Neue Serie mit alten Bildern - Teil 1

Zeitreise durch München: So sahen Maximilianstraße und Co. früher aus

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Maximilianstraße damals und heute: Vor 160 Jahren gab es Hohn und Spott für die einzigartigen Häuser.

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

München - Wer blättert nicht gerne durch ­alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen - herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer neuen großen Serie München: damals und heute.

Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100.000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831.000 Bürger. Heute sind es fast 1,45 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und seien Sie sich sicher - es wird nicht lange dauern, bis sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausgschaut hat!“

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Maximilianstraße: Die tödliche Verkehrsader

So stinkvornehm sich die Maximilianstraße heute gibt, mit so viel Hohn und Spott sind vor 160 Jahren ihre einzigartigen Häuser hochgezogen worden. Einzigartig deswegen, weil danach kein einziges Haus mehr in diesem Stil gebaut wurde. Inzwischen hat man sich so an das Unikum gewöhnt, dass man die Straße sogar schön findet… 

Rückblick: König Max II. wollte sich nach dem Vorbild seines Vaters Ludwig I. mit einer ähnlichen Prachtstraße wie der Ludwigstraße ein Denkmal setzen. Die Strecke von seinem 1851 geplanten „Erziehungsinstitut“ (später: Maximilianeum) bis hin zur Residenz bot sich hierfür an.

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Architekt Friedrich Bürklein legte 1851 erste Pläne der „Neuen Straße“ vor, und zwei Jahre später baute er munter drauflos: Der Maßstab für die Höhe der Häuser war übrigens der königliche Feldsalat im Hofküchengarten dahinter, denn auch bei niedrigstem Sonnenstand im Winter durfte er nicht im Schatten der neuen Häuser stehen. Die Fassaden durften nur Terrakotta-Töne aufweisen, bei allem anderen war der Fantasie aber keine Grenze gesetzt. Die Reaktion der Bevölkerung: eine Katastrophe! „Verlogene Straße“ oder „Hosentürl-Gotik“ war zu lesen. Dafür schrieb diese Meile Verkehrsgeschichte: Immer wieder wurden Menschen überfahren/überritten. Zu viel Verkehr! 1865 wurden die ersten Gehsteige angelegt.

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Ludwigstraße: Ein Idyll, in dem Paläste stehen

München wurde zwei Mal gegründet: „Das erste Mal durch Herzog Heinrich den Löwen und dann noch einmal durch König Ludwig I.“ Wie wahr dieser alte Spruch ist, sieht man an diesem Bild von Wilhelm von Kobell, das er vor genau 200 Jahren 1818 gezeichnet hat: München war am heutigen Odeonsplatz zu Ende, hinterm „Schwabinger Tor“ (wo heute die Feldherrnhalle steht) sagten sich Fuchs und Hase Gute Nacht. Zwei mal im Jahr ernteten die Bauern ihr Heu…

Ludwig legte dann gleich nach seiner Thronbesteigung 1825 los: Die alten Stadtmauern und das Schwabinger Tor wurden niedergerissen, Privatgrundstücke aufgekauft, die Ackerlandschaft nach Schwabing wurde eingeebnet. All die Prachtbauten wuchsen aus dem Boden, die wir auf dem Bild unten heute für selbstverständlich halten.

Natürlich gab’s damals auch Nörgler und Grantler, genauso wie heute: Die Ludwigskirche, die nach dem König benannt ist, bezahlte der recht sparsame Ludwig natürlich nicht selber, sondern brummte die Baukosten der Stadt München auf – wie so viele andere Kosten auch, weshalb sein Verhältnis zur Stadtspitze immer schlecht war.

Hauptbahnhof: Lola Montez als Bahnhofs-Architektin

So hat Münchens Hauptbahnhof ausgesehen, bevor er nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1960 vom Architekten Franz Hart mit seiner heutigen Glasfassade wieder aufgebaut wurde.

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Der erste Bahnhof, von dem aus ab 1839 die Dampflok nach Lochhausen rollte, stand aber nicht an der Stelle des heutigen Hauptbahnhofs, sondern an der Stelle des heutigen Circus-Krone-Baus. Nachdem 1840 die ersten Züge bis Augsburg dampften und Bahnfahren immer populärer wurde, beauftragte Ludwig I. den Architekten Friedrich von Gärtner mit dem Bau eines neuen, besser gelegenen Bahnhofs an der heutigen Stelle. Dass an der Bahnhofsarchitektur auch das G’spusi des Königs, Lola Montez, beteiligt war, ist erst in unserer Zeit bekannt geworden: König Ludwig I. wollte sich an der Bahnhofsbaustelle über den Stand der Arbeiten informieren und kam natürlich in Begleitung seiner feschen Lola. Und die sagte gradeaus, was ihr gefiel und was nicht.

Der König befahl, dass der Bauplan danach zu modifizieren sei. Ob Lolas Korrekturen im Münchner Hauptbahnhof auch ordnungsgemäß ausgeführt wurden, ist leider nicht bekannt.

Hauptbahnhof damals und heute: Der erste Bahnhof stand dort, wo heute der Circus Krone zu Hause ist.

Hasenbergl: Leben mitten im Monte Karnickel

Jeder in München weiß, was damit gemeint ist - mit dem „Monte Karnickel“ oder „Bunny Hill“. So werden die Bewohner und ihre Häuser am Hasenbergl genannt. Der Name des Viertels stammt von den bayerischen Kurfürsten, für die der kleine Lehmhügel südlich von Schloss Schleißheim ein beliebtes Revier für die Hasenjagd war. Die Hasen sind zwar mittlerweile verschwunden, der Name aber ist geblieben. Nach Kriegsende wurde dort ein großer Lagerkomplex als Notunterkunft und Flüchtlingslager genutzt, in dem bis zu 4000 Menschen untergebracht wurden.

Die Bebauung des Hasenbergls mit Wohnblöcken begann dann in den 60er-Jahren als eine klassische Wohnsiedlung. München war 1957 Millionenstadt geworden und brauchte Platz für seine Einwohner. 1959 beschloss der Stadtrat dann, das Hasenbergl ausschließlich für den sozialen Wohnungsbau zu nutzen. Wie das aussah, zeigt die Postkarte aus der damaligen Zeit.

Hasenbergl damals und heute: Bayerische Kurfürsten verliehen dem Viertel seinen Namen.

Rotkreuzplatz: Wie der Münzturm in die Stadt kam

Was wäre das alte Turmhaus am Rotkreuzplatz heute für eine architektonische Attraktion! Was für ein originelles Gegenstück zu dem stinklangweiligen Rotkreuz-Hochhaus gegenüber! Aber die Bomben des Zweiten Weltkriegs haben es in Schutt und Asche gelegt. So bleibt heute nur noch die Erinnerung in alten Bildern. Wie sagte schon Karl Valentin: „A oids Buidl von München is mehra wert ois a Brillant.“

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Die 1826 in Nymphenburg gegründete Winthir-Apotheke wurde 1878 an ihre heutige Stelle an der Winthirstraße/Ecke Nymphenburger Straße verlegt (Winthir war ein englischer Wanderprediger, der im 8. Jahrhundert zwischen Isar und Würm die Leute zur Frömmigkeit bekehren wollte). Nachdem 1882 Heinrich Buchner die Winthir-Apotheke übernommen hatte, ließ er 1896/1897 ein großes und architektonisch eigenwilliges Apothekengebäude mit gewaltigem Rundturm vom Architekten Leonhard Romeis (1854 - 1904) errichten.

Das Vorbild zu dem Turmgebäude war übrigens eine Touristenattraktion in Österrreich: der alte Münzturm von Hall in Tirol, der sogar auf einer österreichischen Briefmarke abgebildet war.

Rotkreuzplatz damals: Ein Apothekengebäude mit gewaltigem Rundturm bestimmte die Szenerie.

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