Unendliche Geschichte mit neuer Wendung

Zweite Röhre kommt: Das ist der unterirdische Hauptbahnhof

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So soll die S-Bahn-Station am Hauptbahnhof aussehen. Chaos soll es dort nicht mehr geben.

München - Am Dienstag gab es eine neue Wendung in ihrer unendlichen Geschichte um die 2. Stammstrecke. Die tz zeichnet die unendliche Geschichte nach.

Seit den 1990er-Jahren wird über sie diskutiert und geplant, und jüngst sah es danach aus, als ob sie nicht mehr zu stoppen sei: die 2. Stammstrecke. Am Dienstag gab es eine neue Wendung in ihrer unendlichen Geschichte: Das bayerische Kabinett bekam Besuch von Bundesverkehrminister Alexander Dobrindt (CSU). Ergebnis: Bund und Freistaat wollen das 3,1-Milliarden-Projekt finanzieren, auch, wenn es noch teurer wird als geplant. Dobrindt fordert nun die Stadt auf, sich ebenfalls stärker als bislang geplant zu beteiligen. OB Dieter Reiter (SPD) will das nicht.

Dobrindt wiederholte am Dienstag bei der Kabinettssitzung sein Versprechen von vergangener Woche in Berlin: „Ich kenne zur Zeit kein Limit, was die Kosten der Stammstrecke betrifft.“ Eine neue, endgültige Kostenschätzung soll im April vorliegen – nach Abschluss eines ersten Ausschreibungsverfahrens. Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) zufolge könne mit den vorbereitenden Baumaßnahmen schon kommendes Jahr begonnen werden. Eine Inbetriebnahme stellte er für Ende 2025 in Aussicht!

Die zweite Stammstrecke soll die alte Röhre entlasten. Die Finanzierung ist weiter ungeklärt.

Doch die Finanzierung wackelt schon wieder. Dobrindt sagte am Dienstag: „Ich erwarte, dass der Oberbürgermeister auch zusagt, sich an möglichen Mehrkosten zu beteiligen.“ Die Landeshauptstadt würde schließlich mit am meisten von dem Projekt profitieren. Reiter antwortete postwendend: „Zur finanziellen Beteiligung seitens der Landeshauptstadt habe ich immer betont, dass wir selbstverständlich zu unserer Zusage stehen, einen nicht unerheblichen freiwilligen Anteil von 113 Millionen Euro zur Stammstrecke beizutragen.“

Der damalige OB Christian Ude (SPD) und Ministerpräsident Horst Seehofer hatten sich 2012 drauf geeinigt, ein gemeinsames Darlehen des Bundes, des Freistaates und der Stadt München aufzulösen und die frei werdenden 492 Millionen Euro für den Bau der zweiten Röhre zu verwenden. Damit würde sich die Stadt mit 113 Millionen Euro beteiligen. Mehr ist für Reiter also nicht drin. Im Rathaus heißt es, die Stadt dürfe sich laut Gesetz gar nicht an einem Projekt finanziell beteiligen, das vom Freistaat betrieben wird.

Hier nochmals die Meilensteine der (un-)endlichen S-Bahn-Geschichte:

Mitte der 90er-Jahre prüft die Stadt eine 2. Stammstrecke, zunächst auf dem Südring. Ende der 90er kommt der 2. Tunnel ins Spiel. 2000 legt man sich darauf fest.

2003 beauftragt der Freistaat die Bahn mit dem Projekt. Geplante Eröffnung: 2010.

2004: Das Planfeststellungsverfahren beginnt.

2009: Der Abschnitt Mitte ist genehmigt.

2011 wird eine Rahmen-vereinbarung geschlossen, erwartete Kosten: 1,77 Milliarden Euro.

2011: Das IOC vergibt Olympia 2018 an Südkorea.

2012: Bund, Land und Stadt einigen sich bei der Finanzierung.

2013 wirft das Nein zu Olympia 2022 beim Bürgerentscheid die Planungen zurück.

April 2014: Es wird bekannt, dass die Bahn mit bis zu 2,57 Milliarden Euro rechnet.

Mitte 2015 werden die Kosten auf 3,12 Milliarden Euro geschätzt.

Johannes Welte, Til Huber

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