Münchens Eismann

Cool oder irre? ER badet sogar jetzt in der Isar

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Norbert Mayer (58) liebt das Bad im Isar-Eiswasser – mit Mütze und Badehose.

München - Minusgrade? Eiskaltes Wasser? Schneefall? Alles kein Problem für Norbert Mayer. Seit sechs Jahren springt der 58-Jährige im Winter in die Isar und dreht seine Runden.

Gut 200 Meter südlich des Schinderstadls am Flauchersteg zieht sich ein Mann bis auf die Badehose aus. Die knackigen Minusgrade stören ihn nicht. Zielstrebig marschiert er in die Isar, die etwa ein halbes Grad hat. Norbert Mayer (58) schwimmt fünf Minuten und strahlt hinterher unverfroren. Die Kälte kann dem 58-Jährigen nichts anhaben – er ist Münchens Eismann!

„Den Schnupfen holt man sich in der U-Bahn“

Seit sechs Jahren badet Norbert Mayer im Isar-Eiswasser. „Ich bin eine Wasserratte“, sagt der Computerfachmann der tz. „Als im Herbst 2011 niemand mehr in der Isar geschwommen ist, bin ich einfach weiter reingegangen.“ Und nicht gleich krank geworden? „A wo! Den Schnupfen holt man sich in der U-Bahn. Aber nicht, wenn man im Eiswasser schwimmt. Das stärkt die Abwehrkräfte, ich habe seitdem keine Erkältung mehr“, sagt Mayer.

Dreimal die Woche stürzt sich der Truderinger – wie hier vor St. Maximilian – in die Fluten.

Seine Frau und seine beiden Töchter schütteln die Köpfe, wenn’s den Papa dreimal die Woche nachmittags an die Isar zieht. Nach der Arbeit nahe der McGraw-Kaserne radelt er die zehn Kilometer zum Flachersteg. „Damit ist mein Körper aufgewärmt.“ Dort breitet der gebürtige Münchner eine Plastikfolie auf dem Kies aus, seine Hose kommt immer nach oben rechts, der Pulli links. „Beim An- und Ausziehen muss es schnell gehen, sonst kühlt man aus…“ Eines ist aber wichtig: den Kopf immer über Wasser halten – „sonst verliert man zuviel Körperwärme“. Hinterher glüht Mayer vor Stolz: „Man hat einfach gute Laune. Und wenn mehr Leute im Eiswasser baden würden, wären die Arztpraxen leerer.“
Im Wasser könne er wunderbar abschalten, sagt der Truderinger. „Das ist wie Urlaub.“ Apropos Urlaub: Geht so ein cooler Kerl eigentlich noch in die warme Adria? Da lacht der Eismann: „Letzten Sommer war ich am Reschenpass in einem Gletschersee – ein Traum!“

Kältebad: Das rät der Mediziner

Eisbaden sollte man nur, wenn man fit ist – und dann nicht länger als fünf Minuten. „Der Körper versucht, im eiskalten Wasser die Wärme zu behalten und die wichtigsten Organe bei Laune zu halten“, sagt der Münchner Sportarzt und Internist Dr. Karlheinz Zeilberger. Dann könne etwa der Blutdruck auf den Schlag deutlich hochschnellen. Sein Tipp: Jeder, der Eisbaden oder -schwimmen ausprobieren möchte, sollte sich sich vorher unbedingt von einem Sportarzt durchchecken lassen. Wer seinen Kreislauf im Winter in Schwung bringen möchte, sollte zunächst auf weniger extreme Maßnahmen setzen, etwa Kalt-Warm-Wechselbäder, Saunieren oder Kneippen.

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