Das ist Münchens neue Super-Tram

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Münchens neue Super-Tram ist eine mit 750 Volt Wechselstrom betriebene Variobahn des Schweizer Herstellers Stadler, die im Werk Berlin-Pankow produziert wurde.

München - Weltrekord! Sie fährt mit einer Batterieladung 16 Kilometer weit. Das ist Münchens neue Super-Tram:

Ein unscheinbares Gleis bei Hennigsdorf im Norden von Berlin – hier, zwischen Regionalbahntrasse, Bundesstraße und Kiefernwald, findet ein Weltrekodversuch statt, der die Zukunft des Nahverkehrs in München verändern soll. Es ist das Testgelände des Schweizer Zugherstellers Stadler, der in Berlin-Pankow Trambahnen herstellt. Unter der Oberleitung steht eine blaue von Stadler hergestellte Variobahn der MVG, wie sie in München bereits im Einsatz war. Der klitzekleine ­Unterschied zu den anderen Zügen: Auf dem Dach befindet sich eine unscheinbarer schwarzer Kasten, der kaum herausragt.

„Das ist ein Hochleistungs-Akku, der es unserer Variobahn ermöglichen soll, einen Kilometer durch den Englischen Garten mit Halt am Chiensischen Turm und mindestens einer Notbremsung zu absolvieren“, so MVG-Chef Herbert König, der mit Münchner Journalisten eigens zu der Rekordfahrt angereist ist. Am Freitag soll die Bahn zeigen, wie weit sie mit einer Akku-Ladung fahren kann, ohne sich Strom von der 750-Volt-Oberleitung zu holen. Die Testfahrt ist als Weltrekordversuch angemeldet, der im Guiness-Buch der Rekorder gelistet werden soll. Bislang überbrücken Akku-Straßenbahnen nur kleine Lücken – etwa 350 Meter an einem historischen Platz in Nizza.

Neben den beiden Tramfahrern dürfen nur die Oranienburger Notarin Gabriela Franke und der Berliner Diplom-Ingenieur Heribert Lehna als Gutachter einsteigen, im Zug und auf der Strecke dokumentieren Kameras die Fahrt. Auch der Berliner Stadler-Chef Michael Daum kann den Rekordversuch kaum erwarten. Mit lauten Pressluft-Hupen schicken Daum und König die Tram auf den Weg: Mit 15 bis 20 Stundenkilometern zieht sie gemächlich vorwärts und rückwärts ihre Bahn, nur fünf Sekunden lang darf sie beim Wenden stehenbleiben. Mit Argusaugen verfolgen Daum und König die Rekordfahrt. Es dauert 52 Minuten, bis der Tram der Saft ausgeht – 16 Kilometer hat sie geschafft, das ist Weltrekord, der erstmals offiziell dokumentiert wird.

Damit hat die Akku-Tram den Beweis erbracht: „Die Strecke durch den Englischen Garten ist ohne Weiteres zu machen“, so König. Jetzt will er die Tram wieder nach München holen und im Realbetrieb testen, ehe er ein neues Genehmigungsverfahren für den Bau einer Linie durch den Englischen Garten anstrengt.

Zuerst muss er aber die Betriebserlaubnis für die Variobahn bei der Regierung von Oberbayern einholen, die lässt schon seit März 2009 auf sich warten. Die Behörde wartet noch auf Gutachten etwa über die Tragfähigkeit der 50 Brücken oder die Unbedenklichkeit für Herzschrittmacher. Ferner ist die Zustimmung des Freistaates nötig, dem der Englische Garten gehört. Finanzminister Georg Fahrenschon kündigt schon Widerstand an (siehe unten).

Die Technik:

Münchens neue Super-Tram ist eine mit 750 Volt Wechselstrom betriebene Variobahn des Schweizer Herstellers Stadler, die im Werk Berlin-Pankow produziert wurde. Der Zug, der normalerweise den Strom von der Oberleitung holt, wurde mit einem 380 Kilo schweren Lithium-Ionen-Akku nachgerüstet, der fast vollständig im Dachaufbau verschwindet. Mit der Steuerungstechnik wiegt der wartungsfreie Akku 830 Kilo. Der Strom, der bei der Querung des Englischen Gartens verbraucht würde – etwa 15 Prozent der Ladekapazität von 23 Kilowattstunden – ist in fünf Minuten wieder von der Oberleitung aufgeladen.

J. Welte

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