Ein Ort zum Durchatmen

Münchenstift eröffnet neue Tagespflege

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Duell am Kicker: Theresa Streale (87) fordert ihren demenzkranken Mann Josef (88) heraus.

Rund 26 000 Menschen in München sind pflegebedürftig. Mehr als 70 Prozent werden daheim versorgt.  Um die Angehörigen zu unterstützen, hat der städtische Altenheimträger Münchenstift jetzt eine neue Tagespflege mit 20 Plätzen in ihrem Haus St. Josef eröffnet.

München - Rund um die Uhr für einen geliebten Menschen da sein – pflegende Angehörige wissen genau, was das bedeutet: waschen, kochen, füttern, sich um den Haushalt kümmern und nebenbei nie den kranken Ehepartner oder Elternteil aus den Augen lassen. Wie kann man die Angehörigen dabei entlasten? Ein Ansatzpunkt sind Tagespflege-Einrichtungen. Die Münchenstift GmbH hat nun genau so eine eröffnet. Im Heim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz können Angehörige ihre Liebsten tagsüber unterbringen – um selbst mal durchatmen zu können.

„Durch die Altersentwicklung werden in unserer Stadt immer mehr Menschen zu Hause gepflegt, da ist die Tagespflege eine wichtige Säule für die Zukunft“, sagt Münchenstift-Chef Siegfried Benker. Schon im Jahr 2031 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in der Stadt auf knapp 32 000 gestiegen sein, wie Statistiken zeigen. Benker: „Ich werde daher nie mehr Heime planen ohne integrierte Tagespflege-Einrichtung.“ Diese sind bitter nötig: Gibt es doch bisher in der Weltstadt mit Herz nur 180 Plätze, wo Pflegebedürftige kurzzeitig von 8 Uhr bis 17 Uhr versorgt und gepflegt werden. Durch die neue Einrichtung im Heim St. Josef kommen 20 Plätze hinzu. Noch ist das viel zu wenig. Teils gibt es in anderen Einrichtungen lange Wartelisten. Immerhin: Im neuen Tagesbereich der Münchenstift sind noch Plätze frei.

Die Kosten dieser Versorgung tagsüber trägt generell die Pflegekasse. So gibt es beispielsweise für die Pflegestufe III einen Freibetrag von 1298 Euro. Mit dieser Summe hat der Angehörige die Möglichkeit, den Liebsten ein paar Tage im Monat in der Einrichtungen unterzubringen – ohne selbst etwas zuzahlen zu müssen. Bei der höchsten Pflegestufe V sind es 1995 Euro. Zwar berechnet das Heim eine Essenspauschale von gut 20 Euro pro Tag – diese kann man aber über den sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro bei der Pflegekasse geltend machen.

Der schwer demenzkranke Ehemann von Theresa Streale (87) wird ein Mal pro Woche mit einem speziellen Taxi abgeholt, um den Tag in St. Josef zu verbringen. „Mein Josef mag das sehr, und ich kann mich in dieser Zeit mal um andere Sachen kümmern“, erzählt die 87-jährige. Trotz ihres hohen Alters versorgt sie ihren Mann noch immer selbst. „Das machen ja viele Menschen so“, sagt sie. Und die Tageseinrichtung hat noch einen Vorteil: Die kranken Gäste werden dort nicht nur medizinisch versorgt, sondern auch betreut. So gibt es eine Malecke, einen Handwerkertisch, es wird zusammen gekocht oder einfach nur geredet – für Demenzkranke wichtige Beschäftigungen. „Mein Mann liebt den Kontakt zu Mitmenschen“, sagt Elfriede Reindl (77) die ihren Gatten Erich (81) in die Einrichtung bringt. „Trotz seiner Demenz will er ja nicht den ganzen Tag zuhause sitzen. Da wird sein Zustand nur schlimmer.“

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