München: Fridays for Future auf der Straße

Tausende demonstrieren für Klimaschutz

Die Bewegung Fridays for Future fordert rasches Handeln für den Klimaschutz – am Freitag gingen deshalb auch in Bayern viele Menschen auf die Straße. Es war der erste große Klimastreik in diesem Schuljahr. Der Protest in München übertraf die Erwartungen.

In Bayern sind am Freitag Tausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Allein in München kamen nach Angaben der Polizei etwa 12 000 Teilnehmer zu der Protestaktion der Bewegung Fridays for Future. Die Veranstalter sprachen sogar von 29 000. Ursprünglich hatte Fridays für Future nur mit etwa 5000 Teilnehmern in München gerechnet.

„Wir sind sehr viel mehr als wir erwartet haben“, sagte die Sprecherin der Organisatoren, Cosima Schaaf. Man sei positiv überrascht. Die Menschen wollten vor der Bundestagswahl am Sonntag noch einmal auf das Thema aufmerksam machen. Zwar nahmen die jungen Menschen die am Sonntag anstehende Bundestagswahl zum Anlass für ihren Protest – den ersten so groß angelegten in diesem Schuljahr –, sie stellten aber gleichzeitig klar, dass sie auch in Zukunft nicht klein bei geben werden. „Solange uns von der Politik unser Recht auf eine lebenswerte Zukunft vorenthalten wird, gehen wir zu Tausenden auf die Straße und fordern genau das ein“, sagte Eva Metz, ebenfalls Sprecherin von Fridays for Future in München.

Einen kurzfristigen Einfluss auf die Wahlentscheidung dürften die Demonstrationen nach Einschätzungen von Experten eher nicht haben. Allerdings höhle steter Tropfen den Stein. „Es machen sich so viele Menschen wie noch nie vor einer Wahl Gedanken zum Klima“, sagt Arndt Leininger, Politikwissenschaftler an der Technischen Universität in Chemnitz. Gleichzeitig betont er, dass sich das nicht automatisch in Wählerstimmen ummünzen lasse.

Dennoch gelte: Wenn ein Thema als wichtig wahrgenommen werde, profitiere erfahrungsgemäß die Partei, der die größte Kompetenz bei dieser Frage zugesprochen wird. Das seien eindeutig die Grünen, sagt Leininger. Zwar habe die Partei jüngst ein paar Punkte eingebüßt. „Stand jetzt läuft es aber immer noch auf eine Verdopplung des Ergebnisses von 2017 hinaus.“ Die Grünen hatten bei der Wahl vor vier Jahren 8,9 Prozent geholt.

Selbst Bundesumweltministerin Svenja Schulze gesteht Fridays for Future zu, „schon mehr erreicht“ zu haben, als „viele der jungen Aktivistinnen und Aktivisten vermutlich glauben“. Vieles von dem, was ihre Partei SPD in dieser Legislaturperiode geschafft habe, wäre „ohne diesen gesellschaftlichen Rückhalt“ nicht möglich gewesen, sagte die Ministerin der dpa. Der Klimaschutz sei nun zum ersten Mal ein „Top-Wahlkampfthema“.

Auch in etlichen anderen Städten im Freistaat und im Rest der Bundesrepublik fanden am Freitag Demonstrationen statt. In Hambrug waren laut Polizei 21 000 Menschen auf der Straße, in Berlin bewegte sich die Teilnehmerzahl nach Angaben eines Polizeisprechers im mittleren fünfstelligen Bereich. „Fridays for Future“ selbst sprach unter großem Applaus der Teilnehmer von 100 000 Demonstrantinnen und Demonstranten – eine von ihnen war die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die Initiatorin der weltweiten Bewegung.

Menschen nehmen in München an der Protestaktion der Bewegung Fridays for Future teil.

In den übrigen bayerischen Städten wurden die Zahlen aus München oder gar Berlin bei weitem nicht erreicht. In Nürnberg meldete die Polizei 1900 Teilnehmer bei einem Protestzug, in Regensburg waren von mehr als 1000 Frauen und Männern die Rede, und in Würzburg wurde die Zahl mit rund 600 angegeben.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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