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Das ist Münchens neue Tram

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München - Eine Fahrt ins Grüne – mitten in der Stadt: Das verspricht die Tramlinie 23, die in einer Woche in Betrieb geht. Die Fahrt bietet reizvolle Perspektiven-Wechsel.

3,1 Kilometer Strecke, acht Minuten Fahrtzeit: das klingt nicht spektakulär. Doch in fast dreijähriger Bauzeit ist zwischen Münchner Freiheit und Frankfurter Ring nicht nur die erste Tram-Neubaustrecke der Stadt seit mehr als zehn Jahren entstanden. Die Gleisführung auf einer alten Bahn-Trasse fernab vom Straßenverkehr gibt der Linie 23 mit großzügigen, reich begrünten Haltestellen einen ganz eigenen Reiz.

 Die Fahrt in den Norden beginnt am futuristischen Busbahnhof Münchner Freiheit. Früher war hier Endstation. Jetzt geht’s im Zehn-Minuten-Takt erst richtig los. Potsdamer Straße und Parzivalplatz heißen die ersten Haltestellen, vom Verkehr umtost mitten auf der Leopoldstraße. Doch am Hotel Holiday Inn lässt die Tram den Verkehr hinter sich. Auf einem Rasengleis, gesäumt von Büschen und Bäumen, führt die Trasse über den Nymphenburg-Biedersteiner Kanal. Rechts taucht ein lauschiges Amphitheater im Fenster auf, kurz bevor der Kanal in den Schwabinger See mündet.

Dann der Kontrast: Auch „Am Münchner Tor“, der nächsten Haltestelle, gibt es Wasser, diesmal aber eingefasst von moderner Architektur in Glas und Beton. Eine breite Treppe führt hinab zu dem Forum am Fuß des Münchner Rück-Hochhauses. Auf der kleinen Wasserfläche schwimmen zwei Schwäne.

In einer leichten Linkskurve schwingt sich der Schienenstrang zum Höhepunkt der Strecke empor: der eleganten Tragseilbrücke über die Schenkendorfstraße. Von hier an begleitet ein breiter Fuß- und Radweg die Trasse. Wer ihn nutzt, hat mehr Zeit, die Aussicht zu genießen. Rechts ragen die Türme des „Münchner Tors“ und der noch nicht ganz fertige Skyline-Tower empor, links spitzt der Olympiaturm über die Dächer. Drunten verschwindet neben der gläsernen Einhausung der Mittlere Ring im Petueltunnel.

Nach Norden zu wird es wieder grün. Am Halt Anni-Albers-Straße fällt der Blick auf die Kleingartenanlage NO 26; an der Domagkstraße hoppelt ein Kaninchen über die Gleise, verschwindet in einem Schrebergarten. Es wird sich an Menschen gewöhnen müssen. Nahe der Haltestelle locken ein Bolzplatz und eine große Skateboard-Halfpipe Jugendliche. Die letzten Häuser einer Wohnanlage nehmen Gestalt an – 25 000 Menschen wohnen und arbeiten längs der neuen Strecke.

Zum Beispiel der Techniker Salvatore Pappalardo, 60. Nur hundert Meter seien es von seiner Wohnung zur Tram-Haltestelle Anni-Albers-Straße, erzählt er strahlend. „Das geht schneller als bisher mit dem Bus.“ Dass die Linie 23 ab 20 Uhr nur noch im 20-Minuten-Takt fahren soll, trübt seine Freude. Aber er bleibt optimistisch: „Vielleicht ändert sich das noch.“

Manuela R. ist ohnehin nicht so spät unterwegs. Jeden Nachmittag holt sie ihre Tochter Stephanie von der Kindertagesstätte „Nikodemäuse“ ab, fährt zur Münchner Freiheit und mit der U-Bahn weiter in den Münchner Süden. „Die Tram spart mir Zeit“, sagt sie. Morgens geht es einfacher: Da nimmt Papa Stephanie auf dem Weg zur Arbeit mit.

Von der Domagkstraße aus ist die Wendeschleife an der Endhaltestelle Schwabing Nord schon zu sehen. Eine großzügige Freifläche ist hier entstanden, frisch gepflanzte Bäume – zwei Dutzend von insgesamt 100, die die Strecke säumen – werden im Frühjahr Blätter treiben.

Auch dort, wo die Tram kein Grün gebracht hat, weckt sie Hoffnungen. Etwa in der Bäckerei Stadler an der Leopoldstraße. Während der Bauzeit, als Parkplätze wegfielen, seien Kunden weggeblieben, erzählt eine Verkäuferin. Doch jetzt blickt sie aus dem Schaufenster direkt auf die neue Haltestelle Parzivalplatz und strahlt: „Ich denke schon, dass uns das neue Kunden bringt.“ Am nächsten Samstag wird es sich zeigen.

Peter T. Schmidt

Freie Fahrt

Freie Fahrt für alle auf der Linie 23 am Samstag, 12. Dezember. Beginn des fahrplanmäßigen Regelbetriebs ab Sonntag, 13. Dezember.

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