Die Heimbilanz

Die Münchenstift unterzieht sich Qualitätskontrolle

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Im Haus St. Josef deckte RTL den Misshandlungsskandal auf – jetzt soll die Pflege besser werden.

München - De neue Qualitätsbericht der Münchenstift, einer Tochtergesellschaft der Stadt, soll zeigen, dass nicht alle Münchner Pflegeheime von Missständen und erheblichen Mängel betroffen sind.

Es war ein hartes Jahr für das Pflegeheim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz – erst deckt Enthüller Günter Wallraff auf RTL einen Misshandlungsskandal auf, dann stellt die Heimaufsicht bei gleich vier Kontrollen immer wieder Mängel in der Pflege und der Betreuung fest. Das steht auch so ausdrücklich im neuen Qualitätsbericht der Münchenstift, einer Tochtergesellschaft der Stadt. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) und Münchenstift-Chef Siegfried Benker sagen, der Bericht solle nichts beschönigen oder verschweigen. Sie wollen auch zeigen, das keines der acht anderen Häuser betroffen war.

Münchenstift-Chef Siegfried Benker

Das sieht man schon an den Kontrollen: In allen anderen Häusern habe die Heimaufsicht nichts auszusetzen oder bemängelte nur, dass zu wenig Pfleger mit Spezialausbildung für Demenz vor Ort waren. „Die Bilanz fällt insgesamt sehr positiv aus“, sagt Bürgermeisterin Strobl. Die Belegung liege aktuell bei 99,3 Prozent – bei den übrigen Heimen in München seien es 90 Prozent. „Das ist ein Beweis für die Qualität der Münchenstift. Schlechte Pflege spricht sich doch schnell herum.“ Jeder dritte pflegbedürftige Münchner zieht in ein Münchenstift-Heim – 1850 Mitarbeiter kümmern sich um 2378 Bewohner, darunter sind 2100 Pflegebedürftige.

Besonders stolz ist Benker auf die Quote bei den Freiheitsentziehenden Maßnahmen – das sind etwa Bettgitter oder Fixier-Gurte. Die stehen in Verruf, weil sie auch zur Ruhigstellung der Bewohner missbraucht werden können. Nicht bei Münchenstift: Hier liegt die Quote bei einem Prozent – im Rest der Stadt sind es fünf Prozent.

Und die Gesellschaft will sich verbessern – vor allem im Haus St. Josef: Weil im Vergleich mit den anderen Heimen dort noch viele Bewohner ins Krankenhaus verlegt werden und dort sterben, soll eine eigene Palliativ-Fachkraft die Bewohner in ihren letzten Stunden begleiten. Außerdem wurde der Pflegebereich verkleinert: 35 Betten wurden in Wohnbereiche für die Pfleger umgewandelt – der freiwillige Aufnahmestopp wird von Station zu Station aufgehoben.

Pflegeheim Betten Mitarbeiter Fluktuation

Kontrollen

Heimaufsicht

(Mängel)

Verpflegung

Punkte

Gestürzte

Bewohner

Verstorben

Heim/Klinik

Haus St. Martin, St.-Martin-Straße 34, Giesing 272 216 15% 1 (Fachkraftquote) 91,6 192 75%/25%
St. Josef, Luise-Kiesselbach-Platz 2, Sendling 339 232 19% 4 (Pflege-Mängel) 89,5 173 65%/35%
Haus St. Maria, St.-Martin-Str. 65, Ramersdorf 209 144 16% 3 (Fachkraftquote) 94,7 144 72%/28%
Haus an der Rümannstraße 60, Schwabing 442 255 12% 2 (keine) 92,4 263 73%/27%
Hans-Sieber-Haus, Manzostraße 105, Untermenzing 311 221 9% 1 (keine) 94,1 235 76%/24%
Alfons-Hoffmann-H., Agnes-Bernauer-Str. 185, Pasing 224 180 18% 1 (Fachkraftquote) 92,6 149 68%/32%
Haus an der Effnerstraße 76, Bogenhausen 164 103 21% 2 (Fachkraftquote) 96,5 111 71%/29%
Haus an der Tauernstraße 11, Harlaching 250 195 12% 1 (keine) 97,8 177 61%/39%
Haus Heilig Geist, Dom-Pedro-Platz 6, Neuhausen 227 169 8% 1 (Fachkraftquote) 94,1 149 69%/31%

David Costanzo

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