Dramatischer Abstieg im Gewittersturm rettet 40-Jährigem das Leben

Münchner Bergsteiger vom Blitz getroffen!

Arndt S. (40, Spitzname „Addi“) aus Garching überlebte das Drama im Klettersteig.

München/Linz - Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes – trotzdem stieg Arndt S. (40, Spitzname „Addi“) aus Garching am Freitag mit seinen beiden Neffen Ralf (22) und Martin (27) aus Dresden in den extrem schwierigen Bert-Rinesch-Steig (Oberösterreich) ein.

Auf halbem Weg zum Gipfel passiert die Katastrophe: Die Drei werden von einem Blitz getroffen und verletzt. Es beginnt eine dramatische, siebenstündige Rettungsaktion.

Als das Trio am Morgen vom Prielschutzhaus auf 1420 Metern Höhe in Richtung Bert-Rinesch-Steig, der als einer der anspruchvollsten Klettersteige der Alpen gilt, aufbricht, ist das Wetter noch gut. Ziel ist die höchste Erhebung des Toten Gebirges: der Große Priel. Zunächst läuft die Tour wie geplant. Aber gegen 12.30 Uhr, 500 Höhenmeter unterhalb des Gipfels, im Bereich der Notfallbox, erleidet der 40-jährige Arndt S. plötzlich einen Schwächeanfall, kann nicht mehr weiter. Die Drei wollen umkehren. Doch zu spät! Das Wetter schlägt um, ein gewaltiges Gewitter bricht los.

Arndt S. und seine beiden Neffen bringen sich im Bereich der Notfallbox in Sicherheit, lösen sich vom Seil. Doch dann passiert’s: „Es gab einen lauten Knall“, erzählt Martin der tz. „Dann sah ich auf einmal helle Wolken.“ Funken sprühen, ein Stahlseil über ihren Köpfen glüht. Ein Blitz ist in eine der eisernen Steigleitern über ihnen eingeschlagen und dann durch ihre Körper in die Erde gefahren.

Die Drei erleiden Verbrennungen, stehen unter Schock. Arndt S., der durch den Einschlag einige Meter abgerutscht ist, spürt seine Beine nicht mehr. Der erste Gedanke: „Wir müssen sofort Hilfe alarmieren.“ Doch ihre Handys haben keinen Empfang. Erst nach mehreren Fehlversuchen gelingt es Ralf, einen Hilferuf per SMS an eine zurückgebliebene Freundin ins Prielschutzhaus abzusenden.

Die Freundin alarmiert den Hüttenwirt, der wiederum die Bergrettung. Um 13.10 Uhr läuft die Rettungsaktion an. Das Problem: Durch das extreme Unwetter kann kein Hubschrauber aufsteigen. 22 Bergretter aus Vorder- und Hinterstoder sowie drei Alpin-Gendarmen machen sich zu Fuß auf den Weg zu den Verunglückten. Doch die Retter können nicht in den Steig einsteigen. Die Gefahr eines Blitzeinschlags ist viel zu groß: „Wir wären lebensmüde gewesen, wenn wir das versucht hätten“, erklärt der Ortsstellenleiter der Bergrettung Hinterstoder, Hans Hackl (52). Die Retter warten unterhalb des Steigs in einem Schneefeld auf die Blitzopfer.

Das Unglücks-Trio muss sich selbst helfen. Trotz des tobenden Gewitters beschließen die Drei, den Abstieg zu wagen. Die beiden Neffen nehmen das 200 Meter-Seil aus der Rettungskiste und beginnen, ihren schwer verletzten Onkel abzuseilen. Dann steigen die Neffen nach. Vier qualvolle Stunden dauert die Höllentour bis zu dem Schneefeld, wo die Retter warten.

Bei der Ankunft ist das Trio mit den Kräften völlig am Ende. Arndt S., Martin und Ralf werden vom Schüttelfrost gebeutelt. „Es ist ein Wahnsinn, dass die das überlebt haben“, sagt Hans Hackl von der Bergrettung. „Vermutlich haben sie den Abstieg nur durch den extremen Adrenalin-Schub geschafft.“ Ein Arzt der Bergrettung stellt fest: Sie müssen sofort ins Krankenhaus! Doch es sind nochmal zwei Stunden Abstieg bis zur Straße, wo der Krankenwagen wartet. In der Klinik kommt Arndt S. sofort auf die Intensivstation.

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Inzwischen geht es den Dreien den Umständen entsprechend gut, wie Martin berichtet. Er und sein Bruder Ralf sollen heute schon wieder entlassen werden. Ihr Onkel Arndt S. muss wegen einer Knöchelverletzung noch ein paar Tage bleiben. Die riskante Bergtour wird wohl noch ein finanzielles Nachspiel für das Trio haben: Die Kosten für den Rettungseinsatz in Höhe von etwa 2000 Euro werden sie selbst zahlen müssen.

Sebastian Peterhans

Quelle: tz

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