Ihm unterlief ein peinlicher Lapsus

Münchens dümmster Einbrecher

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Serien-Einbrecher Rainer L. wird in den Gerichtssaal geführt. Mit einem Schraubendreher hatte er zunächst versucht, das Fenster der Apotheke aufzuhebeln. Dann warf er einfach die Scheibe ein

München - Dieser Einbruch ging mächtig schief! Am Ende musste Rainer L. (56) sogar von der Polizei aus seiner misslichen Lage befreit werden. Jetzt musste sich Münchens dümmster Ganove vor Gericht verantworten.

Hier kam es zu dem Einbruch

Angesichts seiner 30 Vorstrafen kann man Rainer L. (56) als Einbrecher-Profi bezeichnen. Doch was er sich in der Nacht zum 24. Januar in Pasing leistete, war eine Lachnummer schlechthin: Beim Versuch, in eine Apotheke einzusteigen, blieb er hilflos im Fenster stecken. Die Polizei musste ihn samt Rahmen aus seiner misslichen Lage befreien. Vom Amtsgericht bekam Münchens dümmster Einbrecher am Dienstag die Quittung.

Im Oktober 2010 hatte er nach sechs Jahren und neun Monaten den Knast verlassen dürfen, nachdem er zuvor zehn Apotheken mit brachialer Gewalt ausgeplündert hatte. Tresore waren für ihn kein Problem, die flexte er einfach auf. Meist war der Schaden viel größer als das erbeutete Geld und der Wert der gestohlenen Medikamente.

Apotheker Ulrich Hoffmann hatte einen riesigen Schaden. Er sagt: „Es war zum Glück bisher der einzige Einbruch bei mir“

Bei seiner Bewährungshelferin meldete er sich bald nicht mehr. Seinen Lebensunterhalt finanzierte er offenbar mit Diebstählen. In der Nacht zum 24. Januar fand er wieder ein geeignetes Einbruchs-Objekt: Die Wensauer Apotheke beim Pasinger Bahnhof. Im Hinterhof fand er ein Fenster zum Einbruch. Dort kann kam Krach machen, hier wohnt niemand.

Seine Versuche, den Fensterrahmen mit einem Schraubendreher aufzuhebeln, scheiterten. Da nahm der Ganove einfach einen Stein und warf die Scheibe ein. Er stieg auf eine Mülltonne und kroch durch das Loch. Direkt dahinter befanden sich Schubregale für Medikamente. „Eine massive Stahlkonstruktion“, so Apotheker Ulrich Hoffmann zur tz. „Die Schubladen lassen sich nicht nach vorne rausschieben.“

Eine Falle! Der Ganove versuchte verzweifelt nach vorne zu kommen, doch die Schubladen gaben nicht nach. Rückwärts kam er auch nicht mehr. In seiner Verzweiflung entwickelte der 1,68 große und nur 60 Kilogramm schwere Mann Bärenkräfte. Hoffmann: „Die Metallteile waren ordentlich verformt.“

Ein Wachmann entdeckte gegen 1.50 Uhr den verzweifelt mit den Füßen zappelnden Einbrecher und alarmierte die Polizei. „Um ihn zu befreien, mussten wir die komplette Scheibe entfernen, damit er nicht verletzt wurde“, erzählte am Dienstag der Polizeibeamte Thomas P. im Zeugenstand.

„Es war eine Schnapsidee“, behauptete am Dienstag der Angeklagte, der sich seit der Tat wieder in Haft befindet. Eigentlich habe er gar nicht einbrechen wollen. Warum hatte er dann einen Trennschleifer, Stemmeisen, Schraubendreher, Handschuhe und eine Taschenlampe bei sich? Das Werkzeug habe er immer dabei, um für Freunde Reparaturen zu machen. Für einen Spezl habe er einen Spiegel zerschneiden sollen...

„Das ist doch eine Geschichte, die sie hier erzählen“, wandte Richterin Christiane Thiemann ein. „Ein Trennschleifer eignet sich wunderbar, um einen Tresor zu öffnen.“ Der Angeklagte blieb dabei: „Das Werkzeug war nicht für einen Bruch.“

Angesichts der ungeheuren Vorstrafen-Liste forderte die Staatsanwältin drei Jahre und zehn Monate Knast. Verteidiger Hermann Borchert plädierte für deutlich weniger.

Das Urteil: Drei Jahre und drei Monate Gefängnis! Rechtsanwalt Borchert zur tz: „Wir legen Berufung ein.“

Eberhard Unfried

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