Candidplatz: Stadt hätte Vorkaufsrecht

Immo-Irrsinn: Zahlt die Stadt 160 Millionen für ehemalige Staatswohnungen? Rathaus-Politiker: „Riesensauerei“

Der Candidplatz - hier könnte die Stadt neue Wohnungen erwerben.
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Der Candidplatz - hier könnte die Stadt neue Wohnungen erwerben.

355 neue Wohnungen für die Stadt - eigentlich wünschenswert. Doch die Flächen rund um den Candidplatz gehörten einst dem Staat - und der jetzige Kaufpreis wäre astronomisch.

München - Die Stadt München könnte rund um den Candidplatz Wohnungen und Flächen für circa 160 Millionen Euro erwerben. Zum Teil wird auf den Grundstücken schon gebaut – am Ende hätte die Stadt durch Bestand, Aufstockung und Neubau 355 Wohnungen im Besitz, von den neuen sind 40 Prozent gefördert. Der Haken dabei: Die Wohnungen gehörten einst der GBW, waren also bereits in staatlicher Hand.

Baulandpreissteigerung: München wird teurer - die Investoren freut‘s

Dass ein Investor ein Grundstück erwirbt, nur um es wenig später zu verkaufen, ist in München* mittlerweile üblich. Denn Grundstücke in der Landeshauptstadt werden mit der Zeit wertvoller, selbst wenn nichts damit passiert. Fachleute sprechen von Baulandpreissteigerung. Beispiele gibt es zuhauf, etwa am Campus Süd. Auch am Candidplatz (Giesing*) hatte 2010 ein Investor die Gebäude der ehemaligen GBW des Freistaates erworben und sie wenig später wieder verkauft. Und nun sollen die Flächen zwischen Candid-, Agilolfinger-, Krumpter- und Hans-Mielich-Straße den Besitzer wechseln und erneut an einen Investor aus Grünwald verkauft werden. Daher kommt die Stadt wieder ins Spiel, denn die Flächen liegen in einem Erhaltungssatzungsgebiet.

Dort genießt die Verwaltung ein Vorkaufsrecht. Sie wird es in diesem Fall aber nicht ausüben. Das schlägt die Verwaltung vor. Die Politik wird wohl folgen. Zum einen wegen der hohen Kosten, zum anderen scheint das Thema insgesamt undurchsichtig, wie aus der nicht-öffentlichen Vorlage hervorgeht. So schreibt die Verwaltung, sollte die Stadt die Flächen kaufen, würde die erste Rate von 80 Millionen Euro bereits binnen zehn Bankarbeitstagen fällig.

SPD-Politiker sauer: „Es ist eine Riesensauerei“

„Es ist eine Riesensauerei“, sagt SPD-Chef Christian Müller. Denn: Beim Verkauf der GBW-Wohnungen seinerzeit sei die Stadt nicht zum Zuge gekommen. Bekanntlich waren über 30 000 Wohnungen im Freistaat an ein vom Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia angeführtes Bieterkonsortium veräußert worden. München hatte damals gemeinsam mit anderen Gemeinden für die Wohnungen auf ihrem jeweiligen Kommunengebiet einen Kaufpreis geboten, der bei knapp 100 Millionen Euro gelegen haben soll. „Und jetzt sollen wir einen Bruchteil solcher Wohnungen für wesentlich mehr Geld kaufen?“, fragt Müller.

Grünen-Chefin Anna Hanusch sagte: „Der Verkauf der GBW-Wohnungen an die Patrizia bleibt ein Skandal. Das hat Markus Söder damals so richtig verbockt, und die Folgen lassen sich auch mit ein paar Bayernheim-Wohnungen in München in keiner Weise wiedergutmachen.“ SASCHA KAROWSKI - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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