„Möglichst autofreie Altstadt“

Neues Tor in die Tiefe: Park-Palast im Zentrum von München öffnet - OB Reiter spricht von „autofreier Altstadt“

Ein Tor in Münchens Untergrund: Die Einfahrt der „Hofbräuhaus Parkgarage“ unter dem Thomas-Wimmer-Ring
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Ein Tor in Münchens Untergrund: Die Einfahrt der „Hofbräuhaus Parkgarage“ unter dem Thomas-Wimmer-Ring.

Mehr als nur ein Parkhaus – ein Mobilitätshotspot, Signal für eine neue Verkehrspolitik und eine autofreie Innenstadt: Die Hofbräuhaus-Parkgarage im Zentrum von München ist eröffnet.

München - Unter dem Altstadtring finden sich auf drei Etagen neben 520 Pkw-Stellplätzen auch Stationen für Leih-Fahrräder, und E-Scooter. Stadtplaner und Betreiber erhoffen sich, dass Besucher mit dem Auto kommen und dann emissionsfrei in die Altstadt ausschwärmen. Auch 18 Ladestationen für E-Autos gibt es. Je nach Bedarf können es auch mehr werden: Ein Ausbau aller 520 Stellplätze in Richtung E-Mobilität sei möglich, heißt es.

München baut Parkhaus für 52 Mio. Euro - Wesentlich mehr als nur ein Platz für Autos

Die Hofbräuhaus-Parkgarage macht das in die Jahre gekommene Parkhaus an der Hildegardstraße überflüssig. Nach einer Übergangszeit von vier Wochen wird es endgültig geschlossen und für den Abbruch vorbereitet.

Etwa 52 Millionen Euro hat das neue Bauwerk gekostet. Wolfgang Roeck, Geschäftsführer der Bauherrin Wöhr + Bauer GmbH, hebt die städtebauliche Bedeutung der Parkgarage hervor: „Ich freue mich, dass wir mit dem Mobilitätshotspot durch die direkte Zufahrt von einer Hauptverkehrsader aus die Autos aus der Altstadt heraushalten“, sagt er. So könnten Besucher der Innenstadt den Einkaufsbummel, die Restaurants und Kulturerlebnisse entspannt genießen. Um die Vielfalt der Innenstadt zu erhalten, brauche es einen leistungsfähigen Altstadtring ebenso wie den neuen Radlring.

Zur Parkgarage gehört auch ein Logistikbereich. Nachbarn, Beschäftigte im Umfeld und auch Garagennutzer sollen ihre Pakete direkt in den Mobilitätshotspot liefern lassen können. So könne der Lieferverkehr im Lehel und der Altstadt reduziert werden, heißt es in einer Mitteilung.

Neues Parkhaus in München - OB Reiter will Idee von autofreier Altstadt vorantreiben

Münchens OB Dieter Reiter* (SPD) begrüßt die neue Tiefgarage. Sie biete die Möglichkeit, „unsere Idee einer möglichst autofreien Altstadt weiter umzusetzen und den Menschen wieder mehr Raum und Aufenthaltsqualität zu geben“. Münchens neuer Mobilitätsreferent Georg Dunkel fügt hinzu, die Garage nehme den Parkdruck von den engen Nebenstraßen in der Altstadt.

Mit dem Raumkonzept verfolgen Wöhr + Bauer laut eigenen Angaben einen innovativen Ansatz: Nutzer hätten dank großzügiger Raumgestaltung und LED-Beleuchtung einen Rundumblick, wodurch ein besonderes Sicherheitsgefühl entstehe. Die Einfahrt und die Stellplätze seien überdurchschnittlich breit. Auch die drei Treppenhäuser seien großzügig geschnitten. An der Oberfläche fügten sich Rampen und Treppenhäuser mit einer Fassade aus bronzefarbenen Lochblechen in die Umgebung ein. Die begrünten Dächer seien gut für Mikroklima und Luftqualität. „Über der neuen Tiefgarage wird der öffentliche Raum neu gestaltet und gestärkt“, lobt Stadtbaurätin Elisabeth Merk.

München: Stadtregierung feiert neues Parkhaus - CSU spricht von Grüner Verblendung

Die Grünen sehen die neue Riesengarage in München* als weiteren Baustein zur Umgestaltung der Altstadtstraßen. „So können wir – abgesehen von Stellplätzen für Mobilitätseingeschränkte – die oberirdischen Stellplätze im Tal und in der Maximilianstraße herausnehmen und die Aufenthaltsqualität verbessern“, teilt Stadtrat Paul Bickelbacher mit. Die CSU reagiert prompt verschnupft. Denn im Grunde werde mit der neuen nur eine alte Tiefgarage ersetzt. „Sie wurde weder als Ersatz für die Parkplätze an der Maximilianstraße noch als Ausgleich für die Plätze im Tal beschlossen“, sagt Fraktionschef Manuel Pretzl.

Für weitere massive Parkplatz-Streichungen in der Altstadt brauche es auch zusätzlichen Ausgleich für Anwohner und Geschäfte. „Die Grünen streuen den Menschen vor Ort Sand in die Augen. Da nützt es auch nichts, wenn man statt von einer Tiefgarage von einem Mobilitätshotspot spricht.“

Parken kann man in der Garage schon jetzt. Doch die integrierte Mobilitätsstation, wo E-Roller, Fahrräder und E-Bikes per App gemietet werden können, sowie die Packstationen – werden erst am 1. April eröffnet. Parken kostet ebenso viel wie in der alten Hildegardgarage: drei Euro pro angefangener Stunde, der maximale Tagessatz sind 30 Euro. Dauerparker zahlen 250 Euro plus Mehrwertsteuer pro Stellplatz und Monat. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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