei Kindertagesstätten und eine Grundschule in Planung.*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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