30 Jahre Münchener Freiheit: Die tz traf die Gründungs-Mitglieder

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„Wenn’s früher heftiger an der Hotelbar zuging, dann wurde das weggeschminkt“: Aron Strobel und Stefan Zauner in einem Haidhauser Hotel

München - 30 Jahre Münchener Freiheit! Die legendäre Pop-Band feiert ihr Jubiläum. Im Interview mit der tz ziehen zwei Gründungsmitglieder Bilanz.

„Ohne Limit“ heißt das Jubiläums-Album der Münchener Freiheit. Die Single „Seit der Nacht“ ist auf dem Markt, die CD folgt am 1. Oktober.

Wie heißt es so schön in So lang man Träume noch leben kann: „Ein Jahr ist schnell vorüber“. Im Falle der Münchener Freiheit sind es deren 30, und das feiert die Münchner Kultband der 80er-Jahre mit einem neuen Album (siehe rechts). Wir trafen die beiden verbliebenen Gründungs-Mitglieder zum Interview: Stefan Zauner (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Aron Strobel (Gitarre, Gesang).

 

Münchener Freiheit

Weihnachten 1980 stand die Formation, da traf man sich bereits im Studio zu Aufnahmen. Gegründet wurde das damalige Quartett allerdings schon im Oktober des Jahres von Stefan (58) und Aron (52). Der Name der Band unterscheidet sich inzwischen vom berühmten Platz in Schwabing, der ja mittlerweile Münchner Freiheit heißt. Dass die Band ein „e“ aus ihrem Namen kürzen würde, um wieder Gleichheit herzustellen, das kommt allerdings für die Formation nicht in Frage.

 

Münchener Geilheit

Geile Zeit hieß das dritt­letzte Album der Band (2004). Die geilste Zeit, was die Musik anging, waren definitiv die 80er, sagen Stefan und Aron. „Nicht nur wegen der Erfolge, sondern auch, weil unser Sound neu war, unerforscht. Und klar ist es das Nonplus­ultra, wenn man in den Charts ist.“ Den Titel, den beide am liebsten singen, ist nach wie vor der größte Erfolg: Ohne Dich von 1986. „Da spürt man die größte Resonanz im Publikum, das macht einfach eine gute Stimmung.“

 

Münchener Zeitgeist

Apropos Ohne Dich: „Für so einen Hit muss einfach alles stimmen. Der Song muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Dabei müssen nicht nur Komposition, Text und Sound passen – der war ja bei uns sehr wuchtig –, sondern auch das Umfeld.“ Damals wurde Ohne Dich in Hape Kerkelings Sendung Känguru (ARD, 1984 – 1986) erstmals präsentiert, davor schon Oh Baby (1984) im Musikladen (ARD, 1972 – 1984) – Sendungen für Millionen.

 

Münchener Eiszeit

Nach dem Erfolg der Neuen Deutschen Welle litt auch die Münchener Freiheit unter den neu ausgerichteten Radio-Sendern. „Früher liefen wir in Bayern 3 rauf und runter, danach wurde umformatiert – und deutscher Pop nicht mehr gespielt.“ Eine Eiszeit zwischen den beiden kreativen Köpfen Aron und Stefan gab es dennoch nie. „Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen schon, aber nie Grundsätzliches.“ Die Band mag zwar vielen jungen Menschen kein Begriff mehr sein, aber aufgelöst hatte sie sich nie. „Das widerstrebt unserem Naturell.“

 

Münchener Reichsein

Strobel, Zauner und tz-Kulturredakteur Matthias Bieber beim Interview-Termin

Nein, die beiden müssen keine Musik machen, um Geld zu verdienen – beide haben dank Tantiemen bis an ihr Lebensende ausgesorgt. Aron wohnt westlich von München auf dem Lande – „ich habe vor sieben Jahren noch einmal Nachwuchs bekommen und bin selbst auf dem Lande aufgewachsen“ –, Stefan „in gleicher Entfernung im Osten“. Und außerdem, meint Aron und grinst: „Es gibt da ja auch ­Obdachlosenheime. Wenn es ganz schlimm kommt, dann lasse ich mich von einer tz-Leserin retten, die von meinem Schicksal erfahren hat. Das kennt man ja schon …“

 

Münchener Freizeit

Nein, es ist nicht so, dass die Band viel mehr Zeit hätte als früher. „Früher waren die Tourneen, TV-Auftritte und Studio-Arbeiten konzentrierter, jetzt ist alles breiter. Und im Sommer spielen die zahlreichen Festivals mittlerweile eine große Rolle.“ Stress? Früher habe man den nicht so empfunden. Und wenn es wie vor Wetten, dass..? in den 80ern ein bisserl heftiger an der Hotelbar zuging, „dann wurde das in der Regel vor dem Auftritt weggeschminkt“.

Popstars und ihre früheren Berufe

Popstars und ihre früheren Berufe: Trucker, Tankwart, Totengräber

Münchener Schreizeit

Die Fans kreischen immer noch – allerdings ist das Publikum nun deutlich breiter gefächert als früher. „Wir haben alles da von einem neunjährigen Mädel mit ihrer Mutter über 16-jährige Teenies, einen tätowierten Hells-Angels-Typen und reifere Semester.“ Wer eigentlich die neue Single und das neue Album kaufen soll? „Am besten alle. Wir machen ja keine Musik für ein bestimmtes Publikum, sondern das, was wir selbst machen wollen, was aus uns spricht. Und dann hofft man natürlich immer, dass man am richtigen Ort zur richtigen Zeit ist.“

Matthias Bieber

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