Wohnungs-Vermittlung kostete 2500 Euro

Flüchtlingsfamilie wurde in München von Makler dreist abgezockt

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Erschüttert: Ahmad Z. und seine Helferin Marianne Dany kämpfen um die Rückzahlung von 2500 Euro. 

Der Fall löst im Wohnungsamt, beim Maklerverband und bei UNICEF-Helfern Empörung aus: Ein Makler hat die Not eines wohnungssuchenden Flüchtlingspaars ausgenutzt, um ohne Gegenleistung eine Gebühr zu kassieren – widerrechtlich, wie der Mieterverein München betont.

  • Ein Makler hat in München die Not eines wohnungssuchenden Flüchtlingspaars schamlos ausgenutzt.
  • Der vermeintliche Vermittler einer Wohnung kassierte 2500 Euro „Reservierungsgebühr“.
  • Der Fall löst im Wohnungsamt, beim Maklerverband und bei UNICEF-Helfern Empörung aus.

2500 Euro. Ahmad Z. hat nicht so viel Geld. Aber der 29-jährige Flüchtling aus Syrien hat alles in Bewegung gesetzt, um diese hohe Summe aufzutreiben. Freunde angepumpt, einen Ring seiner Frau verkauft. Im November hatte ihm ein Makler für diese „Reservierungsgebühr“ von 2500 Euro versprochen, ihm und seiner Frau, die in Syrien als Frauenärztin arbeitete und hier vor sechs Monaten Zwillingsmädchen das Leben schenkte, eine Wohnung in München zu vermitteln. Damit die junge Familie endlich rauskann aus der Bayernkaserne, in der sie seit zwei Jahren untergebracht ist. Doch jetzt ist das Geld weg – und eine Wohnung nicht in Sicht, obwohl das Wohnungsamt eine Bruttokaltmiete von 1200 Euro übernehmen würde.

Der Makler, dem Ahmad das Geld gab, fuhr einen großen Luxuswagen und sprach neben Deutsch fließend Arabisch. Doch in dem Mietvertrag, den der Makler zur Genehmigung beim Wohnungsamt einreichte, fehlten wichtige Daten wie die Miethöhe, schreibt das Wohnungsamt der Stadt München. Nun will Z. die 2500 Euro „Reservierungsgebühr“ vom Makler zurück. Unterstützung bekommt er vom Sozialreferat der Landeshauptstadt: „Es wird weitere anwaltliche Hilfe für die Zurückforderung der ,Reservierungskosten‘ benötigt“, schreibt die Mitarbeiterin. Der Eindruck dränge sich auf, „dass es sich um einen unseriösen Makler handelt, der die Not und Unkenntnis einer anerkannten syrischen Flüchtlingsfamilie ausnutzt“.

Video: Wie teuer sind Wohnungen in München?

Schreiben des Anwalts an den Makler blieb bis heute unbeantwortet

Immerhin: Ahmad Z. hat viele Unterlagen, darunter Quittungen über die 2500 Euro. Doch ein Schreiben seines Anwalts an den Makler vom November blieb bis heute unbeantwortet. Die Redaktion bat den Makler schriftlich um Stellungnahme. Am Telefon erklärte er, dass er die 2500 Euro verlangt habe, weil ihn andere Flüchtlinge nicht bezahlt hätten. Um eine Abrechnung zu bekommen, müsse Z. seinen Maklervertrag widerrufen. Er solle ihm außerdem eine Kontonummer für die Rücküberweisung nennen. Auf die Frage, ob er weitere Kunden in der Bayernkaserne habe, wovon Ahmad gehört hat, antwortete der Mann, er wisse nicht, wo die Bayernkaserne überhaupt sei.

„Das ist eine Riesen-Frechheit, die Not der Familie so auszunützen“, sagt Marianne Dany. Die Rentnerin ist Mitglied der Münchner UNICEF-Arbeitsgruppe und betreut die syrische Familie seit drei Jahren. „Wir haben auf der Suche nach einer Wohnung eine Odyssee erlebt, die uns den Atem nimmt.“

Eine weitaus längere Odyssee war für Ahmad und seine Frau Nour, wie er 29 Jahre alt, die Flucht aus Syrien. Immerhin ging die gut aus. Kennengelernt haben sie sich 2010 in Syrien beim Medizin-Studium an der Universität in Damaskus. Nour war im zweiten Semester, Ahmad im ersten. Sie verliebten sich und heirateten 2012. Dann kam der Krieg. 2015 floh Ahmad aus Syrien, kam per Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland und schlug sich auf der Balkanroute nach München durch, wo er 2015 ankam. Sein Medizinstudium hatte er im sechsten Semester abbrechen müssen. Seine Frau studierte zu Ende und arbeitete in Damaskus auch als Gynäkologin, bis sie ihrem Mann nach München folgte.

Deutsch können die beiden inzwischen, Ahmad hat Ende November die Prüfung zum Grad B 2 absolviert. Er würde hier gerne weiter studieren – Medizin oder auch Bioinformatik oder Pharmazie. „Und wenn das alles nichts wird, fange ich in einem Hotel an“, sagt er. Tatendrang hat er –und gute Chancen, sich ein Leben in Deutschland aufzubauen. Nur eine Wohnung fehlt noch zum Neuanfang.

Das sagt der Experte

„Wenn ein Makler ein Verhalten wie in diesem Fall an den Tag legt, sollten Mieter unbedingt die Finger von der Sache lassen“, warnt Mietervereins-Geschäftsführer Volker Rastätter. Auch wenn viele Mieter seit Langem verzweifelt suchen: „Wichtig ist immer, dass Mieter kein Geld im Voraus bezahlen, bevor der Mietvertrag wirksam abgeschlossen wird.“ Nach dem im Gesetz festgeschriebenen Bestellerprinzip müssen Mieter den Makler nur bezahlen, wenn sie ihn mit der Suche nach einer passenden Wohnung beauftragt haben. Der Makler darf die Wohnung nicht schon im Bestand haben, er muss die WOhnung exkklusiv für den Mieter finden. Bezahlen müssen Interessenten auch nur, wenn eine Wohnung erfolgreich vermittelt wurde, was hier nicht der Fall war. Die Beurteilung des Mietrechtsexperten für unseren Fall ist klar: „Eine solche Reservierungsgebühr ist unzulässig.“ Ebenso unzulässig ist es, wenn sich Mietinteressenten auf eine per Inserat angebotenen Wohnungsanzeige melden und dann der Makler eine Provision will. Da sich auf dem Markt viele unseriöse Vermittler tummeln, sollten Mieter zudem unbedingt prüfen, ob die Person, mit denen Wohnungssuchende in Kontakt sind, auch wirklich der Vermieter ist beziehungsweise von diesen beauftragt wurde.

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