Vor 70 Jahren: Münchens dunkelstes Kapitel

In Milbertshofen erinnert ein Mahnmal an damals.

München - Dachau ist für viele Münchner das Synonym für die Schreckensherrschaft und den Terror der Nazis. Fast vergessen ist dagegen, dass für die jüdischen Mitbürger Milbertshofen der Vorhof zur Hölle war.

Vom Ghetto in der Knorrstraße wurden 3.400 in den Tod geschickt.

Die erste Deportation jährt sich nun am 20. November zum 70. Mal. Damals wurden annähernd 1000 Kinder, Frauen und Männer vom Güterbahnhof in der Riesenfeldstraße nach Kaunas (Litauen) deportiert. Dort wurden sie direkt nach der Ankunft von SS-Einheiten ermordet. Der Jahrestag ist jetzt Anlass für eine ganz besondere Erinnerungsreise: Am Sonntag wird Ernst Grube (78), einer der wenigen Münchner, die den NS-Terror überlebten, sich auf den Weg zu den Stätten der Deportation machen. Begleitet von dem Künstler Paul Huf (44) führt diese Forschungsreise wider das Vergessen mit dem Zug über Theresienstadt, Auschwitz, Piaski bis nach Kaunas.

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Was diese Reise in ihm auslöst, was sie für ihn bedeutet, kann Ernst Grube jetzt noch nicht sagen. Ihm ist es einfach wichtig, sein Schicksal als Zeitzeuge öffentlich zu machen. Gemeinsam mit Paul Huf ist er dabei auch auf der Suche, neue Wege des Gedenkens zu finden. Fest steht aber, dass er eine schweren Gang vor sich hat. Grube wurde am 13. Dezember 1932 in München geboren. Mutter Clementine war Krankenschwester, Vater Franz Malermeister. Doch für die Nazis zählte nur: Seine Mutter war Jüdin. Als den Eltern im Oktober 1938 auf Druck der Machthaber die Wohnung gekündigt wird, müssen die den kleinen Ernst und seine Geschwister Werner und Ruth im jüdischen Kinderheim in Schwabing abgeben. Dort dürfen sie bis April 1942 bleiben, ehe sie ins Ghetto nach Milbertshofen kommen. Von dort werden sie mit der Mutter im Februar ’45 nach Theresienstadt deportiert.

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Dass die Familie dort überlebt, ist ein unfassbares Glück! Und nur dem Umstand zu verdanken, dass die Todesmaschinerie der Nazis zu diesem Zeitpunkt schon ins Stocken geraten ist. Ernst Grubes Rückkehr nach Theresienstadt und sein Reisetagebuch werden übrigens nach München übertragen – als Projektion auf die Fassade des Kulturhauses in Milbertshofen. Mehr Infos dazu gibt es im Internet: www. forschungsreise-wider-das-vergessen.de.

Gedenkveranstaltungen:

Die Stadt München erinnert bis 20. November mit einer Vielzahl von Veranstaltungen an die Deportation der Münchner Juden vom Güterbahnhof Milbertshofen (Foto) vor 70 Jahren. Eine kleine Auswahl: 6. Nov., 18 Uhr, Kulturhaus Milbertshofen: Im Ghetto: Jüdische Kindheit in München. Filmdokumentation von Renate Eichmeier.

8. Nov., 19 Uhr, Jüdisches Museum München: „Memory Loops“, 300 Tonspuren zu Orten des NS-Terrors in München 1933-45. Die Künstlerin Michaela Melián stellt ihr preisgekröntes Audio-Kunstwerk vor.

9. November, 14.30 Uhr, Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge, Herzog-Max-Str.: Namenslesung anlässlich des 73. Jahrstages der sog. Reichskristallnacht.

18. Nov, 20 Uhr, VHS Nord, Troppauerstr. 10: Die Deportation der jüdischen Münchner. Vortrag des Historikers Maximilian Strnad vom NS-Dokuzentrum. Mehr Infos: www.muenchen-gedenkt.de

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