Münchens Mae West - alles nur geklaut?

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Am Freitag wird Mae West zusammengesetzt.

München - Am Wochenende soll der "Oberkörper" des modernen Bauwerks am Effnerplatz aufgesetzt werden. Bei dem Konstrukt könnte es sich um ein Plagiat handeln.

Mae West – bis 2004 kannten diesen Namen allenfalls noch die Fans der verruchten amerikanischen Schauspielerin, die einerseits für ihr loses Mundwerk berühmt war, andererseits für ihre ansehnlichen Kurven. Dann entschied sich nach heftiger Diskussion die Mehrheit des Stadtrats für eine riesige Skulptur als Kunst am (Tunnel-)Bau für den Effnerplatz, die der Diva nachempfunden sein soll und deshalb nach ihr benannt ist –

„Mae West“ ist umstritten wie ihre Namensgeberin. Seit einigen Monaten wird die 52 Meter hohe Figur aus Karbonstangen zusammengesetzt; in der Nacht zum Sonntag, etwa ab 1.30 Uhr, soll der „Oberkörper“ mit Hilfe eines Großkrans aufgesetzt werden. Eine diffizile Aufgabe im Großformat. Allerdings ist noch nicht sicher, ob sich der Einhub nicht witterungsbedingt noch verschiebt.

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Auch die US-Künstlerin Rita McBride, die Mae West entworfen hat, wird dabei sein. Münchens höchstes Kunstwerk wird dann stehen, weithin sichtbar. Weltweit einzigartig, sagen diejenigen, die die Auferstehung von Mae West in Stangenform gar nicht erwarten können. OB Christian Ude gehört nicht dazu, er verspottete den Entwurf seinerzeit als Blumenständer, auch die Bezeichnung Eierbecher fiel während der Stadtratsdebatte. Das Projekt kostet gut 1,5 Millionen Euro.

Der Stahlfachwerkturm am Hafen der japanischen Stadt Kobe wurde bereits 1963 eröffnet. Bei seiner Errichtung wurde zum ersten Mal das hyperbolische Paraboloid als Tragwerk benutzt: Es besteht aus schräggestellten, sich kreuzenden, auf einem Kreis stehenden geraden Stäben. Die dünnen Stahlrohre sind mit horizontalen Ringen gegen Knicken gesichert. Der Turm ist circa 108 Meter hoch, auf der Marke 90 Meter befindet sich eine Aussichtsplattform.

tz-Leser Prof. Bernhard Schilling findet die McBride Konstruktion weder schön noch einzigartig. Er identifiziert Mae West als Plagiat. Die Form eines „Rotations-Hyperboloiden“ sei „Tragwerksingenieuren“ seit Jahrzehnten bekannt. Ein in Fachkreisen bekanntes Gebäude dieser Art sei der Harbour Tower in Kobe/Japan. „Gegen seine Eleganz der Proportionen und Dimensionen ist Mae West doch ein ziemlicher Trampel“, kanzelt der Freimanner das Projekt in Bogenhausen ab. Er verweist auch auf den Center Point Tower in Sydney. „Ist denn keinem in den entscheidenden Gremien aufgefallen, dass es solche Formen längst gibt, viel ästhetischer, die auch eine Funktion haben?“, wundert sich der 72-Jährige. Über Kunst lässt sich (nicht) streiten, und so werden Autofahrer auf dem Ring demnächst im Tunnel unter der Statue durchfahren und Tramgäste direkt durchs Gestänge.

BW.

Das wird Mae West

Mae West wird mit ihren 52 Metern den Friedensengel (38 Meter) größenmäßig lässig überflügeln. Die weiteren Maße und Gewichte der Gitterdame am Effnerplatz: Sie wiegt rund 200 Tonnen, die Kreisdurchmesser betragen an der Basis rund 32, am oberen Rand 20 und an der Taille acht Meter. Die Tunneldecke, auf der das neue Wahrzeichen Bogenhausens steht,wurde schon für die künftige Last vorbereitet. Am Wochenende wird das vormontierte 37 Meter hohe Oberteil der Plastik mit einem Großkran eingehoben. Nach der Fertigstellung der Plastik werden die Schienen für die Tram Richtung St. Emmeram durch das Gestänge verlegt. Achtung: Am Wochenende kommt es ab Freitag, 22 Uhr abend zu Verkehrssperrungen, von denen auch der Stadt-Bus 144 betroffen ist.

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