Unschöne Normalität

Alptraum Wohnungssuche in München: Diese fünf Hürden müssen unbedingt verschwinden

München-Redakteur Lucas Sauter Orengo.
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München-Redakteur Lucas Sauter Orengo.

Eine Wohnung in München finden? Wer schon einmal vor dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe stand, wird folgenden Beitrag nur zu gut nachvollziehen. Für alle anderen kann es als Warnung verstanden werden.

München - Es besteht kein Zweifel: München ist eine lebenswerte Stadt. Abgesehen von nervtötenden Eigenheiten wie den Fahrradwegen der selbsternannten „Radl-Hauptstadt“, oder den immerselben Problemen im öffentlichen Nahverkehr, kann man getrost sagen: In München zu leben ist schön. Dass sich das längst weit über die Grenzen des Freistaats herumgesprochen hat, ist ebenfalls kein Geheimnis mehr, führt aber seit langer Zeit schon zu einem massiven Problem: Wer eine Wohnung in München sucht*, steht vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe.

Diese alte und immer schlimmer werdende Problematik der Stadt schreit danach, kurz und knapp niedergeschrieben zu werden. Es folgen: Fünf Hürden bei der Wohnungssuche in München, die eigentlich nicht sein dürften:

  • #1 Das nötige Kleingeld*: Du willst eine Familie gründen, aber weiter in der Innenstadt wohnen? Dann erfüllst du besser eines der folgenden Kriterien: Entweder du besetzt eine Management-Position oder hast drei Richtige auf einem Rubbellos erwischt. Ansonsten darf das Gehalt beinahe in Gänze für die Miete eingeplant werden. Und junge Menschen, die etwa zum Studieren nach München kommen? Im Zweifel ist es von Vorteil, hauptberuflich „Sohn“ oder „Tochter“ zu sein. Ansonsten ist der Traum von den eigenen vier Wänden in München schnell ausgeträumt.
  • #2 Die Bewerbungsmappe: Sie wollen bei einem international ausgerichteten Konzern den Job fürs Leben finden? Nein, im Zweifel möchte man einfach eine anständige Wohnung finden, die halbwegs bezahlbar ist. Doch was Vermieter mitunter an Bewerbungsmappen verlangen, gleicht in der Tat einer Job-Ausschreibung für Harvard-Absolventen. Wo sehen Sie sich in x Jahren? Was sind Ihre Hobbys? Fehlt nur noch: Welche Abschlussnote können Sie vorweisen?
  • 3# Begegnungen mit Konkurrenten bei Besichtigungen: Dem folgenden Pärchen oder dem nächsten Bewerber tief in die Augen schauen und dabei nett „Hallo“ sagen? Dieser menschlich unwürdige Moment gehört bei Besichtigungen in München fast schon dazu. Doch Hand aufs Herz: Wenigstens diese gefühlte Schmach sollte einem jeden Besichtiger erspart bleiben. Vorschlag: Pro Besichtigung eine „Abgangs-Zeit“ von mindestens zwei Minuten festlegen.
  • #4 Der erste Fake-Kontakt: „Lieber Vermieter, ich spiele kein Instrument, rauche nicht, habe keine Haustiere und bin auch so ein sehr langweiliger Mensch“. Die Erst-Kontaktaufnahme auf den unzähligen Portalen gleicht einer Studie für soziale Erwartungshaltungen und schlecht-erfundenen Selbstbeschreibungen. Wunderbar, wenn eine Vermieter-Mieter-Beziehung von Anfang an auf Lügen aufbaut. Jeder ist plötzlich Max Mustermann, ehe man am Einzugstag dann doch „mit einem Bierchen“ auf die neue Wohnung anstößt.
  • #5 Ansprüche: Innenstadt wäre toll, „die üblichen Viertel“. Am besten freilich ein Altbau, Balkon wäre total schick. Jeder, der den Wohnungs-Wahnsinn in München noch nicht erlebt hat, hat ganz romantische Ansprüche ob des neuen Heims. Doch schnell wird jedem klar: Von Besichtigung zu Besichtigung muss man die eigenen Erwartungen zurückschrauben. Ohne Balkon? Na gut. Kein Altbau? Kann man machen. Nicht in der Innenstadt? Schade, aber okay. Im Keller? Unterschrieben!

Haben Sie auch schon ihre speziellen Erfahrungen auf dem Münchner Wohnungsmarkt gemacht? Schreiben Sie uns, welche Hürden Sie zu bewältigen hatten. Übrigens: Unser München-Newsletter* informiert Sie über alle Entwicklungen in der Isar-Metropole. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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