Münchens berühmteste Hure

München - Wie entwickelte sich die Prostitution in München? Über bewegte Jahre im käuflichen Sex und die berühmteste Prostituierte der Stadt lesen Sie im zweiten Teil der historischen Lust-Serie.

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Wanderhure: Wie wild war Mittelalter-Sex in München?

Acht Millionen Menschen haben zugeschaut. Die Rache der Wanderhure bei Sat.1: ein Quotenhit! Ein erfolgreicher Film über ein erfolgreiches Gewerbe… Das gilt auch für München. Zur Zeit der mittelalterlichen Wander­huren des Sat.1-Films hatten an der Isar die ersten Bordelle aufgemacht, unsere Stadt zählte 12 600 Einwohner. Zur Zeit Ludwigs II. in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren es bereits 130 300!

Ende des 19. Jhdt. war die Zeit der Dirnen vorbei

München war ein Anziehungspunkt für Geschäftemacher, Arbeiter, Handwerker und Künstler. Ein Hauch von Großstadt wehte durch die Straßen. Und das älteste Gewerbe der Welt hatte sich etabliert. Im Strafgesetzbuch von 1813 kam Prostitution schon gar nicht mehr vor.

Heinz Gebhardt

1820: Sechs amtsbekannte „Höhlen des Lasters“

Während des 10. Oktoberfest-Jubiläums 1820 standen bereits sechs polizeilich bekannte und kontrollierte Freihäuser mit 64 „Nymphen der Nacht“ in den „Höhlen des Lasters“ der Münchner Männerwelt zur Verfügung. Angesichts der weit verbreiteten und so gut wie nicht therapierbaren Syphilis legte die königliche Polizeidirektion allergrößten Wert auf ärztliche Kontrolle der Prostituierten, die von einem Arzt zweimal in der Woche untersucht wurden. Wer sich der Kontrolle entzog, „lüderliche Dirnen, die so mit ihrem Leib Gewerbe treiben und junge Leute verführen“, wurde in Strafarbeitshäuser eingewiesen. Das Neue Münchner Tagblatt nannte am 4. Mai 1877 auch die Namen der unanständigen Damen: „Diese Schandsäulen des weiblichen Geschlechts, welche sämtlich aus dem anrüchigen Viertel Herrenstraße stammen tragen folgende Namen: Barbara Zitteler, Therese Mayerhofer, Karolina Hans, Florentine Weber, Bertha Rückert, Johanna Schmid und Johanna Schnapp.“ Auf dem Höhepunkt der Bordell-Epoche 1889 zählte man in München 26 „Häuser der Unzucht“ mit 132 Prostituierten. Damit endete aber auch schlagartig das geduldete Männervergnügen: Im Reichsstrafgesetzbuch von 1896 wurde die Prostitution zwar nicht verboten, aber der „Kuppelei-Paragraph“ bestrafte die Hausbesitzer, die an Prostituierte Wohnungen vermieteten. Das Ende der Münchner Bordelle war gekommen: 1901 machte das letzte in der Falkenturmstraße dicht.

Bischof wettert gegen die „Häuser der Unsittlichkeit“

Erklärter Gegner der Münchner Prostituierten war die katholische Kirche: 1856 startete das Erzbischöfliche Ordinariat eine große Kampagne, während der die Münchner „besondere Häuser zur unerlaubten Geschlechtsbefriedigung“ und deren Bewohnerinnen der Polizei melden sollten.

Zu den schlimmsten „Häusern der Unsittlichkeit“ gehörten die Falkenturmstraße 1, das Platzl 7 und die Westenriederstraße 34. Mangels gesetzlicher Regelung konnte die Polizei die Meldungen allerdings nur zur Kenntnis nehmen, aber nicht einschreiten.

Schützenstraße, die Straße der Prostitution

Neben den Bordellen hatte sich in München aber auch ein Straßenstrich entwickelt, wie in der Münchner Volkszeitung am 31. März 1873 zu lesen ist: „Die Schützenstraße könnte man abends zwischen 7–8 Uhr mit vollem Recht die Straße der Prostitution nennen. Wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, dass uns bei einmaligem Durchwandern dieser Straße mehr als 20 solch verworfener Geschöpfe begegneten, die ihre Reize um Geld anbieten. Das Gebahren derselben ging über die äußertsten Grenzen der Frechheit.“ Bekannte Treffpunkte waren auch der Radlsteg und der Marsplatz, wo nach Einbruch der Dunkelheit das Rotlichtgeschäft blühte: „Niemand wird es ableugnen, daß im Prostitutionswesen der Gegenwart leider das Angebot die Nachfrage übersteigt, daß das Contingent der Freudenmädchen nahezu zu einer Stadtplage geworden ist“, wie die Münchner Volkszeitung ebenfalls 1873 schrieb.

Münchens berühmteste Prostituierte Franziska von Reventlow

Eine der ungewöhnlichsten Figuren der „gehobenen Prostitution“ lebte um die Jahrhundertwende in der Schwabinger Bohème: die Schriftstellerin Franziska von Reventlow. „Kein Mensch würde mich verstehen, wenn ich ihm alles sagte. Er würde mich als Abschaum der Menschheit empfinden. Und doch gibt es Tausend Frauen, die so leben ...“, schrieb sie in ihr Tagebuch. Wenn die „Braut von Schwabing“ oder die „heidnische Hetäre“, wie die schillerndste Schriftstellerin der frühen Moderne von Freunden bezeichnet wurde, ohne Bargeld war, unternahm sie nächtliche „Fischzüge“ durch einschlägige Münchner Nachtlokale wie der Tip-Top-Bar.

Franziska von Reventlow angelte sich reiche Männer in Bars

Dort angelte sie sich ihre zahlungskräftigen „Begleitdoggen“ und „Salonschurken“, von denen sie sich großzügig entlohnen ließ. Aus ihrem Doppelleben machte die „tolle Gräfin“ kein Geheimnis, sondern erhob öffentlich Anspruch auf freie Entfaltung ihrer Sexualität. In den 60er-Jahren wurde sie als „Inkarnation der sexuellen Revolution“ bezeichnet – und heute noch ist ihr Name untrennbar mit dem verruchten alten Schwabing verbunden: Sie ist die Erfinderin des Begriffs „Wahnmoching“ für das Münchner Künstlerviertel.

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Rubriklistenbild: © Heinz Gebhardt

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