So hart ist ihr Kampf

Münchner berichten: Warum wir obdachlos sind

München - Die SPD schlägt Alarm und fordert: Der Freistaat muss der Stadt helfen, mehr Platz für Obdachlose zu schaffen. Die tz sprach mit drei Betroffenen.

Bei eisiger Kälte unter der Brücke schlafen – noch bleibt das vielen Obdachlosen in München erspart. Sie finden Unterschlupf in Notquartieren. Doch dort wird es eng: Statt ein paar Nächten belegen Obdachlose die Schlafplätze viele Monate, die Heime quellen über. Der Grund: Es gibt kaum noch Wohnungen, in die die Stadt die rund 5000 Wohnungslosen vermitteln kann – zu teuer sind die Mieten. Jetzt schlägt die SPD im Landtag Alarm und fordert: Der Freistaat muss der Stadt helfen, mehr Platz für Obdachlose zu schaffen, organisatorisch und finanziell. Wie hart der Kampf ums eigene Zuhause ist, erzählen drei Betroffene:

I. Steffens

460 € Rente reichen nicht

Von den eigenen vier Wänden träumt Klaus Geiger schon lange. Vor ein paar Jahren, genau erinnert er sich nicht, kam der 67-Jährige in die Psychiatrie. Wegen der Krankheit musste der Münchner raus aus seiner Wohnung. Er kam in die Klinik nach Haar, lebte dann im Heim an der Waakirchner Straße. Dann wieder ein Klinikaufenthalt. Vor zwei Monaten hat Geiger an der Pilgersheimer Straße einen Schlafplatz gefunden. Er ist froh drum, aber: „Ich will endlich wieder für mich selbst sorgen.“ Doch mit seinen 460 Euro Rente eine Wohnung finden? „Das ist sehr schwierig.“

Suche Job mit Wohnung

Jeden Tag kommt Peter Kalin zum Mittagessen ins Wohnheim an der Pilgersheimer Straße. Vor zwei Monaten lebte er noch dort, jetzt übernachtet der 55-Jährige provisorisch in einer Pension in Aubing. „Ich bin vor einem Jahr nach München gekommen. Eine bezahlbare Wohnung habe ich noch nicht gefunden.“ Kalin sucht jetzt einen Hausmeister-Job. „Denn da wäre die Wohnung gleich mit dabei.“

Hoffnung auf Sozialwohnung

Hubert Hirschinger (58) ist Stammgast an der Pilgersheimer: Seit 1999 kommt er immer wieder im Heim unter. Als seine Frau vor 20 Jahren starb, verlor er den Halt im Leben: Er wurde alkoholabhängig, musste aus seiner Wohnung. Seitdem tingelt er von Heim zu Heim. Hirschinger ist Staplerfahrer – doch langfristig Arbeit zu finden, ist schwer. Ein Teufelskreis: ohne Job keine Wohnung. „Ich beantrage jetzt eine ­Sozialwohnung. Keine Ahnung, ob es klappt.“

Rubriklistenbild: © Westermann

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