Platz-Probleme: Grüne wollen gegensteuern 

Münchens Mamas in der Kita-Klemme

Nadine Widmann mit Emil: Kein Platz in städtischen Kitas. 

Münchens Kitas sind unterbesetzt - manche Eltern erhalten keinen Platz, weil es an Erziehern und Pflegern fehlt. Die Grünen wollen mit einem Antragspaket unter anderem die Ausbildung besser fördern - durch den Ausbau an Schul-Plätzen und durch bessere Bezahlung der Nachwuchskräfte. 

Ina Roth (32) und Nadine Widmann (36) sitzen beide in der Kita-Klemme. Beide Mamas haben zwei Kinder, für deren Betreuung sie beide um die 1600 Euro im Monat ausgeben. „Alles, was ich verdiene, gebe ich für die Betreuung der Kinder aus“, sagt Widmann. Beide Mütter hatten sich für Kindertagesstätten der Stadt beworben. Im Fall von Nadine Widmann hätte es sogar drei freie Gruppen gegeben, allerdings können diese nicht bespielt werden, da es an Personal fehlt. „Wir sind jetzt in einer privaten Kita“, sagt Widmann. „Und das nicht, weil wir Yoga für unsere Kinder wollen.“ Auch Roth hat von der Stadt nur Absagen erhalten, dann aber einen Platz in der Mittagsbetreuung bekommen. Das reicht aber nicht, sagt Roth, die Vollzeit arbeitet. Sie behilft sich nun mit einer Studentin, die auf Basis eines Mini-Jobs arbeitet. 

„Für eine Stadt wie München ist das untragbar“, sagt Grünen-Chefin Katrin Habenschaden. „In einer Stadt, in der beide Eltern arbeiten müssen, ist das Problem existenziell.“ Die Fraktion hat gestern ein Antragspaket auf den Weg gebracht, um Mamas in der Kita-Klemme zu helfen. Zunächst soll die Ausbildungskapazitäten für Erzieher deutlich erhöht und dem Bedarf angepasst werden. Jährlich würden nämlich Interessierte abgelehnt, weil die Schulen gar nicht so viele Menschen ausbilden könnten. Ferner sollen speziell Menschen mit Behinderung vermehrt für dieses Berufsbild angesprochen werden.

„In München fehlen nur bei der Stadt 150 Kinderpfleger und 300 Erzieher“, sagt Grünen-Stadtrat Sebastian Weisenburger. Auch daher sollen zusätzliche Anreize geschaffen werden. Grüner Wunsch ist, die Azubis während der ganzen Ausbildung zu bezahlen, derzeit gibt es zwei Jahre, die nicht bezahlt werden. Im Umkehrschluss sollen sich die Nachwuchskräfte verpflichten, nach der Ausbildung mindestens zwei Jahre im Dienst der Stadt zu arbeiten. 

Auch das Thema Wohnen findet Niederschlag im Grünen Antragspaket. Die Stadt soll allen Azubis, die nach der Ausbildung in den Erziehungsdienst der Landeshauptstadt wechseln, eine Wohnraumgarantie anbieten. Falls nötig sollen dafür die Vergabekriterien für städtische Dienstwohnungen entsprechend angepasst werden. Ein weiterer Antrag sieht vor, die 2021 auslaufende Arbeitsmarktzulage für Erzieher mindestens weiter zu zahlen, wenn nicht sogar zu erhöhen. Zudem sollen auch Kinderpfleger mehr Geld über die Zulage erhalten. 

Überdies wünschen sich die Grünen, dass Mittel aus dem vom Bund aufgelegten „Gute-Kita-Gesetz“ vor allem in mehr Personal fließen soll, dabei vor allem auch in Verwaltungskräfte, die das pädagogische Personal entlasten sollen. Beantragt ist darüber hinaus, das Vergabeverfahren von Kitaplätzen schneller, transparenter und familienfreundlicher zu gestalten. Tatsächlich scheint dies für Eltern ein Ärgernis, wie Ina Roth erzählt. Die Absagen seien sehr spät gekommen, das Feedback sei unzureichend. Und: „Wir bekommen zwar gesagt, dass wir auf einer Warteliste sind, aber nicht auf welchem Platz.“ 

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